Warmer Kopf – kalte Füße. Wie heize und lüfte ich richtig?

BW_5x7 cmAls Klimaschutzmanager der Ämter Sandesneben-Nusse / Berkenthin war ich für die Sanierung von Heizungen und Gebäuden in öffentlichen Liegenschaften zuständig, so habe ich mir überlegt, das Thema Heizung einmal für meine Wohnung genauer zu betrachten.

a)  Wahrnehmung
Ich hoffe Sie haben kein zuhause, wo Sie abends kalte Füße bekommen und, wenn Sie die Heizung öffnen, die heiße Luft unter der  Decke steht. Dieses Bild aus den alten Zeiten habe ich als Kontrast gebraucht, um zu plakatieren, wie wichtig fürs Wohlbefinden (und fürs Energiesparen) neue Haus- und Heizkonzepte sind.

b)  Klimaschutzplan 2050
Als Klimaschutzmanager ist es mir auch immer ein Anliegen Ihnen ein Gefühl für das Thema Heizenergie zu vermitteln und eine Standortbestimmung vorzunehmen.
2015 benötigten die privaten Haushalte in Deutschland 636 Mrd. Kilowattstunden Endenergie (das ist die Energie, die mit dem Energielieferanten abgerechnet wird). Insgesamt waren das 25,8% des gesamten Endenergieverbrauches in Deutschland. Von dem vorgenannten Betrag werden mindestens 2/3 für Heizwärme verwendet. (Quelle UBA 17.02.2017).  Bei 82,18Mio Einwohnern ergibt das durchschnittlich rd.5.200 kWh pro Bundesbürger nur für die Beheizung. Bei dem aktuellen Energiepreis von 6 ct/kWh sind das 312€/ oder 26€/Monat. Das mag uns nicht teuer und viel erscheinen. Doch wer garantiert, dass die Preise so bleiben? Für uns ist es vielleicht nicht viel, aber wie wäre es wenn 7,44 Mrd. Menschen dieser Erde so lebten wie wir?
Von 1990 bis 2030 müssen nach dem Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung für das Handlungsfeld Gebäude 66-67% der Treibhausgasemissionen eingespart werden. Stand 2014 wurden 43% Einsparungen bei den Gebäuden erzielt. D.h. in den verbleibenden 16 Jahren (ab 2014) muss jedes Jahr der Verbrauch zusätzlich um 1,5% sinken, um das Ziel zu erreichen. Pro Person und Monat sind das 6,5kWh, die Monat für Monat weniger für fossile Brennstoffe verwendet werden sollten.

Dieses geht durch a) Effizienzsteigerung und durch b) den Umstieg auf CO2-arme Primärenergie.
Ich möchte Ihnen heute verraten, wie Sie durch Effizienzsteigerung praktisch Heizenergie sparen können.

c) Versuch
Ich habe mein Heiz- und Lüftungsverhalten für zwei Wochen beobachtet und möchte darüber berichten.

Es handelt sich um eine Wohnung mit wenig Außenwandanteil. Der Boden ist nicht gedämmt, die Decke ist gedämmt.
Anhand der elektronischen Heizkostenverteiler habe ich mit der  Bewertungszahl und der Zählerdifferenz einen dimensionslosen Verbrauch für jeden Heizkörper zweimal täglich ermittelt. Folgende Parameter wurden von  mir zusätzlich zum Verbrauch regelmäßig gemessen:
Raumtemperatur in allen Räumen / Außentemperatur /
Luftfeuchte innen.

Eingang
Bild: Eingang Wohnung

Der Versuch wurde vom 25.11.– 08.12.2017 (14 Tage) in Sandesneben durchgeführt. Die von mir gemessene gemittelte Außentemperatur beträgt 4,3 °C. Die mittlere Raumtemperatur im Wohnzimmer betrug 18,6°C. (Es handelt sich nicht um den Tagesdurchschnitt, sondern um den Mittelwert aus der Messung morgens und abends). Anm.: Da ich tagsüber oft nicht anwesend war, wurde die Heizung zumeist erst am Abend hochgestellt.

Folgende Kenndaten zur Wohnung gibt es:

  • Bezugsfläche, beheizt = 67 m²
  • Beheiztes Volumen = 191,2 m³
  • Hüllfläche zu unbeheizt = 161,8 m²
  • A/V  = 0,85 1/m

bild-elektr-HK-Verteiler
Bild: Elektr. Heizkostenverteiler:  Nummer – Vorjahreswert – Bewertungs-zahl – aktueller Verbrauch

Die Räume wurden unterschiedlich beheizt. Die Raumtemperaturen
/ Thermostatstellungen wurden eingangs gemessen:

  • Schlafzimmer 16,6°C / 1,
  • Wohnzimmer 19,7°C / 3,
  • Eingang/Windfang 16,4°C / 2,
  • Bad 19,5°C / 1.

Anm.: Insbesondere beim innenliegenden Bad gibt es Wärmeeinträge aus der Nachbarschaft, die aus angrenzenden, beheizten Innenwänden stammen. Eine Wand grenzt an den Heizungsraum.

Ergebnis:  Über die gesamte Beobachtungszeit ergaben sich folgende Verbrauchswerte:

  • Schlafzimmer: 459,3 Einheiten/m²
  • Wohnzimmer: 882,2 Einheiten/m²
  • Eingang: 0 (keine Wärmeabgabe am Heizkörper nachgewiesen)
  • Bad: 0 (keine Wärmeabgabe am Heizkörper nachgewiesen)

Auswertung der Ergebnisse:

  1.  Die Zonierung der Wohnung in gering beheizte und normal beheizte Bereiche bietet ein hohes Einsparpotential.
  2. Innenliegende Räume brauchen mitunter sehr wenig Beheizung.
  3. Windfänge sparen Energie.
  4. Die Absenkung der Temperatur im Schlafzimmer gegenüber dem Wohnzimmer hat dort 48% Heizenergie eingespart.

d) Empfehlungen
Folgendes lege ich Ihnen bei einer schlecht gedämmten Altbauwohnung in einem Mehrfamilienhaus während der Heizperiode ans Herz:

  • Prinzip 1: Bei Abwesenheit Heizung absenken, so dass die Raumtemperatur 16-18°C erreicht: Wohnräume eher 18, Nichtaufenthaltsräume eher 16°C.
  • Prinzip 2: Luftzug an Fenstern und Türen abdichten. Mit der Hand am Rahmen entlang fahren. Sie spüren den Luftzug und Kältebrücken sofort. Ein Dichtungsband gibt es im Baumarkt. Bei Türen helfen Bürstendichtungen.
  • Prinzip 3: Lüften im Winter nicht mit gekipptem Fenster. Pro Person werden bei einfachen Tätigkeiten etwa 30m³ Luft pro Stunde gebraucht. Deshalb und zum Feuchtetransport ist regelmäßiges Stoßlüften wichtig. Eine Lüftungsanlage mit Wärmetauscher bietet sich bei Sanierungen an.
  • Prinzip 4: Rohre isolieren. Heizungsrohre geben dort am meisten Energie ab, wo sie am heißesten sind. Das ist im Vorlauf direkt hinter der Heizung. Doch die Wärme wird dort gar nicht gebraucht! Sie wird am Heizkörper gebraucht. Ich empfehle die Rohrisolierungen zu überprüfen. Im Baumarkt bekommt man alle gängigen Durchmesser, um Rohre nicht beheizter Bereiche zu dämmen. Diese können einfach über die Rohre geschoben werden, die Schutzfolie abnehmen und zusammenkleben.
  • Prinzip 5: Warmwasser. Wer Zugang zum Heizkessel hat, sollte die Zeiten seiner Zirkulationspumpe überprüfen. Wenn möglich mit Zeitschaltuhr oder Taster bedarfsgerecht einstellen.
  • Prinzip 6: Hilfe holen. Für die weitergehende Beratung, wenn Heizung und / oder Bauteile saniert werden sollen, fragen Sie bitte einen Energie-Effizienzexperten Ihres Vertrauens: https://www.energie-effizienz-experten.de/

Fazit
Ich war überrascht wie stark sich die Regelung auf den direkten Verbrauch auswirkt. Allgemein hat sich die Regel etabliert: jedes Grad Temperaturabsenkung spart 6% Heizwärme. Nachts übernimmt die zentrale Nachtabsenkung (wenn sie denn an der Heizung eingestellt ist) die Aufgabe. Tagsüber sind wir selber verantwortlich. Wer zu viele Heizkörper in der Wohnung hat, kann sich programmierbare Ventile kaufen und seinen Wochenplan stundengenau pro Heizkörper einstellen. Ich habe die Regelung von Hand eingestellt und empfand den Aufwand überschaubar. Je besser das Haus gedämmt ist, desto geringer sind die Heizkreistemperaturen und die Effekte werden nicht so stark zu spüren sein.
Zur Lüftung sei angemerkt, dass 5 Min. Dauerlüftung in den meisten Fällen ausreichen, bei Querlüftung auch weniger. Die Häufigkeit richtet sich nach der Personenanzahl und der Tätigkeit: Kochen, Duschen und Wäsche trocknen, produzieren sehr viel Feuchtigkeit.
Für jedes einigermaßen dichte Haus empfehle ich früher oder später eine Lüftungsanlage, die neben der Energieeinsparung auch für einen hygienischen Luftwechsel sorgt.

Das Klima sagt: Danke!

Arduin Balasus, Klimaschutzmanager Amt Sandesneben-Nusse / Amt Berkenthin

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