Plastikfreie Woche – Im Erstversuch gescheitert

sz3Eine Woche plastikfrei. Ich nehme es gleich vorweg, ich bin gescheitert. Haarspülung, Deo, Smartphone, Espresso, Kalender und nicht zu vergessen all die wunderbaren, in Plastik gehüllten Vorräte in meinem Kühlschrank, die es mir ermöglichten, keine großen Veränderungen in meinem Konsumverhalten vorzunehmen.

Der erste Anlauf war also eine Pleite. Das heißt allerdings nicht, dass ich meinen Kopf in den Sand stecke. Ich möchte keinen 196. Staat aus Plastik, der so groß wie Mitteleuropa im Pazifik herumtuckert. Im Jahr 2050 sollen auch nicht mehr Tonnen Plastikmüll als Fische in den Ozeanen schwimmen. Im edlen, per Hand abgeschöpften Fleur de Sel soll auch kein Mikroplastik nachweisbar sein. Plastik in Verpackungen, Plastik in Pflegeprodukten, Plastik in Nahrungsmitteln, Plastik einfach überall. Und die Deutschen sind quasi Weltmeister, wenn es um Müll geht. Jeder Verbraucher hierzulande produziert um die 37 Kilogramm Verpackungsmüll aus Plastik.

Ich bin geschockt darüber, was meine Recherchen ergaben. Und ich befinde mich mittendrin und gebe mich der allgemeinen Plastiklust achtlos hin. Puuh, das muss doch auch anders gehen. Ich durchforste also zunächst einmal das Internet auf der Suche nach Beiträgen, wie man möglichst plastikfrei lebt. Aha, den Plastik-Seifenspender kann man einfach durch die gute alte Stückseife ersetzen. Fürs Einkaufen von Pilzen, Tomaten, Weintrauben und Co. gibt es spezielle Netze, die man in den Supermarkt mitnehmen kann. Auf die dünnen Plastiktüten für größeres Obst und Gemüse verzichte ich sowieso schon. Seit dem Blogartikel von Sabrina weiß ich nun auch, wie man Reinigungsmittel plastikfrei selber macht. Woran ich komischerweise noch nie gedacht hatte, obwohl es so naheliegend ist, die herkömmlichen Plastikbeutel für Haushaltsmüll einfach mit kompostierbaren Müllbeuteln aus Maisstärke zu ersetzen. Und dann gibt es natürlich die „Unverpackt-Läden“, wo man sich alles plastikfrei in eigene Behälter abfüllen kann. In den letzten Jahren eröffnen immer mehr solcher Geschäfte. Finde ich super! Leider gibt es noch keinen in meiner Gemeinde Wedel. Dafür ist Hamburg zum Glück ganz nah, wo es zum Beispiel den Laden „Stückgut“ im Stadtteil Ottensen gibt.

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Und nun zu den Grenzen meines Engagements. Ich möchte es ganz ehrlich ansprechen, meine elektrische Zahnbürste möchte ich nicht mit einer Holzbürste austauschen. Bei dem Gedanken morgens und abends Kokosöl auf meinem Gesicht zu verteilen, spüre ich quasi wie sich meine Poren verstopfen. Ich werde auch nicht meine Plastikbehälter gegen Edelstahl-Dosen austauschen. Falls ich einen neuen Behälter brauche, dann gerne. Auch mein Laptop, Smartphone und Co. bleiben im Gebrauch. Die Lebensmittel werden jedoch ab sofort für eine Woche plastikfrei eingekauft, die herkömmlichen Müllbeutel mit biologisch abbaubaren ersetzt und leeres Reinigungsmittel in einem Unverpackt-Laden im selben Behälter wieder nachgefüllt. Vielleicht probiere ich auch das ein oder andere Pflegeprodukt aus, falls beispielsweise das Duschgel zur Neige geht.

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Meine zweite Woche plastikfrei starte ich also mit meinem ersten Einkauf in einem Unverpackt-Laden. Ich bin begeistert! Von Obst, Gemüse, Süßigkeiten, Nudeln, Hülsenfrüchten, Nüssen bis hin zu Pflegeprodukten und verschiedenen Waschmitteln gibt es einfach alles, was man für das alltägliche Leben braucht. Sogar Klopapier und meine Lieblingsschokolade! Von wegen Verzicht, das sind paradiesische Zustände. Gewappnet mit den mitgebrachten Behältern decke ich mich also mit verschiedenen Lebensmitteln für die Woche ein. Falls man mal eine Dose zu wenig dabei hat, kann man sich ohne weiteres einen Behälter gegen Pfand vor Ort ausleihen. Alles sehr unkompliziert. Ich mag auch die entspannte Atmosphäre im Laden, die im starken Kontrast zu den oftmals hektischen und stressigen Einkäufen in Supermärkten steht.

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Nichtsdestotrotz führt mich mein Weg auch in einen Supermarkt, weil mich die Auswahl an Gemüse im Unverpackt-Laden nicht vollends zufrieden stellte. Eigentlich sollte es kein Problem sein, aber mit meinem nun für Plastik geschärften Blick war es doch erschreckend zu sehen, wie viele Produkte in Plastik verpackt sind. Ich frage mich, ob es wirklich unabdingbar ist, Tomaten, Gurken und Salat in Plastik zu wickeln? Auf viele Aktionsangebote muss ich leider auch verzichten. Statt der 1,50 Euro für das Kilo Äpfel im Beutel muss ich 2,50 Euro für die gleiche, dafür unverpackte Menge zahlen. Hmm, ungerecht. Es scheint auch komplett aus der Mode gekommen zu sein, sein Joghurt oder seine Milch in Glasbehälter zu kaufen. In den Kühlregalen der Supermärkte finde ich nämlich nichts. Immerhin wurde ich im Bio-Supermarkt noch fündig. Schon ein bisschen aufwändig. Auch meine sehr plötzlich auftretende Schokoladenlust in stressigen Situationen lässt sich nicht mehr so schnell stillen. Unangenehm für meine Mitmenschen.

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Mein Fazit:

Im ersten Moment fühlten sich meine plastikfreien Tage schon ein wenig nach Verzicht an. Ich fand es auch etwas anstrengend, meine gewohnte Routine zu durchbrechen und neue Dinge auszuprobieren. Ich kann allerdings sagen, es hat sich gelohnt. Der Unverpackt-Laden war eine ganz tolle Entdeckung und gehört ab sofort zu meiner neuen Routine. So blöd wie es klingt, die Karotte oder der Joghurt schmeckt mir einfach besser, weil ich sie bewusst gekauft habe. Klar, ärgert es mich, wenn ich nicht sofort Süßes parat habe, aber seien wir mal ehrlich, im Nachhinein ist man doch meistens froh darüber. Und eine Erleichterung hatte meine plastikfreie Woche ebenfalls, den Gelben Sack musste ich kein einziges Mal in den Keller bringen.

Kontakt:

Simone Zippel

Klimaschutzmanagerin der Stadt Wedel

Rathausplatz 3-5

22880 Wedel

E-Mail: s.zippel@stadt.wedel.de

Literatur:

CareElite – 78 Tipps & Tricks – Plastikfrei Leben ohne Müll. URL: https://www.careelite.de/plastikfrei-leben-ohne-plastik/

DUHwelt (2017) – Kein Plastik Meer. URL:

http://www.duh.de/fileadmin/user_upload/download/DUH_Publikationen/DUHwelt_17/DUHwelt_4_2017_01.pdf

iwd (Informationen aus dem Institut der deutschen Wirtschaft) (2017) – Das Plastik-Problem. URL: https://www.iwd.de/artikel/das-plastik-problem-368426/

Plastikfrei Leben – http://plastikfreileben.de/

Spiegel Online – Fleur de Sel. Forscher entdecken Mikroplastik in Speisesalz. URL: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/fleur-de-sel-forscher-entdecken-mikroplastik-in-speisesalz-a-1188738.html

Stückgut – In Hamburg unverpackt einkaufen und Müll vermeiden. URL: https://www.stueckgut-hamburg.de

utopia – Verrückte Kampagne: Plastikmüll-Teppich im Meer soll eigener Staat werden. URL: https://utopia.de/plastikmuell-meer-petition-trash-isles-64563/

Zeit Online – Wohin mit unserem Müll? http://www.zeit.de/2018/04/abfall-muell-deutschland-china-exporte

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