Klimataria – wieviel CO2 brauche ich für eine Woche Essen

OLYMPUS DIGITAL CAMERAManuel van der Poel,
Klimaschutzmanager der Gemeinde Stockelsdorf

Mein Versuch:

Tag 1:
Wie viel CO2 Ausstoß verursache ich eigentlich mit meinem Essen? Da bin ich doch der richtige Kandidat. Ich esse Fleisch, nasche gerne und alles nicht zu wenig. Da sollte doch ein vernünftiger Wert bei herauskommen. Gut, nach Weihnachten wird es natürlich traditionell weniger mit dem Essen, aber auf in den ersten Tag: Ich habe mir extra ein kleines Büchlein rausgesucht. Eins von diesen Werbegeschenken, die ganz hinten in der Schublade unter dem Schreibtisch verstauben.

Verflixt es ist Abend und ich habe nichts aufgeschrieben. Was habe ich denn nochmal alles gegessen? Also fangen wir morgen an… So geht es ja gerne mal los mit den guten Vorsätzen fürs neue Jahr.

Klappe die zweite: erster Tag.
Nun habe ich alles aufgeschrieben, was ich gegessen habe. Bei vielem sogar das Gewicht. Aber wie komme ich nun zu meinen CO2-Äquivalenten?
Auf jeder Verpackung stehen inzwischen  ja die Nährwertangaben und Kalorien. Aber woher bekommt man die Emissionen, die bei der Produktion entstanden sind?
Fragen wir Tante Google die weiß doch meist Rat.

Tag 2:
Tag 2Heute war ich zum Mittagstisch beim italienischen Restaurant. Ich habe Mineralwasser bestellt und Pellegrino bekommen… Das wird auf der anderen Seite der Alpen abgefüllt in kleine 0,2 l Flaschen. Wie ist denn da der CO2 Fußabdruck im Vergleich zu dem Wasser aus dem Wasserhahn, in das ich selber das CO2 einsprudele (das dann über einen kleinen Umweg ja auch in die Atmosphäre entweicht) oder das in Norddeutschland abgefüllte Wasser in der 1 l Flasche?  Das habe ich nun davon. Ich bin wieder ein kleines Stück aufmerksamer geworden, was so um mich herum passiert.

Meine Recherche war übrigens interessant, aber noch nicht zufriedenstellend. Ergebnis: es ist nicht so einfach für ein einzelnes Lebensmittel den Wert aus irgendeinem Programm/Datenbank/Internetseite zu bekommen. Und wenn, dann bekommt man einen Durchschnittswert, der dann eben nicht so Probleme – wie meinen Wassergedanken oben – abdecken kann. Beispiel ist: https://www.klimatarier.com/de/CO2_Rechner

Zitat von deren Homepage: „Bei Obst und Gemüse haben z.B. die Herkunft und die Saison einen entscheidenden Einfluss auf die CO2-Bilanz.“

Aber mal eine Zahl: (von den Berliner Wasserbetrieben – also sicher nicht ganz unvoreingenommen: CO2 Fußabdruck Leitungswasser 0,3604 g CO2/l Mineralwasser aus Flaschen 211,35 g CO2/l http://www.klassewasser.de/content/language1/html/2269.php)

Meine Herausforderung: ich sprudel jetzt noch CO2 in mein Leitungswasser ein (das ja auch produziert, abgefüllt und transportiert wird), dazu habe ich also auch Reinigung der Flaschen (Produktion der Flaschen und Recycling). Wirft die Frage auf, ob ich mich auch an Wasser ohne Kohlensäure gewöhnen kann?
Abends hat mich dann der Naschhunger gepackt (kein Wunder nach so anstrengenden Gedanken). Erst wollte ich ja verzichten, weil ich keine Ahnung habe, wie ich bei selbstgebackenen und geschenkten Plätzchen herausfinde, was da so an Emissionen dranhängt. Aber ich will ja eine normale Woche verleben. Also nicht mogeln und her mit den Leckereien…

Tag 3:
Nun mache ich mein Frühstück. Ein etwas ungewöhnliches Essen. Quasi Haferflocken mit einem Smoothie aufgegossen und über Nacht einweichen lassen. Morgens dann nur Warm werden lassen und schon habe ich ein fruchtiges Frühstück. Das ganze habe ich dann etwas verfeinert mit mehr Zutaten. Also alles Wiegen und aufschreiben. Dabei kommt mir ein Gedanke: Fast alle von meinen Zutaten gehen zur Neige und nun weiß ich, wie viel ich von jedem brauche. Also morgen besuche ich mal den Unverpackt Laden und kaufe Nachschub. Mal sehen, ob mich das teurer kommt, als wenn ich das einzeln und abgepackt im Supermarkt kaufe.

Zurück zu meiner Recherche: Es gibt sogar Studien, die die Ergebnisse von unterschiedlichen Berechnungen vergleichen http://literatur.thuenen.de/digbib_extern/bitv/dn046465.pdf

Hier werden zum Beispiel Werte für deutsche Milch verglichen: zwischen 0,8 und 1,4 kg CO2 Emissionen pro kg Milch. Ganz schöner Unterschied. Aber die erklären auch, dass je nach Berechnung einfach mehr oder weniger Schritte mit aufgenommen werden in die Berechnung. Also kann man ja nur die Produktion nehmen für die Berechnung. Andere berechnen auch die Produktion des Tetrapacks mit ein. Und dann die Entsorgung des Mülls am Ende – Teile der ganzen Tetrapacks landen im Gelben Sack, andere im Restmüll und manche Menschen werfen die sogar in den Papierabfall. Wie soll man das berücksichtigen? Nebenbei: Wenn ich in Norddeutschland Alpenmilch trinke, dann hat die sicher einen anderen CO2-Fußabdruck als die aus Husum…

Tag 4:
Im Unverpacktladen habe ich all meine Flocken und Körner bekommen. Nur halt direkt in meine Schüssel eingefüllt und abgewogen anstatt einzeln in Plastik verpackt. Eigentlich perfekt. Und der Preis liegt etwa gleich wie der Preis im Supermarkt. Ich habe gleich die Mischung für 2 Wochen gekauft: 8 Euro. Bei 10 Arbeitstagen macht das nicht mal einen Euro für mein Frühstück pro Tag. Nebenbei sind alle Zutaten auch noch Bio.
https://www.unverpackt-luebeck.de/

Und wie steht es mit meiner Recherche? Ich bin drauf und dran aufzugeben. Ich glaube nicht mehr, dass ich es schaffe den CO2-Fußabdruck meines Essens zu berechnen. Aber ich will zumindest festhalten, wie mein Essen aussieht und dann kann ich in einem Jahr das Ganze wiederholen und vielleicht finde ich bis dahin ein Tool, mit dem es klappt. Dann kann ich immer noch den Vergleich machen. Oder habt ihr einen Tipp für mich?

Tag 5:
Nachdem ich nun festgestellt habe, dass ich euch keinen Wert pro Tag liefern kann (den wollte ich am Ende unter jeden Tageseintrag drunter schreiben), will ich euch zumindest noch erzählen, wie mein Essen überhaupt so aussieht und ganz unten gibt es dann die Wochenliste mit allem, was ich so verspeist habe. Also mein Mittagessen dieser Woche: Ich war einmal beim Italiener Essen. 2 Tage habe ich Mittagessen vom Wochenende gehabt, das ich mir warm gemacht habe. Das Mittagessen ist ja schon eine Herausforderung, wenn man an der eigenen Arbeitsstelle keine Kantine oder ähnliches hat. Wir haben Supermärkte und Restaurants mit Mittagstisch nahe beim Rathaus. Also gibt es bei mir das Essen vom Wochenende und dann Mittagstisch in unterschiedlichen Restaurants.

Tag 6:
Wie sieht mein Abendessen aus? Brot mit Aufschnitt und manchmal noch einen Salat dazu. Oder Rohkost… Da kommen dann auch mal die importierten Tomaten auf den Tisch und Salat wächst im Januar auch in Deutschland schlecht. Also nicht die beste CO2 Bilanz allein wegen des längeren Transportweges. Der Transportwegevergleich ist übrigens total spannend. Ich habe neulich einen Vortrag von der Verbraucherzentrale gehört. Die haben mal am Beispiel „Erdbeeren und Herkunft“ den Kraftstoffverbrauch beim Transport verglichen.

Tag 5

Auf dem Foto sieht man gut den Unterschied zwischen Südafrika (roter Kanister) und Deutschland (kleine Flasche links von den Erdbeeren).
Also gibt es einen neuen Vorsatz für dieses Jahr: Mal in den Saisonkalender schauen und beim Einkauf dann nicht nur Produkte vom anderen Ende der Welt nehmen.
https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/gesund-ernaehren/klimaschutz-beim-essen-und-einkaufen-10442

Tag 7:
Am Wochenende gibt es bei uns auch „normales“ Frühstück – Brot mit Marmelade und auch Nutella steht bei uns auf dem Tisch. Allerdings ist die Marmelade selbst gemacht mit Früchten aus dem eigenen Garten. Da habe ich ein gutes Gewissen bei. Aber wir machen das, weil es einfach viel besser schmeckt als gekaufte.

Fazit:
Auch wenn ich es nicht geschafft habe, meine Mahlzeiten in CO2-Ausstoß umzurechnen, so habe ich in dieser Woche eine große Entdeckung für mich persönlich gemacht: ab sofort werde ich alle 2 Wochen einmal den Unverpacktladen besuchen und die Zutaten für mein Frühstück einkaufen. Und sicher entdecke ich noch das ein oder andere, was ich dann auch dort kaufen kann. So ganz ohne 3 Lagen Plastik drum herum einfach in meine Tupperschüssel oder ein altes Einmachglas.

Mir kam noch die Idee, vielleicht dazu noch eine Biokiste aus der Region (dann habe ich quasi gleich den Saisonkalender auf dem Tisch) zu bestellen. So kann ich mich dann auch von neuen Rezepten Überaschen lassen.

Aber damit soll es für’s erste auch gut sein. Ich bin dagegen sich bei jedem Happen ein schlechtes Gewissen zu machen. Essen soll schmecken und mir gut tun. Aber ab und an mal eine kleine Veränderung in Richtung nachhaltiges Essen mit weniger CO2 Ausstoß – Das hat mir nicht weh getan. Und euch sicher auch nicht, oder? Vielleicht habt ihr ja auch noch Anregungen oder Fragen, dann hinterlasst einen Kommentar und ich werde darauf antworten oder schickt mir eine Email an: m.vanderpoel@stockelsdorf.de

Hier noch die Auflistung meiner in der letzten Woche gegessenen Lebensmittel sowie einen weiteren Link für euch, die sich mit diesem Thema beschäftigen:

Meine Getränke
Mineralwasser 4 l (Flaschen), Mineralwasser selber gesprudelt 8,5 l, Pellegrino Mineralwasser 0,2 l, Kaffee (Padmaschine) mit Milch 1 Tasse, Filterkaffee mit Milch 10 Tassen, Milchkaffee im Restaurant 1 Tasse, Cappuccino (aus Pulver) 3 Tassen, Tee 12 Tassen, O-Saftschorle 300 ml, Gin Tonic 1 Glas, Bier 2 Flaschen

Mein Frühstück
Multikornflocken 300 g, Leinsaat 10 g, Chiasamen 20 g, Haselnüsse 20g, Cashew Kerne 30 g, Rosinen 30 g, Sonnenblumenkerne 40 g, Honig 6 g, Mandelmus 25 g, Banane 520 g, Apfel 550 g, Kiwi 320 g, schwarze Johannisbeeren 120 g (aus dem eigenen Garten – Tiefgefrorene), Leitungswasser  1,5 l

Und am Wochenende: 7 Brötchen mit Belag und Rührei aus 4 Eiern

Mein Mittagessen
Lauch Porree Suppe, Spaghetti Carbonara, Currywurst mit Pommes, selbst gemachte Kürbissuppe (2 Tage), Spaghetti Bolognese, selbst gemachte Kartoffelspalten

Mein Abendessen
26 Scheiben Brot mit Belag dazu 3 mal Salat und sonst Rohkost aus: Salatgurke ½, Salatkopf ½, 10 mini Datteltomaten, Granatapfel ½, 2 Paprika, 2 Möhren, 4 saure Gurken

Zwischendurch
6 Plätzchen, Schokolade 140 g, Bonbons  3, Kuchenstücke 6, Spekulatius 12, Chips 70 g, Salzstangen 1 Handvoll, Mandarinen 3, Pomelo ½, Maronen 5

Und zum Abschluss noch einen Link:
https://www.nachhaltigkeit.info/artikel/co2_fussabdruck_1568.htm (dort finden sich auch einige Links zu unterschiedlichen CO2 Rechnern)

 

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4 Gedanken zu “Klimataria – wieviel CO2 brauche ich für eine Woche Essen

  1. Danke für deinen ausführlichen Bericht! Ich kann mir vorstellen, wie schwer es ist, ordentlich Daten zu bekommen. Ein Ansatz wären vielleicht Datenbanken, die für die Erstellung von Ökobilanzen genutzt werden. Hier gibt es einige, die frei verfügbar sind (https://nexus.openlca.org/databases) und sich auf Nahrungsmittel spezialisiert haben. Dennoch bleibt das Problem bestehen, dass es generische Daten sind und sicherlich nicht alles enthalten ist. Gerade bei selbstgebackenen Plätzchen könnte es kompliziert werden.

    Bei deiner Essensauflistung musste ich zudem Schmunzeln. Genau so eine Liste hat mir gefehlt als ich letzte Woche meinen Wasserfußabdruck berechnen wollte 🙂 Falls du das Protokoll also noch anderweitig nutzen möchtest, empfehle ich diese Seite: http://waterfootprint.org/en/resources/interactive-tools/personal-water-footprint-calculator/personal-calculator-extended/

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  2. Sandra

    Hallo Manuel,
    phuuu dein Selbstversuch das klingt nach jeder menge Arbeit…
    Ich persönlich halte mich da an 3 einfache Regeln:
    1. Fleisch- und Fischzucht verursachen wesentlich mehr CO2, als Obst und Gemüse. Logisch: die Tiere müssen ja zusätzlich noch gefüttert werden. Daher koche ich nur ca. 1 mal die Woche ein Fleischgericht für die Familie.
    2. Umso lokaler eingekauft wird, desto weniger CO2 wird verbraucht, da die Anlieferungswege wegfallen (warum also einen Apfel oder Wildfleisch aus Neuseeland kaufen, wenn das gute doch so nah liegt?)
    3. Leitungswasser trinken ist für die CO2 Bilanz 10.000.000.000.000.000.000. 🙂 mal besser als Flaschenwasser kaufen. Eine einzige Person, die ein Jahr lang Flaschenwasser konsumiert verbraucht ca. 3000 Liter Rohöl (hab ich mal gelesen). Leitungswasser in D. ist meistens qualitativ hochwertiger als Flaschenwasser, da z.T. besser kontrolliert. Beim Flaschenwasser zahlt man fast kein Geld fürs Wasser, sondern nur für die Verpackung und den Transport! Also eigentlich generell quatsch…Anbei noch ein toller Link: sag nee zu PET
    Gruß
    Sandra

    Sag nee zu pet:
    http://www.gruenes-wissen.net/beitrag/sag-nee-zu-pet/

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  3. Manuel

    Moinsen,

    vielen Dank für eure Tipps. Ich muss dann auch mal probieren wie weit ich mit Berits Links kommen und vielleicht kann ich dann ja doch ein Ergebnis für mein Essen berechnen.

    Wie bei jedem Thema ist es auch hier wieder so, dass je mehr ich mich informiert habe, desto mehr Fragen haben sich mir gestellt.
    Wenn der deutsche Apfel im Kühlhaus in extra sauerstoffarmer Atmosphäre gelagert wird, damit ich den dann lange nach der Saison noch kaufen kann, wie ist er dann im Vergleich mit dem neuseeländischen Apfel? Und Kohl in meinem Smoothie habe ich probiert und verworfen. Spinat kann ich allerdings empfehlen, aber der hat ja nun auch grade keine Saison.
    Ich werde dieses Jahr mal schauen, wie lange ich meine eigenen Äpfel so lagern kann. Also, wenn ich genug ernten kann um das festzustellen. Aber ich weiß, dass meine Großeltern Ihre Äpfel teilweise bis in den Frühling gelagert haben. Da war dann natürlich auch viel aussortieren und ständiges Prüfen angesagt. Vorletztes Jahr habe ich auch lange Apfelmus für mein Frühstück verwendet, da hatten wir so viel Fallobst, dass es einfach weg musste und so noch einen Nutzen hatte.
    Und, was das Wasser angeht, so habe ich nun auch im Büro einen CO2 Sprudler. Damit verringere ich zumindest die Anzahl meiner Wasserflaschen wieder um ein paar und laufe damit schwer gegen null. Nur beim Reisen ist das nicht so leicht. Vielleicht hat hier jemand noch einen Tipp?
    So nun muss ich aber aufhören ans Essen zu denken, ich habe schon wieder Appetit!

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  4. Ich stimme dir zu. Beim Reisen wird es oft komplizierter. Wenn einem beim langen Warten am zugigen Bahnhof die Lust nach einem Heißgetränk überkommt oder vielleicht eine Kleinigkeit zu Essen, ist man oft mit Verpackungsmüll konfrontiert und regional, saisonal, bio oder fairtrade ist nicht immer zu finden. Für das Wasserproblem trage ich eine Flasche mit mir herum. In der Regel wird sie von den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen von Cafés oder Imbissbuden nach freundlichen Nachfragen mit Leitungswasser gefüllt. Eine tolle Initiative hierzu ist auch refill Hamburg (mittlerweile deutschlandweit aktiv) https://refill-hamburg.de/. Das löst aber leider nicht das Problem von Sprudelwasser.

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