Bemerkenswert

Klima-Blog Schleswig-Holstein

Schön war’s! Die Klima-Blog-SH-Aktion ist nun zu Ende und diese Seite wird nicht mehr aktualisiert. Der Blog bleibt allerdings weiterhin online. Vielen Dank an die Autoren und Autorinnen für Ihre tollen Beiträge und an unsere LeserInnen für die interessanten Kommentare und Tipps.

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In der ersten Woche des Jahres testet das Klimaschutz-Netzwerk Schleswig-Holsteins unterschiedliche Möglichkeiten, Ressourcen zu schonen. Was lässt sich leicht in den Alltag integrieren? Und wo kommen wir an unsere Grenzen?

Ab dem 8.1. berichtet den Januar über von Montag bis Freitag einer der Tester/Testerinnen von seinen/ihren persönlichen Höhen und Tiefen.

Hier ein Überblick über die Themen:

 

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Ein Fazit – geteilter Klimaschutz ist doppelter Klimaschutz

Zuallererst möchten wir uns ganz herzlich bei Allen Autoren und Autorinnen für die tollen, interessanten, witzigen und ehrlichen Beiträge bedanken. Auch unseren Lesern und Leserinnen ein großes Dankeschön für euer Interesse, die informativen Links und eigenen Erfahrungsberichte. Oft hört man, dass Menschen sich für den Klimaschutz und Nachhaltigkeit interessieren, aber nicht wissen, wie sie diese Themen in ihren Alltag integrieren sollen. Dieser Blog war da die ideale Möglichkeit für uns, sich mit dem eigenen Verhalten auseinanderzusetzen, und dabei uns selbst und andere zu inspirieren. Ganz ohne den erhobenen Zeigefinger, ganz persönlich und eben ehrlich. Einiges hat geklappt, einiges ist gescheitert, aber es hat auf jeden Fall viel Spaß gemacht. Und wie oft nimmt man sich sonst die Zeit sich mit dem eigenen Wasser, Wärme- oder Energiebedarf auseinanderzusetzen? Wann habe ich zum letzten Mal richtig bewusst eingekauft, auf Herkunft, Erzeugung und Verpackung geachtet? Was versteckt sich eigentlich noch so in meinem Schrank und was kann ich selber zubereiten? Wie bewege ich mich im Alltag und wo lege ich mein Geld an? Fragen, die wir untersucht haben und dabei sicher nicht alle, aber einige Antworten für uns gefunden haben. Es ist immer schwierig dauerhaft etwas zu verändern und seinen Ressourcenverbrauch zu senken, aber in kleinen Schritten ist es vielleicht einfacher. Klimaschutz lässt sich in eigentlich alle Aspekte des Alltags integrieren, warum also nicht mal anfangen und einen davon testen? Wir hoffen, dass dieser Blog ein paar der Möglichkeiten zur Umsetzung aufzeigt und das Bewusstsein stärkt. Sicherlich haben wir alle in der Testzeit unsere Entdeckungen gemacht und etwas für die Zukunft mitgenommen. Ob es nun programmierbare Ventile, alte Hausmittel, nachhaltige Freizeitgestaltung, zu Fuß gehen oder eine regionale Gemüsekiste sind. Klimaschutz ist ja an sich eine gemeinschaftliche Aufgabe und wird nur besser und einfacher, je mehr Menschen sich daran beteiligen. Also, nur Mut, schau dich um und fang ruhig klein an, ein paar Ideen findest du hier, viele weitere im Netz, deinem Bekanntenkreis und deiner Stadt.

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Home sweet home – Energetische Optimierung im Altbau

5 : 10 HochformatDie Energiewende hat sich in den letzten Jahren vornehmlich auf die Bereiche Strom und Mobilität konzentriert. Das Thema „Wärme“ ist dabei sehr vernachlässigt worden, obwohl dieser Sektor mehr als die Hälfte des deutschen Endenergiebedarfs ausmacht und damit für über 40 % der energiebedingten CO2-Emissionen verantwortlich ist. Höchste Zeit also, dass die „Wärmewende“ in Deutschland endlich stattfindet.

Als Klimaschutzmanager im Kreis Plön besteht meine Aufgabe darin, das Thema Wärme in den kreisangehörigen Gemeinden auf die Tagesordnung zu setzen und Projekte zur klimafreundlichen Wärmeversorgung anzuschieben. Beste Voraussetzungen also, um sich auch privat einmal näher mit dem eigenen Wärmebedarf auseinanderzusetzen. Da meine Familie und ich gerade einen Altbau übernommen haben und ihn für unseren Einzug vorbereiten, liegt es auch hier auf der Hand, sich mit dem energetischen Zustand des Hauses und den Verbesserungsmöglichkeiten einmal genauer zu beschäftigen.

Dazu ist erst einmal die Erfassung des Ist-Zustands nötig: Das Haus wurde 1912 gebaut, und dass es als eines von wenigen Häusern in der Nachbarschaft beide Kriege unbeschädigt überstanden hat, werte ich als gutes Omen J . Beim Bau eines so alten Hauses wurde Energiesparsamkeit natürlich noch nicht mit eingeplant. Die vorherigen Besitzer haben immer mal wieder einige Optimierungen vorgenommen, aber einiges ist dabei sehr uneinheitlich umgesetzt worden. So wurden viele Fenster schon durch dreifach verglaste Wärmeschutzfenster ersetzt, an anderen Stellen gibt es vereinzelt aber noch einfach verglaste, alte Fenster, durch die viel Wärme entweicht. Ebenso verhält es sich mit der Dämmung: Ein Großteil der obersten Geschossdecke und des Daches wurden gedämmt. Auch wenn die Dämmung im Dach durchaus dicker sein könnte, so hält dies doch schon einen guten Teil der Wärme im Gebäude. Allerdings ist ein anderer Teil des Daches komplett ungedämmt. Hier entweicht natürlich ein Großteil der Wärme.Foto 1 - Dach

Ebenso braucht es keinen Fachmann um zu erkennen, dass die undichte Terrassentür die warme Luft einfach nach außen entweichen lässt und damit dringend in Angriff genommen werden sollte.

Warmwasser und Heizwärme werden immerhin schon über einen Gas-BrennwertkesselFoto 2 - Heizung zentral im Keller bereitgestellt. Im Gegensatz zu einer „normalen“, klassischen Gasheizung wird bei einem Brennwertkessel nicht nur der Heizwert des Brennstoffs, sondern auch die Abwärme in Form von Kondensationsenergie genutzt, um das Wasser zu erhitzen. Daher wird wesentlich weniger Gas benötigt, um auf eine ausreichende Temperatur zu kommen, und der Wirkungsgrad ist deutlich höher. Auf lange Sicht wäre es natürlich schön, die eigene Wärmeversorgung komplett nachhaltig zu gestalten, aber mit dieser Anlage kann man erst einmal leben. Zusätzlich zur Zentralheizung ist unser zukünftiges Wohnzimmer noch mit einem Holzkamin ausgestattet.

Foto 3 - Ofen

Nun scheiden sich die Geister daran, ob es sinnvoll und nachhaltig ist, Biomasse zu verfeuern. Allerdings können wir unser Holz aus dem eigenen Garten oder von Nachbarn bekommen, sodass hier kein Holz verfeuert wird, welches dann an anderer Stelle fehlt.

Wie soll es jetzt im Sinne der energetischen Sanierung weitergehen?

  • Da wir gerade sowieso schon dabei sind, einige dreckige Arbeiten auszuführen, werden wir Maßnahmen die ebenso viel Dreck verursachen, möglichst auch jetzt schon umsetzen. So haben wir geplant, die wenigen alten Fenster, durch die viel Wärme verloren geht, durch neue Wärmeschutzfenster zu ersetzen. Ebenso werde ich als einen der ersten Schritte die Dämmung des Daches ergänzen und verbessern. Dazu muss ich mich noch ein wenig näher mit den vielen Dämmstoffen auseinandersetzen. Schön wäre es, auch hier ein Material einzusetzen, das möglichst nachhaltig erzeugt wurde.
  • Die Terrassentür wird natürlich auch überarbeitet werden, sodass sie wieder dicht schließt und die Wärme nicht mehr ungehindert nach draußen entweicht.
  • Wahrscheinlich werden wir auch einmal privat die von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderte Klimaschutzkampagne „Haus sanieren – profitieren“ ausprobieren. Dabei kommt ein geschulter Energieberater aus der Umgebung für einen kostenlosen Energiecheck zu einem nach Hause und geht Schritt für Schritt das Haus durch, um Möglichkeiten zur energetischen Optimierung aufzuzeigen. Die Ergebnisse können dann dazu genutzt werden, um sich einen persönlichen „Fahrplan“ für die Sanierung bzw. Optimierung des eigenen Heims zu erstellen.
  • Um unseren Wärmebedarf weiter zu reduzieren, rüsten wir unsere Heizkörper jetzt zusätzlich mit programmierbaren Thermostaten aus. Diese erlauben es, die Raumwärme gezielt zu regulieren und so Energieverbrauch und Kosten zu reduzieren. Außerdem lassen sich die Räume einfacher gleichmäßig wärmen, was wiederum eine effizientere Wärmeversorgung verspricht.

Auf längere Sicht werde ich mich auch damit auseinandersetzen, ob sich unsere Dachfläche für eine Solarthermie- (Warmwassererzeugung durch Sonnenenergie) oder Photovoltaikanlage (Stromerzeugung durch die Sonne) nutzen lässt. Das würde unseren Energieverbrauch natürlich noch deutlich klimafreundlicher machen. Da wir unseren Strom aber bereits vor einiger Zeit auf Ökostrom umgestellt haben, sind wir im Bereich Stromversorgung schon relativ gut aufgestellt. Weiterhin haben wir überlegt, dass wir unsere Dachdämmung noch einmal verbessern wollen, wenn in einigen Jahren das Dach sowieso neu eingedeckt werden müsste. Aber das sind natürlich noch weit entfernte Maßnahmen.

Ich bin jedenfalls sehr gespannt darauf, was die einzelnen Maßnahmen bewirken werden und wie sich unser Energiebedarf dadurch drosseln lässt. Ich freue mich auch sehr darauf, die Maßnahmen nach und nach umzusetzen und selbst auszuprobieren. Auch wenn man sich mit einem Altbau nie im Bereich eines Passivhauses bewegen wird, bringt doch jede Einsparung einen Mehrwert. Sollte sich zusätzlich zum Klimaschutz auch noch Geld einsparen lassen, wäre das natürlich ein netter Nebeneffekt.

Weitere Informationen zur energetischen Sanierung von Gebäuden, zur Förderung von Maßnahmen und zur Beratung findet man zum Beispiel hier:

https://www.sanieren-profitieren.de/

https://www.co2online.de/

https://www.bauen.de/sanierung.html

https://www.sanier.de/

https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/Bestandsimmobilien/Energetische-Sanierung/

http://www.energiesparen-im-haushalt.de/energie/bauen-und-modernisieren/modernisierung-haus/altbausanierung.html

David-Willem Poggemann
Klimaschutzmanager Kreis Plön

Hamburger Straße 17 – 18
24306 Plön

E-Mail: david-willem.poggemann@kreis-ploen.de

Im Rausch – Wie viel Wasser verbrauche ich in einer Woche?

beritHabt ihr eine Idee, wie hoch euer wöchentlicher Wasserverbrauch ist? Ich muss gestehen, dass ich es nicht gewusst hätte. Doch mit meinem Umzug in eine neue Wohnung stellte sich mir diese Frage. Schließlich musste ich beim örtlichen Wasserversorger einen Vertrag abschließen. Ich hätte natürlich im Internet nach einem Durchschnittswert recherchieren können. Mit Ausnahme des monatlichen Abschlags wäre das ganze schnell wieder vergessen gewesen. Wäre da nicht die im Bad sehr zentral angebrachte Wasseruhr. Sie brachte mich auf die Idee, meinen Wasserverbrauch genauer unter die Lupe zu nehmen. Das ganze entwickelte sich schnell zu einem kleinen Wettbewerb zwischen meinem Freund und mir – Wer verbraucht beim Duschen am wenigsten Wasser? Wer spült am effizientesten ab? Beim ersten Punkt hat er zwar gewonnen aber ich schiebe das auf die deutlich kürzeren Haare.

Beim Spülen ist unsere Spülmaschine klar als Sieger hervorgegangen. Im Eco-Spülgangkaffe verbraucht sich lediglich 10 Liter. Vielleicht ist das gut so, da auf diese Weise Diskussionen darüber vermieden werden, wer mit dem Spülen an der Reihe ist (Bild links: Abspülvorgang mit 5,5, l Wasser). Getoppt wurde dieser Wert an Tag 6 mit 155 Litern. Mein tägliches Protokoll half mir, zu analysieren, warum gerade an diesen Tagen der Verbrauch so enorm hoch war. 

Um herauszufinden wie viel Wasser welche meiner alltäglichen Aktionen benötigt, habe     ich versucht, in der Testwoche nie mehrere Wasserverbraucher parallel zu nutzen. Ich stellte beispielsweise die Waschmaschine an und verließ für einen Spaziergang das Haus. Bei unserem Putztag füllte ich im Voraus Wasser zum Trinken in Flaschen ab, um das Ergebnis nicht zu verfälschen. Jeder Tag begann und endete mit einem Blick auf die Wasseruhr. Mein erster Tag begann direkt mit 134 Litern! Das sind 13 Liter über dem bundesdeutschen Durchschnitt aus dem Jahr 2013 (https://www.umweltbundesamt.de/daten/private-haushalte-konsum/wohnen/wassernutzung-privater-haushalte#textpart-1).

uhr

Mein täglicher Begleiter – Die Wasseruhr

Die Hauptwasserkonsumenten in unserem Haushalt sind die Toilettenspülung, die Waschmaschine und unser Putztag. Für das Putzen der gesamten Wohnung flossen 100 Liter Wasser. Ein 60°C Waschgang benötigt 60 Liter, die 40°C Wäsche 40 Liter (ob das ein Zufall ist?). Beim Duschen lagen wir zwischen 35 und 60 Litern. Wie also den Wasserkonsum reduzieren?

Die einfachste Änderung war die Wiedereinführung eines Zahnputzbechers. Dieser spart immerhin pro Tag 1 Liter Wasser. Leider wohnen wir in einer Altbauwohnung, die bisher nur recht wenige Sanierungen miterleben durfte. Wir sind daher stolze Besitzer eines Spülkastens, der noch in 2 Meter Höhe an der Wand hängt und durch eine Metallkette bedient wird. Die 11 Liter pro Toilettenspülung und Händewaschen wollte ich nicht hinnehmen. Nun ist mein tägliches Reck- und Streckprogramm, auf Zehenspitzen den Hebel am Kasten hochzudrücken, um die fehlende Spülstopptaste zu ersetzen. Für das Putzen muss ich mir noch etwas einfallen lassen. Was die Waschmaschine betrifft, lässt sich nicht viel ändern. Sie verfügt bereits über einen Mengenregulierer und passt (laut Hersteller) die Wassermenge an die Wäschemenge an. Zudem achten wir darauf, keine halbleeren Maschinen anzustellen. Beim Duschen mache ich bereits beim Shampoonieren das Wasser aus und versuche, mich zu beeilen. Leider klappt dies nicht immer. Gerade nach einem stressigen Tag ist eine warme Dusche eine Wohltat und ich vergesse für einen kurzen Moment mein Vorhaben, nicht so viel Wasser zu verwenden.

Mit den genannten Änderungen schaffte ich es dennoch, in der Testwoche auf einen durchschnittlichen Wasserverbrauch von etwa 100 Litern zu kommen. Dieses Ergebnis wurde jedoch dadurch verfälscht, dass ich an drei Tagen einige Zeit im Büro verbrachte und ich den Wasserverbrauch der Waschmaschine an den letzten 4 Tagen auf zwei Personen aufteilen konnte. Ich schätze daher, dass mein Wasserverbrauch dem deutschen Durchschnitt von etwa 121 Litern entspricht. Um diesen Wert weiter zu senken, werde ich für das Bad, die bereits im ersten Blogeintrag erwähnten, Mengenregler installieren. Unberücksichtigt bei meiner Betrachtung blieb das Thema indirektes oder auch virtuelles Wasser. Für die Herstellung von Produkten wird Wasser benötigt, etwa zum Bewässern der Baumwoll-und Getreidepflanzen. Die Menge Wasser, die bei der Herstellung anfällt wird virtuelles Wasser genannt(https://www.umweltbundesamt.de/daten/private-haushalte-konsum/wohnen/wassernutzung-privater-haushalte#textpart-2).  . Bei einer Berücksichtigung des virtuellen Wassers steigt in Deutschland der tägliche pro Kopf Verbrauch von 121  auf 4.230 Liter! Für mich ist mit diese Zahl immer eine Motivation lieber eine Tasse Tee (30 Liter) statt Kaffee (121) Liter zu trinken (http://vdg.durstige-gueter.de/kaffee_tee.html. Doch dieses Thema ist zu umfangreich um es angemessen in diesem Blogeintrag zu beleuchten.

Schlussendlich kann ich sagen, dass in dieser einen Woche sicherlich nicht die sauberste Messreihe entstanden ist, ich jedoch ein Gefühl dafür bekommen habe, wie viel Wasser ich, ohne darüber nachzudenken, jeden Tag im Abfluss verschwinden lasse. Beim nächsten Mal werde ich dann hoffentlich auch meinen virtuellen Wasserverbrauch genauer unter die Lupe nehmen können.

logoBerit Ostrander, Klimaschutzmanagerin der Gemeinde Trittau

berit.ostrander@trittau.de

http://www.trittau.de/pages/buergerservice/klimaschutz.php

https://www.umweltbundesamt.de/daten/private-haushalte-konsum/wohnen/wassernutzung-privater-haushalte#textpart-1

 

Kaufstopp – Eine Woche ohne Konsum

Heute Abend gibt es Grießbrei und „der Rest ist für die Gottlosen“

rmaass_2016Das war der Lieblingssatz meines Vaters „der Rest ist für die Gottlosen“. Aufgewachsen in einer Zeit des Mangels an Nahrung und Konsumgütern während der 30er und 40er Jahre des letzten Jahrhunderts, ließ er gerne einen Teil seines Getränks im Glas und einen Rest Essen auf dem Teller. Mit Kleidung, Schuhen und Rasierwasser war er dagegen äußerst sparsam. Auch das Auto wurde ab den 70er Jahren alle 2 Jahre recycelt, sprich, ein neues bestellt und das alte in Zahlung gegeben.

Zusätzlich bin ich wiederum mit dem Satz „Warte bis die schlechte Zeit wiederkommt, du musst mehr haushalten und nicht so viel wegwerfen“ aufgewachsen. Dementsprechend sehen meine Vorratsschränke jetzt aus, vollgestopft warten sie auf die „schlechte Zeit“.

Bestandsaufnahme Nr. 1Bestandsaufnahme Nr. 2

Abb. 1: Bestandsaufnahme Nr. 1 und Nr. 2

Da ich vor einiger Zeit schon einmal einen „all you can eat from the shelf“ Selbstversuch mit einem guten Freund aus Ungarn für über 2 Wochen unternommen hatte, fiel meine Entscheidung im KlimaBlog auf das Thema „Kaufstopp – eine Woche ohne Konsum“. Ich wollte und will mich mehr mit meinem Nahrungs- und Konsumverhalten beschäftigen. Und die Vorratsschränke leeren!

Also machte ich kurz vor Weihnachten eine Bestandsaufnahme und überlegte, was ich dringend noch anschaffen müsste, um die Woche durchzustehen. Zwei Sachen sind und waren unbedingt notwendig, Kaffee und Katzenfutter. Ach, und Katzenstreu auch noch, wegen des schlechten Wetters draußen, sonst gehen die vier ja gerne in´s Grüne für diese Erledigungen. Die Bestandsaufnahme ergab, dass ich locker vier bis sechs Wochen durchhalten könnte.

Wie immer bei solchen Gelegenheiten machte ich einen Plan:

  1. Tagesberichte erstellen
  2. Rezepte überlegen
  3. Inventur in der Wohnung vornehmen
  4. Wie sieht´s mit dem Recycling aus?
  5. Gehe ich nachhaltig vor?
  6. Verwende ich regionale Produkte?
  7. Was kann ich selbst anfertigen? Kann ich das überhaupt noch?
  8. Abfall vermeiden – geht das?
  9. Fahre ich denn noch mit dem Fahrrad? Wenn ja, wieviele km?
  10. In Notsituationen tausche ich mit Nachbarinnen und Nachbarn
  11. Das leidige Thema Kleidung – Schrank aufräumen
  12. Analyse des Bürozimmers – für wie viele Jahrhunderte reicht mein Stifte Vorrat eigentlich?

Planungsmäßig gestärkt sollte meine Testphase am 23.12.2017 beginnen.

Doch es kam alles anders als geplant. Am 22.12.2017 wachte ich mit Rückenschmerzen auf und bekam beim Aufstehen einen Hexenschuss. Bücken zum Schrank ging nun gar nicht mehr, konsumieren konnte ich aber auch nichts, weil ich die ersten 5 Tage so ziemlich bewegungsunfähig war. Also ging die eigentliche Testwoche (ehrlicherweise) nach Weihnachten am 28.12.2017 los und endete am 5. Januar 2018.

Tagesberichte (gekürzte Fassung)

28.12.2017

Nach Bestandsaufnahme Rezeptliste erstellt: Nudeln mit Apfel, Hefetaschen mit Tomaten+Rosmarin, Grießbrei mit Erdbeermarmelade, Rosmarinbratkartoffeln, Bohnen mit Gerste, Maispolentapfannkuchen möglich. Außerdem habe ich ca. 50 Gläser selbstgekochte Marmelade. Verhungern werde ich also nicht. Brot fehlt, das muss ich selbst backen oder von der Nachbarin ertauschen. Ein Woche keinen Konsum erscheint mir sehr einfach, ich vergrabe am besten die EC-Karte im Garten.

29.12.2017

Was mache ich, wenn Langweile auftaucht, weil ich nicht rausgehen will. Verführung,Essen aus dem Schrank Tag 2 Pfannkuchen was nettes, wie zum Beispiel Strümpfe oder ein paar Winterstiefel zu kaufen, ist doch groß. Zeitung Schrot&Korn 12/2017 durchgeblättert. Artikel über „Essen für die Tonne gefunden“. Der WWF hat ermittelt, das in Deutschland jedes Jahr 18 Mio t Lebensmittel weggeworfen werden, 570 kg jede Sekunde! Dabei versuche ich doch schon abgelaufene und halbabgelaufenen Lebensmittel zu kaufen…. Letztens, kurz vor Weihnachten gab es Bio-Eier, deren MHD über die Feiertage abgelaufen wäre. Also gibt es heute Maispolenta-Pfannkuchen.Aber mit den vielen Marmeladengläsern könnte ich eine Beste-Reste-Party veranstalten oder mich beim Foodsharing anmelden. Ja, das wär´s, dann habe ich auch mehr Platz im Schrank und kann im Sommer wieder neue Himbeermarmelade einkochen. (www.foodsharing.de) Das sieht ja richtig gut aus, auf der Homepage, gibt sogar einen Essenskorb in meiner Nähe!

30.12.2017

Das Jahresende naht und ich wollte doch eine Inventur in der Wohnung vornehmen. Werkzeug ist an verschiedenen Stellen vorhanden, die Wände hängen voller Bilder, überall liegt was rum. Wenn ich jetzt alles zählen wollte, wäre ich mehrere Wochen beschäftigt. Eine Freundin hat mal über mich gesagt, ich hätte einen „amorphen Charakter“. Das hilft mir jetzt aber auch nicht weiter. Ich wollte ja schon immer meine Wohnung und mein Leben „entrümpeln“ und hatte vor, mit der Nachbarschaft einen Bahnhofsflohmarkt zu veranstalten.

https://www.simplify.de/sachen/aufraeumen/artikel/entruempeln-wohnung-ausmisten-raeumt-die-seele-auf/

Gleich morgen ☺ fange ich mit den Planungen an. Die Homepage über das Entrümpeln räumt die Seele auf, gibt schon tolle Tipps dafür. Allerdings fange ich nicht dem Portemonnaie an, hier liegen schon genug Kassenzettel rum.

31.12.2017

Silvester, Jahresende! Und ich habe es geschafft, keine Knallbonbons oder Vesuve zu kaufen. Wo ist eigentlich die EC-Karte geblieben? Na, kann mich eh nicht bücken. Heute Abend bin ich bei der Nachbarin zum Film gucken und Sekt trinken. Nehme den Rest Glühwein mit, den ich noch von Anfang Dezember im Schrank habe.

01.01.2018

Neujahr. 2018 haben wir schon. Und die Katzen fangen an zu jaulen, weil ich ihr extra „Leckerlie“ rationiert habe, sonst kommen wir nicht bis zum 5ten Januar ohne Konsum hin. Und dann immer dieser Plastikabfall. Wenn die Tiere doch mal über ihr Abfallverhalten nachdenken würden!

02.01.2018

Was kann ich selbst anfertigen? Kann ich das überhaupt noch? Seit längerer Zeit schon brauche ich einen neuen Pullover, die alten sind entweder fusselig, unmodern oder lösen sich am Ärmel auf, wie mein blauer Lieblingstroyer. Nach dieser Woche werde ich Wolle organisieren und mir einen Pullover selbst stricken, das kann ich ja noch. Nur bis der fertig ist, ist April und es wird wärmer. Zum Hosen und Hemden nähen habe ich nicht so richtig Lust. Aber meine Mutter und Großmutter haben das früher viel gemacht. Das gab es auch noch nicht so viel zu kaufen. Ostern hatten meine Schwester, meine Cousine und ich dann immer dieselben Karogemusterten Faltenrockkleidchen. Uuh, wie schrecklich, nein, das möchte ich dann doch nicht. Schlechte Erinnerungen werden wach. Aber was könnte ich mit den vielen T-Shirts und Hemden in meinem Schrank tun? Finde im Internet einen Artikel über Kleider und Stoffberge in Bangladesch. Dort stellen sie Mode aus Müll her, Upcycling-T-Shirts werden die genannt. Sieht interessant aus.

https://www.kontinente.org/epaper/201801/dominikanerinnen/downloads/livebook.pdf

Wäre eine Möglichkeit, doch die Nähmaschine wieder hervorzuholen! Und aus meinen vielen T-Shirts etwas „Neues“ zu nähen.

Zitat: „Die tatsächlichen Kosten der Kleiderproduktion spiegeln sich nicht im Endpreis der Produkte wider. Würden die sozialen und ökologischen Folgen eingerechnet, gäbe es im Laden kein Billig-T-Shirt für fünf Euro zu kaufen. Den Preis für günstige Kleidung zahlen die Niedriglohnarbeiter und die Umwelt. Durch konsequentes Upcycling könnten bei der Produktion von Kleidern bis zu 80 Prozent Wasser und 85 Prozent CO2 gespart werden.“

Und ich will meine alte Kleidung einfach nur Wegwerfen? Wo bleibt da mein Wunsch für nachhaltiges Verhalten?

03.01.2018

Beim Aufräumen der Flurkomode einen Gutschein über drei Euro vom Freßnapf gefunden, werde gleich in den Ort runterfahren und für die Tiere dieses Extraleckerlie holen, das Gejaule halte ich nicht mehr aus. Vielleicht hätte ich doch das Thema „Ruiniert mein Haustier meine CO2-Bilanz“ nehmen sollen. Die vier machen sämtliche Bemühungen von mir mit regionalem Einkauf zunichte. Habe ja schon mehrfach versucht, sie vom Trockenfutter wegzubekommen, aber das Nassfutter frisst nur der schwarze Kater, die gestreiften wollen nicht. Die Plastikverpackungen vom Futter stören mich schon ziemlich. Zählt „Gutschein-einsetzen“ eigentlich zum Konsum? Ich könnte auch gleich Mehrweggläser wegbringen und von dem Pfandgeld etwas Obst kaufen. Frische Ware fehlt mir schon, Apfelsinen, Gurke, Tomaten und Salat sind schon seit vorgestern alle.

04.01.2018

Oh, nee, der Kaffee ist alle. Ich hatte es befürchtet. Nochmal aufbrühen des alten Kaffees ist nicht so schmackhaft. Was kann ich mit der Nachbarin tauschen? Marmelade hat sie selbst genug, es gibt noch Tomaten und Linsen in meinem Schrank, Salz habe ich auch noch jede Menge. Oder die restlichen Weihnachtskekse? Na, ich probier’s einfach mal.

Was die in Kiel können mit ihrer Tauschbörse, sollten wir hier doch auch hinbekommen, oder? https://tauschboerse.abki.de/

Kaffee ist leider alleWarnung - Teilen ja, aber nur geschwisterlich

05.01.2018

Letzter offizieller Tag. Ich gebe nochmal alles und koche Gerste mit Bohnen aus der Dose. Ist essbar. Zum Abend gibt es selbsthergestellten Saft aus Himbeeren von der Terrasse.

Essen aus dem Schrank_letzter TagSaft aus eigerner Herstellung 2017

Ende der Geschichte

Fazit: Frische Sachen (Obst + Gemüse) fehlten mir zum Schluss, Kaffeeproblematik, jaulende Katzen, weil es kein Extraleckerfutter mehr gab, nette + schöne Kontakte zu den Nachbarinnen, gehe ich vielleicht doch mal Containern? Meine Wohnung und der Keller sind eine Sammelschatztruhe…. Wärmflasche wieder gefunden, Kräutertee gegen Hexenschuss wirkt nicht; Massage ja. EC-Karte vergraben ist auch ´ne gute Idee. Wie viel CO2 ich durch meinen Nicht-Konsum ich jetzt eingespart habe, kann ich leider nicht sagen. Werde mir in Zukunft aber verschärft Gedanken über mein Konsumverhalten machen!

WappenDipl.-Ing. Regine Maaß

– Klimaschutz-/u. Energiemanagerin –

Gemeinde Timmendorfer Strand

Fachdienst Immobilien

Strandallee 42

23669 Timmendorfer Strand

Tel: 04503/807-128

Fax: 04503/807-211

r.maass@timmendorfer-strand.org

www.timmendorfer-strand.org

 

Die schönsten Upcycling Ideen für dein Zuhause

al1Ich bin für meine neue Stelle von der Ostsee an die Nordsee gezogen. Nun habe ich endlich meine kleine Wohnung in Husum. Doch wie kann ich diese möglichst klimafreundlich und individuell einrichten? Warum nicht mal ein Upcycling-Projekt starten? Das spart Ressourcen und schont den Geldbeutel.

Doch was ist eigentlich dieses Upcycling?

Upcycling gibt dem Ausgedienten eine zweite Chance. So entstehen aus „eigentlichen“ Abfallprodukten neue Möbel, Deko, Wohnaccessoires und pfiffige Dinge für den alltäglichen Gebrauch. Upcycling hat sich zu einem richtigen Wohntrend entwickelt und inspiriert stetig zu neuen Ideen.

Dabei steht nicht nur die Wiederverwertung von Abfallprodukten (Yeah Ressourceneinsparung) im Vordergrund. Sondern es ist auch wichtig, dass die gebastelten Kreationen eine ganz eigene Ausstrahlung besitzen und zudem selbst gemacht sind.

Hier habe ich für dich ein paar Tricks und Tipps aus dem Upcycling- Universum zusammengestellt:

Ein Topf Farbe macht ein neues Möbelstück

Für meine neue Wohnung habe ich den alten Holzmöbeln von meinen Großeltern einen neuen Anstrich gegeben. Ich bin immer wieder erstaunt, was ein paar Pinselstriche für einen großen Unterschied machen können. Praktisch ist hierfür Kreidefarbe, dann spart man sich das lästige Abschleifen. Aber achtet aber beim Kauf auf von Farbe auf ihre Umweltfreundlichkeit.

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Wie wäre es mit Pflanztöpfchen aus Papprollen?

Hoffentlich kommt bald der Frühling, denn meine neue Wohnung hat sogar einen Balkon. Der muss so schnell wie möglich begrünt werden und das am besten mit heimischen Wildblumen, so freuen sich auch die Bienen. Mein Upcycling-Tipp für dich: nutz für die Aufzucht von Pflanzen Klopapier– oder Küchenpapierrollen.

Eine Anleitung gibt es auf: http://misszuckerguss.blogspot.de/search?q=Pflanzt%C3%B6pfchen+aus+Papprollen+

Wohin mit dem ganzen Kleinkram?

Mit leeren Schraubgläser lässt sich eine Menge anstellen. Sie machen sich prima als Aufbewahrung für Gewürze oder Essensreste, aber auch für Knöpfe, Stifte und Haarklammern.

Wer sich aber so richtig kreativ austoben will, verwandelt seine alten Marmeladengläser zu Lampenschirmen, Kräutertöpfen oder Vasen.

Mehr Inspiration findest du auf:  (http://www.kreativlaborberlin.de/diy-upcycling-ideen-mit-glaesern/)

By the way http://www.kreativlaborberlin.de ist übrigens auch ein schöner Blog für alle Nähmaschinen-Verrückten unter euch.

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Mosaik-Pinnwand aus Korken

Bei mir häufen sich Zuhause auch mal die Weinkorken. Aber wohin damit? Falls du dir diese Frage auch schon mal gestellt hast, würde ich euch vorschlagen, deine Kreativität an einer Weinkorken-Mosaik-Pinnwand auszutoben.

Wie das geht erfährst du auf: http://nur-noch.com/korken-mosaik-cork-mosaic/

Upcycling- Kerzenschein

Hyggelig muss mein neues Zuhause natürlich auch sein und das geht am einfachsten mit Kerzenschein. Alte Kerzenreste hat fast jeder bei sich rumliegen. Diese gehören nicht in den Müll, sondern lassen sich ganz einfach zu einer neuen Kerze gießen.

Wie das genau funktioniert, kannst du hier nachlesen: https://mademoisellepetitpoint.blogspot.de/2017/10/kerzenreste-in-neuer-form-upcycling.html

Viele weitere Inspirationen finden sich auf DIY Seiten, Upcycling-Blogs, Trödelmärkten, Kunstmuseen und auf meiner absoluten Lieblings-Inspirations-Seite: Pinterest.

Hast du schon mal ein Upcycling-Projekt gestartet? Wie waren deine Erfahrungen? Wir freuen uns auf deinen Kommentar!

Annabell Lehne, Sachbearbeiterin für Umwelt und Klimaschutz Kreis Nordfriesland

Plastikfreie Woche – Im Erstversuch gescheitert

sz3Eine Woche plastikfrei. Ich nehme es gleich vorweg, ich bin gescheitert. Haarspülung, Deo, Smartphone, Espresso, Kalender und nicht zu vergessen all die wunderbaren, in Plastik gehüllten Vorräte in meinem Kühlschrank, die es mir ermöglichten, keine großen Veränderungen in meinem Konsumverhalten vorzunehmen.

Der erste Anlauf war also eine Pleite. Das heißt allerdings nicht, dass ich meinen Kopf in den Sand stecke. Ich möchte keinen 196. Staat aus Plastik, der so groß wie Mitteleuropa im Pazifik herumtuckert. Im Jahr 2050 sollen auch nicht mehr Tonnen Plastikmüll als Fische in den Ozeanen schwimmen. Im edlen, per Hand abgeschöpften Fleur de Sel soll auch kein Mikroplastik nachweisbar sein. Plastik in Verpackungen, Plastik in Pflegeprodukten, Plastik in Nahrungsmitteln, Plastik einfach überall. Und die Deutschen sind quasi Weltmeister, wenn es um Müll geht. Jeder Verbraucher hierzulande produziert um die 37 Kilogramm Verpackungsmüll aus Plastik.

Ich bin geschockt darüber, was meine Recherchen ergaben. Und ich befinde mich mittendrin und gebe mich der allgemeinen Plastiklust achtlos hin. Puuh, das muss doch auch anders gehen. Ich durchforste also zunächst einmal das Internet auf der Suche nach Beiträgen, wie man möglichst plastikfrei lebt. Aha, den Plastik-Seifenspender kann man einfach durch die gute alte Stückseife ersetzen. Fürs Einkaufen von Pilzen, Tomaten, Weintrauben und Co. gibt es spezielle Netze, die man in den Supermarkt mitnehmen kann. Auf die dünnen Plastiktüten für größeres Obst und Gemüse verzichte ich sowieso schon. Seit dem Blogartikel von Sabrina weiß ich nun auch, wie man Reinigungsmittel plastikfrei selber macht. Woran ich komischerweise noch nie gedacht hatte, obwohl es so naheliegend ist, die herkömmlichen Plastikbeutel für Haushaltsmüll einfach mit kompostierbaren Müllbeuteln aus Maisstärke zu ersetzen. Und dann gibt es natürlich die „Unverpackt-Läden“, wo man sich alles plastikfrei in eigene Behälter abfüllen kann. In den letzten Jahren eröffnen immer mehr solcher Geschäfte. Finde ich super! Leider gibt es noch keinen in meiner Gemeinde Wedel. Dafür ist Hamburg zum Glück ganz nah, wo es zum Beispiel den Laden „Stückgut“ im Stadtteil Ottensen gibt.

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Und nun zu den Grenzen meines Engagements. Ich möchte es ganz ehrlich ansprechen, meine elektrische Zahnbürste möchte ich nicht mit einer Holzbürste austauschen. Bei dem Gedanken morgens und abends Kokosöl auf meinem Gesicht zu verteilen, spüre ich quasi wie sich meine Poren verstopfen. Ich werde auch nicht meine Plastikbehälter gegen Edelstahl-Dosen austauschen. Falls ich einen neuen Behälter brauche, dann gerne. Auch mein Laptop, Smartphone und Co. bleiben im Gebrauch. Die Lebensmittel werden jedoch ab sofort für eine Woche plastikfrei eingekauft, die herkömmlichen Müllbeutel mit biologisch abbaubaren ersetzt und leeres Reinigungsmittel in einem Unverpackt-Laden im selben Behälter wieder nachgefüllt. Vielleicht probiere ich auch das ein oder andere Pflegeprodukt aus, falls beispielsweise das Duschgel zur Neige geht.

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Meine zweite Woche plastikfrei starte ich also mit meinem ersten Einkauf in einem Unverpackt-Laden. Ich bin begeistert! Von Obst, Gemüse, Süßigkeiten, Nudeln, Hülsenfrüchten, Nüssen bis hin zu Pflegeprodukten und verschiedenen Waschmitteln gibt es einfach alles, was man für das alltägliche Leben braucht. Sogar Klopapier und meine Lieblingsschokolade! Von wegen Verzicht, das sind paradiesische Zustände. Gewappnet mit den mitgebrachten Behältern decke ich mich also mit verschiedenen Lebensmitteln für die Woche ein. Falls man mal eine Dose zu wenig dabei hat, kann man sich ohne weiteres einen Behälter gegen Pfand vor Ort ausleihen. Alles sehr unkompliziert. Ich mag auch die entspannte Atmosphäre im Laden, die im starken Kontrast zu den oftmals hektischen und stressigen Einkäufen in Supermärkten steht.

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Nichtsdestotrotz führt mich mein Weg auch in einen Supermarkt, weil mich die Auswahl an Gemüse im Unverpackt-Laden nicht vollends zufrieden stellte. Eigentlich sollte es kein Problem sein, aber mit meinem nun für Plastik geschärften Blick war es doch erschreckend zu sehen, wie viele Produkte in Plastik verpackt sind. Ich frage mich, ob es wirklich unabdingbar ist, Tomaten, Gurken und Salat in Plastik zu wickeln? Auf viele Aktionsangebote muss ich leider auch verzichten. Statt der 1,50 Euro für das Kilo Äpfel im Beutel muss ich 2,50 Euro für die gleiche, dafür unverpackte Menge zahlen. Hmm, ungerecht. Es scheint auch komplett aus der Mode gekommen zu sein, sein Joghurt oder seine Milch in Glasbehälter zu kaufen. In den Kühlregalen der Supermärkte finde ich nämlich nichts. Immerhin wurde ich im Bio-Supermarkt noch fündig. Schon ein bisschen aufwändig. Auch meine sehr plötzlich auftretende Schokoladenlust in stressigen Situationen lässt sich nicht mehr so schnell stillen. Unangenehm für meine Mitmenschen.

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Mein Fazit:

Im ersten Moment fühlten sich meine plastikfreien Tage schon ein wenig nach Verzicht an. Ich fand es auch etwas anstrengend, meine gewohnte Routine zu durchbrechen und neue Dinge auszuprobieren. Ich kann allerdings sagen, es hat sich gelohnt. Der Unverpackt-Laden war eine ganz tolle Entdeckung und gehört ab sofort zu meiner neuen Routine. So blöd wie es klingt, die Karotte oder der Joghurt schmeckt mir einfach besser, weil ich sie bewusst gekauft habe. Klar, ärgert es mich, wenn ich nicht sofort Süßes parat habe, aber seien wir mal ehrlich, im Nachhinein ist man doch meistens froh darüber. Und eine Erleichterung hatte meine plastikfreie Woche ebenfalls, den Gelben Sack musste ich kein einziges Mal in den Keller bringen.

Kontakt:

Simone Zippel

Klimaschutzmanagerin der Stadt Wedel

Rathausplatz 3-5

22880 Wedel

E-Mail: s.zippel@stadt.wedel.de

Literatur:

CareElite – 78 Tipps & Tricks – Plastikfrei Leben ohne Müll. URL: https://www.careelite.de/plastikfrei-leben-ohne-plastik/

DUHwelt (2017) – Kein Plastik Meer. URL:

http://www.duh.de/fileadmin/user_upload/download/DUH_Publikationen/DUHwelt_17/DUHwelt_4_2017_01.pdf

iwd (Informationen aus dem Institut der deutschen Wirtschaft) (2017) – Das Plastik-Problem. URL: https://www.iwd.de/artikel/das-plastik-problem-368426/

Plastikfrei Leben – http://plastikfreileben.de/

Spiegel Online – Fleur de Sel. Forscher entdecken Mikroplastik in Speisesalz. URL: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/fleur-de-sel-forscher-entdecken-mikroplastik-in-speisesalz-a-1188738.html

Stückgut – In Hamburg unverpackt einkaufen und Müll vermeiden. URL: https://www.stueckgut-hamburg.de

utopia – Verrückte Kampagne: Plastikmüll-Teppich im Meer soll eigener Staat werden. URL: https://utopia.de/plastikmuell-meer-petition-trash-isles-64563/

Zeit Online – Wohin mit unserem Müll? http://www.zeit.de/2018/04/abfall-muell-deutschland-china-exporte

Lebensmittel möglichst unverpackt einkaufen und mehr selbst zubereiten – was passiert dann?

Wer sich schon mal nach dem Einkaufen die Mühe gemacht hat, alle Verpackungen zu entfernen und die Menge an Papier, Folien, Styropor und Plastik zu sichten, wird überrascht gewesen sein über die Berge an Verpackungsmüll, die dabei zusammenkommen. Laut einer Studie von Eurostat verursachte Deutschland im Jahr 2015 je EinwohnerIn 37,4 Kilogramm Plastikverpackungsabfall, immerhin rund 49 Prozent davon werden dem Recycling zugeführt. Aber mal ehrlich, die Abschaffung von Plastiktüten in der Obst- und Gemüseabteilung sowie an der Supermarktkasse allein kann das Problem kaum beheben, oder? Ein Grund mehr, dass wir selbst bewusster darauf zu achten, weniger Lebensmittel in Plastikverpackungen zu kaufen und verschiedenes ausprobieren. Darüber hinaus tauschen wir ein paar Ideen für die eigene Zubereitung von Lebensmitteln aus.

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Isa Reher (links) und Andrea Witt

Die Aufgabe: Lebensmittel möglichst unverpackt einkaufen

Möglichkeit 1: Der Bio-Supermarkt

In Lübeck gibt es eine Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaft, die fünf eigene Bio-Supermärkte namens „Landwege“ in Lübeck und Bad Schwartau betreibt. Das langjährig erfolgreiche Konzept setzt auf ein regionales Erzeugernetzwerk, welches von überregionalen Biomarktangeboten ergänzt ein umfangreiches Angebot für die Kundschaft bietet. Ich (Andrea) werde dort immer wieder auf andere saisonale Besonderheiten aufmerksam. Obst und Gemüse aber auch Produkte wie Fleisch, Käse oder Brot können in Papiertüten oder in selbst mitgebrachte Behältnisse und Beutel verpackt werden. Ein echter Vorteil gegenüber dem Verpackungswahnsinn, dem wir beispielsweise beim Einkauf im Discounter begegnen. Dort werden insbesondere Biolebensmittel in Folien und Plastik eingeschlagen, um sie vor Verunreinigungen zu schützen. Kurios, nicht wahr?

Möglichkeit 2: Die „grüne Kiste“

Ich (Isa) bekomme eine „grüne Kiste“ mit Lebensmitteln von einem Bauernhof in der Nähe. Ab und zu kommen noch andere Dinge aus dem Hofladen hinzu. Ich suche mir aus, was ich immer im Abo bekommen möchte und bestelle dazu, was gerade gebraucht wird. Dann steht alle zwei Wochen am Samstag die grüne Kiste vor der Tür. Meine Kiste ist selbst zusammengestellt, es gibt aber auch verschiedenste Gemüsekörbe mit wechselnden Gemüsen, Kräutern, Salaten und Obst. Gruene Kiste Gut Rothenhausen Isa-kleinUnser Hof, das Gut Rothenhausen, liefert nicht nur selbst Angebautes wie Obst, Gemüse und Getreide, sondern hat auch eine Hofbäckerei, eine eigene Milchverarbeitung und Käserei und Fleischverarbeitung mit Wurst von den eigenen Tieren. Da bekomme ich z.B. den Quark im Glas, das ausgewaschen wieder zurückgeht – und der schmeckt einfach wunderbar cremig. Es gibt sogar mehr als nur das eigene Hofangebot, z.B. Tomaten, Zitronen, etc. oder Waschmittel und Körperpflege

Bewertung: Guter Service, der mir den „Einkaufsalltag“ erleichtert:

  • ich kann von zuhause meine Lieferung zusammenstellen, egal wann,
  • ich erspare ich mir einige Einkaufswege,
  • ich bekomme kaum Verpackungen, sondern alles lose oder in Papier wie Brot und Eier,
  • frischer geht es nur noch aus dem eigenen Garten und
  • ich bekomme regionale und vor allem saisonale Produkte direkt nach Hause geliefert.

Alles sehr gut!

Meine Empfehlung: Es lohnt sich, Lieferservice aus der Region auszusuchen und zu testen. Die meisten Höfe kann man auch besuchen und sich ein Bild vor Ort machen. Ich habe von verschiedenen Höfen Lieferkisten bekommen und mich dann für einen Demeterhof mit seiner Kreislaufwirtschaft und großen Vielfalt entschieden.

Und noch ein Tipp: Auch mit wenig Geld kann man sich mit Biolebensmitteln ernähren, es lohnt sich mit Grundnahrungsmitteln wie Brot, Reis, Nudeln, Kartoffeln anzufangen: Die Foodjournalistin Rosa Wolff unternimmt in „Arm aber Bio“ das Experiment, sich einen Monat lang zum Hartz-IV-Tagessatz von Bio-Lebensmitteln zu ernähren.

Möglichkeit 3: Der Unverpackt-Laden

In Lübeck gibt es seit einiger Zeit einen „Unverpackt-Laden“ () , in dem man alles lose in eigenen Behältern kaufen kann und nur so viel, wie man gerade braucht. Unser Kollege Manuel berichtete bereits davon.Unverpackt Luebeck-klein

Seit ich (Isa) da einkaufe, habe ich die Kaffeedose gleich mit in der Tasche und fülle direkt darein ab. Es gibt Süßes und Salziges, Getreide, Hülsenfrüchte und Nüsse, Gewürze und Öle, Kaffee und Tee, Körperpflege und Waschmittel und noch vieles mehr. Und weil es so viel zu probieren gibt, habe ich jetzt auch immer Extragläser mit, für ungeplante Naschereien. Wer kennt geröstete Erbsen und Bohnen?

Bewertung: Es bringt Spaß, im Unverpackt einzukaufen. Keine Einwegverpackungen und genau die Mengen, die ich gerade brauche, sind ein absoluter Pluspunkt. Es gibt auch Einiges frisch aus der Region. Spannend bleibt die Sortimentsausweitung. Es wäre schön, wenn das Konzept dazu führen würde, dass mehr und an mehr Orten ohne Einwegverpackungen verkauft wird.

Tara-wiegen-klein-IMG_20171219_183522Einfuellen-klein-IMG_20171219_183606Brutto-Wiegen-klein-IMG_20171219_183640

Wie lange gibt es die Idee / Diskussion wohl schon? Mit einer lieben Kollegin hatte ich (als Unternehmensberaterin) einen Auftrag für eine Designstudie zu den Möglichkeiten ohne Einwegverpackungen zu verkaufen. Wir haben festgestellt, das geht und auch wie. Wann? 1992 …

Was geht noch? Selbermachen statt Fertiges kaufen

Tipp 1: Ingwer-Hummus

Immer wenn ich (Isa) zu einem veganen Potluck oder zum Buffet eingeladen bin, bringe ich gern Hummus mit – aber gleich vier Einwegpackungen kaufen? Also hab ich mich ans Selbermachen gewagt – für Ingwer-Hummus, den ich am liebsten mag.

Dafür Kichererbsen (lose im Unverpacktladen) und Tahin (Sesammus) kaufen; Zitrone, Knoblauch, Kreuzkümmel, Ingwer, Salz, Pfeffer und Paprika sind sowieso da.Hummus-klein-IMG_20180114_171316

Das Rezept ist einfach und ich füge nur Ingwer dazu (1 Portion):

50gr Kichererbsen über Nacht einweichen und 1-2 Stunden köchelnd garen, bis sie weich sind … mit 200gr Tahin, Saft einer ½ Zitrone, 1 Zehe Knoblauch (nach Belieben), viel Kreuzkümmel, Salz und Pfeffer und dazu 1 Stück Ingwer kleingeschnitten cremig pürieren. Dabei nach Bedarf etwas Olivenöl und Wasser zufügen. Bei mir geht das im Mixer. Angerichtet wird er am schönsten mit Paprika bestreut und etwas Petersilie.

Tipp 2: BROT selber Backen

Ich (Andrea) liebe Brot, am liebsten mag ich Vollkornbrot. Manchmal viel zu schnell ist so ein ganzes Brot aufgegessen. Also habe ich mich daran gemacht selber Brot zu backen. Zunächst ein Versuch mit Hefe, doch das Ergebnis hat mich – im Vergleich zu einem Brot aus der Bäckerei – nur mäßig begeistert. Also wagte ich mich an ein Sauerteigbrot. Brotbacken-1Zunächst braucht man hierfür die Kulturen, die dem Brot seine Brotbacke-2Lockerheit verleihen. Eine gute Freundin kam mir hier zu Hilfe und gab mit etwas von ihrem „Ansatz“ ab, man kann ihn aber auch käuflich erwerben. Je nach Geschmack wählt man ein Vollkornmehl (z.B. Roggen, Dinkel oder Weizen) aus und fügt außerdem reichlich Wasser hinzu, nach dem verrühren muss der Teig ein paar Stunden an einem warmen Ort ruhen. Je mehr Zeit er bekommt, desto besser. Anschließend kann man weitere Zutaten, wie Leinsamen, Sonnenblumenkerne oder Nüsse unterrühren. Außerdem kommt eine Prise Salz und je nach Geschmack Brotgewürz mit Fenchel, Anis und Kümmel hinzu. Anschließend eine Kastenform mit Backpapier auskleiden, den Teig einfüllen und dann bei 175 Grad ca. 75 Minuten backen. Hmmm, das duftet und schmeckt!

Tipp 3: Obst lagern und haltbar machen

In unserem Garten (Isa) stehen sehr viele Obstbäume und ich lagere z.B. meine Äpfel so, dass ich das ganze Jahr etwas davon habe – vom Augustapfel im Juli über James Grieve bis November, Holsteiner Cox und Weihnachtsapfel bis ins neue Jahr und Boikens bis Juli. Der Lohn sind auch wunderbare Bratäpfel im Winter und getrocknete Marmelade-klein-IMG_20180114_223315~2Apfelscheiben zwischendurch. Aus Birnen wird leckeres Birnenmus. Die Quitten wandern auch ins Glas als Mus oder werden zu Quittenbrot. Mit Hollerblütengelee kann man im Winter den Sommer riechen und schmecken. Wer selbst keinen Garten hat, kann in Kleingärten im Herbst nachfragen, da gibt es immer wieder das Angebot, selbst zu ernten, wenn die Besitzer das nicht schaffen.

Wie war der Test und was hält sich im Alltag?

Es macht Spaß, etwas Neues zu probieren und so eine Testwoche ist eine gute Gelegenheit, sich mal bewusst den eigenen Alltag anzusehen.

Unser Fazit: Lebensmittel unverpackt einkaufen ist möglich, Selbermachen bringt Spaß und frisch schmeckt besser! Und deshalb dürfen sich in unserem Alltag ab jetzt gern breitmachen: Schnelle Salate und selbstgemachte Smoothies mit Obst und Grünzeug.

Unbedingt ansehen: https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama3/Gedanken-einer-Plastikmuell-Vermeiderin,plastik176.html

Isa Reher – Klimaschutzmanagerin beim Kreis Stormarn und freie Moderatorin

i.reher@kreis-stormarn.de www.kreis-stormarn.de/go/klimaschutz

Andrea Witt – Klimaschutzmanagerin bei der Hansestadt Lübeck

andrea.witt@luebeck.de http://unv.luebeck.de/klimaschutz/index.html