Eine Woche Stromkontrolle – wo sind die „Stromfresser“ bei mir zuhause?

AnjaSchaeffler-kleinHeute startet die Testwoche – bei mir (Anja Schäffler, Klimaschutzmanagerin des Kreises Ostholstein) bedeutet das: eine Woche Stromkontrolle. Zunächst eine Bestandsaufnahme: Vor zwei Jahren sind mein Freund und ich gemeinsam in eine 2,5-Zimmer-Wohnung mit ca. 65 m² gezogen. Im letzten Jahr hatten wir einen Stromverbrauch von 2.310 kWh inklusive Warmwasser mit Strom. Im Bad haben wir einen Durchlauferhitzer, in der Küche einen Boiler. Entsprechend des Stromspiegels 2017 für Deutschland ein recht niedriger Wert, denn im Schnitt haben zwei-Personen-Haushalte in Wohnungen einen Verbrauch von 3.000 kWh (ohne Warmwasser mit Strom 2.100 kWh). Auf der Internetseite der Stromsparinitiative lassen sich die eigenen Werte ganz leicht überprüfen. Zudem werden hier Sparpotentiale aufgezeigt.

Aber nun zurück zu unserer Wohnung. Theoretisch sollten wir also einen durchschnittlichen täglichen Verbrauch von ca. 6,3 kWh haben. Durch Zeiten, in denen niemand zuhause ist, wie ein gemeinsamer Urlaub, ist der durchschnittliche tägliche Verbrauch wahrscheinlich etwas höher. In unserer Testwoche hatten wir allerdings einen leicht höheren durchschnittlichen täglichen Verbrauch (siehe Messreihe). Doch woran könnte das liegen? Zum einen sicherlich an der Jahreszeit (Winter) und dementsprechend mehr benötigtem Licht in der Wohnung. Zum anderen lassen wir ab und an den Trockner im Winter laufen, da wir keine Trocknungsmöglichkeit im Haus haben und das Trocknen in den Zimmern Probleme bereitet (unsere Fenster sind über 30 Jahre alt und im Winter schlägt sich an diesen leider extrem die Feuchtigkeit nieder). Ferner ist das Wasser im Winter aus der Leitung wesentlich kälter, sodass das Heizen auf gleiche Temperatur wie im Sommer wahrscheinlich mehr Energie benötigt.

Messreihe

Tag Verbrauch in kWh Nutzung größer Verbraucher
1 10,1 Waschmaschine, Trockner, Geschirrspüler
2 6,3
3 8,6 Waschmaschine, Geschirrspüler
4 5,8
5 7,4
6 5,7
7 8,9 Waschmaschine, Geschirrspüler

Um Verbesserungspotentiale zu finden, habe ich alle Stromverbraucher in unserer Wohnung aufgelistet.

Licht
Insgesamt haben wir 28 Leuchtmittel in unserer Wohnung.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

  • Arbeitszimmer: 6
  • Badezimmer: 3
  • Küche: 9
  • Flur: 1
  • Schlafzimmer: 4
  • Wohnzimmer: 5

Die meisten Fassungen sind mittlerweile mit LEDs ausgestattet, verbrauchen also um die 4 bis 8 Watt. Einige Energiesparlampen mit um die 11 Watt haben wir noch in Betrieb. Im Badschrank sind noch zwei Relikte von unserem Vormieter mit je 40 Watt. Da wir diese Beleuchtung kaum nutzen, besteht hier kein Austauschbedarf. Bei der „Sonderbeleuchtung“ sieht es hingegen etwas anders aus. Die Lichterkette im Wohnzimmer verbraucht 22,8 Watt und hat bereits zwei kaputte Glühbirnen – wird also wenn im Ganzen ausgetauscht. Meine persönliche Überraschung ist aber mein Tageslichtwecker. Dieser verbraucht 100 Watt! Ich hätte nie gedacht, dass wir in der Wohnung ein Leuchtmittel mit 100 Watt haben. Bisher habe ich noch keine Ersatzlampe in Form einer dimmbare LED gefunden und daher den Hersteller kontaktiert. Leider noch ohne zufriedenstellende Rückmeldung.

Warmwasser mit Strom
Hier sind wir bereits aktiv geworden und haben Mengenregler im Bad für den Wasserdurchsatz eingebaut. Diese begrenzen die Durchsatzmenge auf 6 Liter pro Minute. Und dementsprechend eine Minderung der Menge des zu erwärmenden Wassers.

Stromintensive Geräte und ihre Nutzung
Arbeitszimmer:

  • 2 neuwertige Laptops (davon einer täglich in Benutzung)
  • 2 Bildschirme (davon einer täglich in Benutzung)
  • Tragbarer Lautsprecher (täglich in Benutzung)

Badezimmer: Fön (mehrmals die Woche)

Küche:

  • Espressomaschine (täglich in Benutzung)
  • Wasserkocher (mehrmals täglich)
  • Herd mit Ofen (altes Gerät, Herd täglich, Ofen mehrmals die Woche)
  • Toaster (mehrmals die Woche)
  • Pürierstab (einmal die Woche)
  • Trockner (altes Gerät, einmal die Woche)
  • Waschmaschine (ca. 5 Jahre alt, zweimal die Woche)
  • Geschirrspüler (mehrmals die Woche, sehr neues Gerät mit geringem Verbrauch)
  • Kühl-Gefrierkombination (immer, ca. 5 Jahre alt)

Flur:

  • Staubsauer (einmal die Woche)
  • Ladegeräte für die Handys (täglich)
  • Router (immer)
  • Haustelefon (immer)

Schlafzimmer: Radiowecker (täglich)

Wohnzimmer:

  • Spielkonsole (mehrmals die Woche)
  • TV (täglich)
  • AV-Receiver (täglich)
  • Staubsaugerroboter (mehrmals die Woche)
  • Blu-ray Player (einmal im Monat)

Die Nutzung des Trockners scheint einen merklichen Anteil an unserem Stromverbrauch zu haben. Doch auf diesen können wir im Winter leider schlecht verzichten. Auch die Anschaffung eines neuen Trockners macht nicht wirklich Sinn. Daher werden wir hier wohl zunächst keine Änderung vornehmen. Auch der Austausch des sehr alten Herdes plus Ofen würde sich sicher lohnen, da dieser aber nicht unser Eigentum ist, werden wir auch hier nicht aktiv werden. Die Anschaffung eines neuen Wasserkochers mit einstellbarer Temperatur würde sich hingegen lohnen, da wir recht viel Tee trinken. Zudem beendet der Wasserkocher das Heizen leider nur sehr verzögert, d.h. die 100 Grad sind schon längst erreicht.

Fazit

Da ich mich schon seit längerem mit dem Thema auseinandersetze und noch nicht sehr lange in der Wohnung wohne, habe ich bereits einige Maßnahmen für einen geringeren Stromverbrauch umgesetzt. Neue Lampen werden konsequent nach niedriger Watt-Zahl gekauft, Durchflussbegrenzer wurden im Bad eingebaut und ein wichtiges Kaufkriterium für neue Geräte ist ihr Verbrauch. Die wenigen Geräte, bei denen sich ein Austausch lohnen würde (Herd/Ofen), befinden sich nicht in meinem Besitz oder ein Austausch ist momentan nicht sinnvoll (Trockner, in einer anderen Wohnung entfällt das Problem – hoffentlich – automatisch). Kurzfristig umsetzen sollte ich hingegen den Austausch des Wasserkochers. Möglichst gegen ein Produkt mit einstellbarer Temperatur und einem Siegel, wie dem Blauen Engel. Und für die 100-Watt-Lampe in dem Tageslichtwecker muss es eine Alternative geben – momentan verzichte ich auf die Nutzung des Lichtes.
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Anja Schäffler, Klimaschutzmanagerin des Kreises Ostholstein
a.schaeffler@kreis-oh.de, http://www.klimaschutz-oh.de

 

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8 Gedanken zu “Eine Woche Stromkontrolle – wo sind die „Stromfresser“ bei mir zuhause?

  1. Hallo Anja,
    danke für den interessanten Beitrag!
    Abschaltbare Steckdosenleisten hast Du dann bestimmt auch schon verbaut, um die Standby-Verbräuche (gerade im Wohnzimmer) zu minimieren.
    Was mir noch einfällt: Der Router bietet evtl. die Möglichkeit, das WLAN-Signal nur zu bestimmten Zeiten zusenden, also nur morgens und Abends. Wenn Ihr beide berufstätig seid wäre das sinnvoll.
    Den Warmwasser-Boiler über Nacht abzuschalten hat bei mir nichts gebracht, da die Energie dann wieder morgens zum Aufheizen des abgekühlten Wassers benötigt wurde. Ist aber evtl. von Fall zu Fall unterschiedlich – einfach mal messen.
    Gruß Heiko

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    1. Hallo Heiko,

      da hast du vollkommen Recht, abschaltbare Steckdosenleisten habe ich an den meisten Steckdosen angebracht. Das zeitweise Abschalten des WLAN Signals finde ich eine sehr gute Idee, das werde ich ausprobieren. Auch den Warmwasser-Boiler habe ich bisher nur bei längerer Abwesenheit abgeschaltet – einen Versuch über Nacht ist es wert.

      Vielen Dank für deine Ideen.
      Anja

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      1. Hallo Anja und Heiko,
        falls der Router das nicht von alleine kann, wäre es doch vielleicht auch eine Möglichkeite, eine digitale Zeitschaltuhr zwischenzuschalten. Damit lässt sich das doch wahrscheinlich ziemlich leicht realisieren.
        Viele Grüße, Maren

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      2. Hallo Maren,
        das geht natürlich und spart am meisten Strom.
        Da aber heute i.d.R. nur noch ein Gerät für alles (Telefon und Internet / WLAN und ggf. auch noch Fernsehen) verwendet wird, ist dann eben alles ausgeschaltet.
        Dann können z.B. keine Nachrichten mehr auf dem AB hinterlassen oder Sendungen aus dem Fernsehen aufgezeichnet werden.

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  2. Wie sind denn eure Erfahrungen mit einem Mengenregler in der Dusche? Meine Eltern haben auch so etwas. Aber jedes mal, wenn ich dort unter der Dusche stehe und mühselig versuche mit 6 Litern pro Minute das Shampoo aus meiner Löwenmähne zu waschen, habe ich das Gefühl, dass es ohne Mengenregler so viel schneller geht, dass auch insgesamt auch weniger Wasser verbraucht wird. Trügt mich da mein Gefühl?

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    1. Hallo Maren,
      ich habe einen Duschkopf gewählt, der nicht nur die Durchflussmenge begrenzt, sondern zusätzlich Luft beimischt. Dadurch lässt sich das Shampoo – meiner Erfahrung nach – genauso gut rauswaschen. Der Duschkopf ist nun seit gut zwei Jahren im Einsatz und ich bin sehr zufrieden.

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      1. Maren Jähne

        Okay, dann gibt es wohl Unterschiede bei den Produkten. Danke für deinen Tipp, dann werde ich das mal in Angriff nehmen. Unser warmes Wasser wird zwar über eine Solarthermieanlage erwärmt, im Winter müssen wir aber mit einer Gastherme nachhelfen.

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  3. Daniel Weinreich

    Hallo zusammen,

    ich bin in den letzten Tagen über ein interessantes und passendes Tool gestolpert, das Vergleichswerte auf statistischer Basis liefert und einem hilft auch ohne Messreihe eine ungefähre Selbsteinschätzung zu erhalten: http://www.energieagentur.nrw/klimaschutz/haushalt/stromcheck

    Dort werden systematisch die Verbraucher und das Verhalten abgefragt, um anschließend eine nach Bereichen aufgeschlüsselte Analyse zu generieren. Natürlich nur eine Prognose, aber ich fand das sehr interessant mich einordnen zu können und eine Übersicht zu haben, wo der meiste Strom genutzt wird. Passender Weise kam in den letzten Tagen auch noch die Stromrechnung, die Werte haben schon relativ gut gepasst 🙂 Du könntest ja auch mal vergleichen 😉

    Grüße aus Heide
    Daniel

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