Lebensmittel möglichst unverpackt einkaufen und mehr selbst zubereiten – was passiert dann?

Wer sich schon mal nach dem Einkaufen die Mühe gemacht hat, alle Verpackungen zu entfernen und die Menge an Papier, Folien, Styropor und Plastik zu sichten, wird überrascht gewesen sein über die Berge an Verpackungsmüll, die dabei zusammenkommen. Laut einer Studie von Eurostat verursachte Deutschland im Jahr 2015 je EinwohnerIn 37,4 Kilogramm Plastikverpackungsabfall, immerhin rund 49 Prozent davon werden dem Recycling zugeführt. Aber mal ehrlich, die Abschaffung von Plastiktüten in der Obst- und Gemüseabteilung sowie an der Supermarktkasse allein kann das Problem kaum beheben, oder? Ein Grund mehr, dass wir selbst bewusster darauf zu achten, weniger Lebensmittel in Plastikverpackungen zu kaufen und verschiedenes ausprobieren. Darüber hinaus tauschen wir ein paar Ideen für die eigene Zubereitung von Lebensmitteln aus.

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Isa Reher (links) und Andrea Witt

Die Aufgabe: Lebensmittel möglichst unverpackt einkaufen

Möglichkeit 1: Der Bio-Supermarkt

In Lübeck gibt es eine Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaft, die fünf eigene Bio-Supermärkte namens „Landwege“ in Lübeck und Bad Schwartau betreibt. Das langjährig erfolgreiche Konzept setzt auf ein regionales Erzeugernetzwerk, welches von überregionalen Biomarktangeboten ergänzt ein umfangreiches Angebot für die Kundschaft bietet. Ich (Andrea) werde dort immer wieder auf andere saisonale Besonderheiten aufmerksam. Obst und Gemüse aber auch Produkte wie Fleisch, Käse oder Brot können in Papiertüten oder in selbst mitgebrachte Behältnisse und Beutel verpackt werden. Ein echter Vorteil gegenüber dem Verpackungswahnsinn, dem wir beispielsweise beim Einkauf im Discounter begegnen. Dort werden insbesondere Biolebensmittel in Folien und Plastik eingeschlagen, um sie vor Verunreinigungen zu schützen. Kurios, nicht wahr?

Möglichkeit 2: Die „grüne Kiste“

Ich (Isa) bekomme eine „grüne Kiste“ mit Lebensmitteln von einem Bauernhof in der Nähe. Ab und zu kommen noch andere Dinge aus dem Hofladen hinzu. Ich suche mir aus, was ich immer im Abo bekommen möchte und bestelle dazu, was gerade gebraucht wird. Dann steht alle zwei Wochen am Samstag die grüne Kiste vor der Tür. Meine Kiste ist selbst zusammengestellt, es gibt aber auch verschiedenste Gemüsekörbe mit wechselnden Gemüsen, Kräutern, Salaten und Obst. Gruene Kiste Gut Rothenhausen Isa-kleinUnser Hof, das Gut Rothenhausen, liefert nicht nur selbst Angebautes wie Obst, Gemüse und Getreide, sondern hat auch eine Hofbäckerei, eine eigene Milchverarbeitung und Käserei und Fleischverarbeitung mit Wurst von den eigenen Tieren. Da bekomme ich z.B. den Quark im Glas, das ausgewaschen wieder zurückgeht – und der schmeckt einfach wunderbar cremig. Es gibt sogar mehr als nur das eigene Hofangebot, z.B. Tomaten, Zitronen, etc. oder Waschmittel und Körperpflege

Bewertung: Guter Service, der mir den „Einkaufsalltag“ erleichtert:

  • ich kann von zuhause meine Lieferung zusammenstellen, egal wann,
  • ich erspare ich mir einige Einkaufswege,
  • ich bekomme kaum Verpackungen, sondern alles lose oder in Papier wie Brot und Eier,
  • frischer geht es nur noch aus dem eigenen Garten und
  • ich bekomme regionale und vor allem saisonale Produkte direkt nach Hause geliefert.

Alles sehr gut!

Meine Empfehlung: Es lohnt sich, Lieferservice aus der Region auszusuchen und zu testen. Die meisten Höfe kann man auch besuchen und sich ein Bild vor Ort machen. Ich habe von verschiedenen Höfen Lieferkisten bekommen und mich dann für einen Demeterhof mit seiner Kreislaufwirtschaft und großen Vielfalt entschieden.

Und noch ein Tipp: Auch mit wenig Geld kann man sich mit Biolebensmitteln ernähren, es lohnt sich mit Grundnahrungsmitteln wie Brot, Reis, Nudeln, Kartoffeln anzufangen: Die Foodjournalistin Rosa Wolff unternimmt in „Arm aber Bio“ das Experiment, sich einen Monat lang zum Hartz-IV-Tagessatz von Bio-Lebensmitteln zu ernähren.

Möglichkeit 3: Der Unverpackt-Laden

In Lübeck gibt es seit einiger Zeit einen „Unverpackt-Laden“ () , in dem man alles lose in eigenen Behältern kaufen kann und nur so viel, wie man gerade braucht. Unser Kollege Manuel berichtete bereits davon.Unverpackt Luebeck-klein

Seit ich (Isa) da einkaufe, habe ich die Kaffeedose gleich mit in der Tasche und fülle direkt darein ab. Es gibt Süßes und Salziges, Getreide, Hülsenfrüchte und Nüsse, Gewürze und Öle, Kaffee und Tee, Körperpflege und Waschmittel und noch vieles mehr. Und weil es so viel zu probieren gibt, habe ich jetzt auch immer Extragläser mit, für ungeplante Naschereien. Wer kennt geröstete Erbsen und Bohnen?

Bewertung: Es bringt Spaß, im Unverpackt einzukaufen. Keine Einwegverpackungen und genau die Mengen, die ich gerade brauche, sind ein absoluter Pluspunkt. Es gibt auch Einiges frisch aus der Region. Spannend bleibt die Sortimentsausweitung. Es wäre schön, wenn das Konzept dazu führen würde, dass mehr und an mehr Orten ohne Einwegverpackungen verkauft wird.

Tara-wiegen-klein-IMG_20171219_183522Einfuellen-klein-IMG_20171219_183606Brutto-Wiegen-klein-IMG_20171219_183640

Wie lange gibt es die Idee / Diskussion wohl schon? Mit einer lieben Kollegin hatte ich (als Unternehmensberaterin) einen Auftrag für eine Designstudie zu den Möglichkeiten ohne Einwegverpackungen zu verkaufen. Wir haben festgestellt, das geht und auch wie. Wann? 1992 …

Was geht noch? Selbermachen statt Fertiges kaufen

Tipp 1: Ingwer-Hummus

Immer wenn ich (Isa) zu einem veganen Potluck oder zum Buffet eingeladen bin, bringe ich gern Hummus mit – aber gleich vier Einwegpackungen kaufen? Also hab ich mich ans Selbermachen gewagt – für Ingwer-Hummus, den ich am liebsten mag.

Dafür Kichererbsen (lose im Unverpacktladen) und Tahin (Sesammus) kaufen; Zitrone, Knoblauch, Kreuzkümmel, Ingwer, Salz, Pfeffer und Paprika sind sowieso da.Hummus-klein-IMG_20180114_171316

Das Rezept ist einfach und ich füge nur Ingwer dazu (1 Portion):

50gr Kichererbsen über Nacht einweichen und 1-2 Stunden köchelnd garen, bis sie weich sind … mit 200gr Tahin, Saft einer ½ Zitrone, 1 Zehe Knoblauch (nach Belieben), viel Kreuzkümmel, Salz und Pfeffer und dazu 1 Stück Ingwer kleingeschnitten cremig pürieren. Dabei nach Bedarf etwas Olivenöl und Wasser zufügen. Bei mir geht das im Mixer. Angerichtet wird er am schönsten mit Paprika bestreut und etwas Petersilie.

Tipp 2: BROT selber Backen

Ich (Andrea) liebe Brot, am liebsten mag ich Vollkornbrot. Manchmal viel zu schnell ist so ein ganzes Brot aufgegessen. Also habe ich mich daran gemacht selber Brot zu backen. Zunächst ein Versuch mit Hefe, doch das Ergebnis hat mich – im Vergleich zu einem Brot aus der Bäckerei – nur mäßig begeistert. Also wagte ich mich an ein Sauerteigbrot. Brotbacken-1Zunächst braucht man hierfür die Kulturen, die dem Brot seine Brotbacke-2Lockerheit verleihen. Eine gute Freundin kam mir hier zu Hilfe und gab mit etwas von ihrem „Ansatz“ ab, man kann ihn aber auch käuflich erwerben. Je nach Geschmack wählt man ein Vollkornmehl (z.B. Roggen, Dinkel oder Weizen) aus und fügt außerdem reichlich Wasser hinzu, nach dem verrühren muss der Teig ein paar Stunden an einem warmen Ort ruhen. Je mehr Zeit er bekommt, desto besser. Anschließend kann man weitere Zutaten, wie Leinsamen, Sonnenblumenkerne oder Nüsse unterrühren. Außerdem kommt eine Prise Salz und je nach Geschmack Brotgewürz mit Fenchel, Anis und Kümmel hinzu. Anschließend eine Kastenform mit Backpapier auskleiden, den Teig einfüllen und dann bei 175 Grad ca. 75 Minuten backen. Hmmm, das duftet und schmeckt!

Tipp 3: Obst lagern und haltbar machen

In unserem Garten (Isa) stehen sehr viele Obstbäume und ich lagere z.B. meine Äpfel so, dass ich das ganze Jahr etwas davon habe – vom Augustapfel im Juli über James Grieve bis November, Holsteiner Cox und Weihnachtsapfel bis ins neue Jahr und Boikens bis Juli. Der Lohn sind auch wunderbare Bratäpfel im Winter und getrocknete Marmelade-klein-IMG_20180114_223315~2Apfelscheiben zwischendurch. Aus Birnen wird leckeres Birnenmus. Die Quitten wandern auch ins Glas als Mus oder werden zu Quittenbrot. Mit Hollerblütengelee kann man im Winter den Sommer riechen und schmecken. Wer selbst keinen Garten hat, kann in Kleingärten im Herbst nachfragen, da gibt es immer wieder das Angebot, selbst zu ernten, wenn die Besitzer das nicht schaffen.

Wie war der Test und was hält sich im Alltag?

Es macht Spaß, etwas Neues zu probieren und so eine Testwoche ist eine gute Gelegenheit, sich mal bewusst den eigenen Alltag anzusehen.

Unser Fazit: Lebensmittel unverpackt einkaufen ist möglich, Selbermachen bringt Spaß und frisch schmeckt besser! Und deshalb dürfen sich in unserem Alltag ab jetzt gern breitmachen: Schnelle Salate und selbstgemachte Smoothies mit Obst und Grünzeug.

Unbedingt ansehen: https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama3/Gedanken-einer-Plastikmuell-Vermeiderin,plastik176.html

Isa Reher – Klimaschutzmanagerin beim Kreis Stormarn und freie Moderatorin

i.reher@kreis-stormarn.de www.kreis-stormarn.de/go/klimaschutz

Andrea Witt – Klimaschutzmanagerin bei der Hansestadt Lübeck

andrea.witt@luebeck.de http://unv.luebeck.de/klimaschutz/index.html

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Lange Pendelwege, viel zu tun, kalter Regen, wenig Zeit und dennoch: 50.000 Schritte – mein GOLD

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„Zu Fuß gehen ist die beste Medizin,“ behaupten viele. Auch dem Radfahren werden gesundheitliche Vorteile gegenüber dem Autofahren zugeschrieben. Alle sind sich einig – regelmäßige Bewegung stärkt die Gesundheit. Sicherlich ist der innere Schweinehund für einen kurzen Spaziergang leichter zu überwinden als für eine Jogging-Runde. Durch das Zufußgehen fällt die stressige Parkplatzsuche mit dem Auto, klimaschädliche Abgase und belastender Lärm weg und die frische Luft trägt zum psychischen Wohlbefinden bei.
Doch wie viele Schritte sollte man täglich im Hinblick auf seine Gesundheit erzielen?BLOG_Bild 00
Hier scheiden sich die Geister. Am bekanntesten ist die Zahl 10.000 Schritte pro Tag. Doch macht das Sinn? Während ein Briefträger täglich so gut wie doppelt so viele Schritte geht, kann ein Büroangestellter froh sein, wenn er bei der Arbeit auf 2.000 Schritte kommt. Ich denke, wenn ein Mensch normalerweise täglich nur 2.000 Schritte geht, ist seine Gesundheit und dem Klima schon viel geholfen, wenn er vorsichtig beginnt, z.B. mit dem Ziel von 3.000 Schritten, und sich dann langsam steigert.

BLOG_Bild 0Zu mir
Von Natur aus sportlich, jedoch im Alltag recht gehfaul. Zur Arbeit pendele ich mit dem Bus, 50 Kilometer hin und dieselbe Strecke zurück.
Da in Hamburg, wo ich wohne, der öffentliche Personennahverkehr gut ausgebaut ist, bin ich gerne mit S-Bahn und Bus unterwegs. Die Haltestellen sind eng vernetzt und Ziele können häufig direkt erreicht werden. So gehe ich wenig zu Fuß.
Mein Durchschnittsalltag: Um 5 Uhr wache ich auf, gehe zur Arbeit, bin meist gegen 18 Uhr zurück und nutze die restliche Zeit unterschiedlich: mit Einkaufen, Kochen, Wohnung Aufräumen, Gassi führen meines Hundes, Freunde treffen, Fernsehen und andere Hobbies. Um 22 Uhr geh ich schlafen. Meiner Gesundheit und mein Wohlbefinden sind und waren schon immer meine Priori-tät; Schlaf ist für mich eine wichtige Komponente und davon brauche ich acht Stunden am Tag.
Der Gedanke, nach der Arbeit mehrere tausend Schritte zusätzlich zu gehen, schreckte mich ab. Vor allem im Winter – als Frostbeule neige ich dazu schnell zu frieren und ich bin kein großer Fan vom kalten Regen. Im Sinne des Klimaschutzes wollte ich jedoch testen, wie gut sich dies in meinem Alltag integrieren lässt, und ob die häufig publizierten Artikel das mehr Zufußgehen einfacher darstellen als es tatsächlich ist. Da ich einen klassischen Bürojob habe, jedoch durch die Nutzung von Bus und Bahn mehr Schritte gehe als ein autofahrender Büroangestellter, entschied ich mich, für eine Woche 7.000 Schritte täglich zu gehen, das heißt insgesamt knapp 50.000. Oha!
Die Herausforderung nehme ich an. Ist ja nur für eine Woche. Und wenn es gar nicht klappt, kann ich ja immer abbrechen. Ich muss das ja nicht durchziehen, doch versuchen möchte ich es. Denn es geht um meine Gesundheit und um die Umwelt. Wenn jeder Bürger wöchentlich ein paar Autofahrten durch Zufußgehen bzw. Fahrradfahren ersetzen würde, käme der Klimaschutz in Deutschland deutlich voran.
Die Richtige App
Da ich weder einen Fitnessband besitze, noch für ein Neues Geld investieren möchte, BLOG_Bild 1müssen die Schritte auf eine andere Art gezählt werden. Zum Glück gibt es das Smartphone, auf dem beliebige Programme bzw. Applikationen (kurz „Apps“) installiert werden können. Anscheinend ist das Smartphone auch „smart“ genug, Schritte mit einer geeigneten App zu zählen.Also, machte ich mich im App-Dschungel auf der Suche nach der richtigen App. Um mir das ganze leichter zu machen, installierte ich die erste App, die ich finde, und aktiviere die Zählung. Zum Glück bin ich auch „smart“ genug (oder auch nur neugierig?), nach ein paar Minuten die von mir gegangenen Schritte zu kontrollieren. 508 Schritte? Das kann nicht sein. Ich installiere drei weitere ähnliche Apps zu installieren und lasse sie parallel laufen. Diesmal zähle ich mit. Voilà! Und schon habe ich meine App gefunden.
Es kann losgehen!
Gehen statt stehen!
Zugegeben, in einer Stadt wie Hamburg ist ein Auto relativ überflüssig. Mit Fahrrad, Bus und Bahn kommt man meist schneller als mit dem Auto voran, allein deshalb, weil man sich die Parkplatzsuche erspart. Auch ich bin fast nur mit öffentlichen Verkehrsmittel unterwegs. Auto dann nur, wenn ich einen Trip zu Ikea oder zum Snowdome plane (via Carsharing bzw. Mitfahrgelegenheit).

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In der Versuchswoche denke ich oft daran, wie ich meine Schrittzahl erreiche…warum nicht einfach zur übernächsten Haltestelle gehen? Bis dahin habe ein paar Schrittchen gesammelt. Die Wartezeit beträgt sieben Minuten. Ich gehe los. Angekommen sehe ich, dass ich nur 1 Minute auf den Bus warten muss. Die Zeit ging schnell vorbei. Ich bin so begeistert, dass ich das nun öfters wiederhole. Lieber sich warmlaufen als im Kalten zu stehen.

Einkaufsmarathon
Es ist mal wieder an der Zeit, einkaufen zu gehen. Und wenn ich schon dabei bin, warum nicht gleich Haare schneiden gehen und genüssliche Stunden in Drogeriemarkt damit verbringen den besten Shampoo für meine Haare zu suchen. In der Naturkosmetik-Abteilung, versteht sich. Und wenn ich schon dabei bin, warum nicht gleich zum Einkaufszentrum laufen? Nur drei Haltestellen von meinem Zuhause entfernt und da drin bin ich vor jedem Unwetter geschützt.

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Eilig habe ich es auch nicht, es scheint trocken zu bleiben, also mach ich mich gemütlich zu Fuß auf den Weg zur Einkaufsmeile. In Gedanken versunken war ich schneller da als gedacht und einmal da, fiel mir gleich viel mehr ein was ich gleich erledigen könnte. Dort verbringe ich den ganzen Abend mit Friseur und Window-Shopping -ein echter Marathon – und kaufe doch mehr ein als ich wollte. Der Magen knurrt. Zeit nach Hause zu gehen. Ich gucke auf die Uhr, schon so spät! Ich hatte doch mehr einkauft als ich geplant. Und den ganzen Rückweg in der dunklen Kälte möchte ich nicht mehr. Schließlich bin ich (gefühlt!) ein Marathon im Einkaufszentrum gelaufen. Ich checke in der App: 16.235 Schritte! Da staune ich. Erlaubnis erteilt, ich klopf mir selbst auf die Schulter und belohne mich damit, mit dem Bus nach Hause zu kutschieren. Ein erfolgreicher Tag!
Im Regen tanzen
Mein Hund liebt Regen. Er liebt Wasser. Die Kombi ist einfach unwiderstehlich. Sein Traum? Im See zu plantschen, während es regnet. Was für ein Glück, dass Frauchen ihre Schritte sammeln möchte.

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Es gießt. Manchmal sogar horizontal. Durch Windböen werden die Regentropfen gefühlt von jeder Himmelsrichtung, sogar vom Boden aus auf mich geschleudert. Es gibt kein Entkommen. Ich schau aus dem Fenster, spüre den fragenden Blick meines Hundes, Schwanz klopft auf dem Boden in freudiger Erwartung. Mein tropisches Herz seufzt.
Ich denk an die Holländer, die sicherlich auch unter apokalyptischen Wetterbedingungen fröhlich im Freien herumfietsen, und wiederhole innerlich: „es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung“. Regenstiefel, angewandtes Zwiebelprinzip vom Feinsten, Mütze, Handschuhe, Regenponcho, Schirm… ich bin bereit! Schal so umgewickelt, dass nur die Augen rausgucken. Ich schau in den Spiegel. Der Michelin-Mann hätte würde sich glatt in mich verlieben.

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Ich trete aus dem Haus. Hundi schnüffelt schwanzwedelnd neben mir. Immun zur kalten Nässe, entdeckte ich Pfützen und trete absichtlich hinein. Mein inneres Kind wacht auf und ich genieße den Spaziergang. Die Luft hatte einen reinen, natürlichen, erdigen Duft. Die Regentropfen plätscherten melodisch auf den Boden. Die Wege sind menschenleer, es ist ruhig und friedlich. Die typische Hektik des Alltags ist wie weggewaschen; die Zeit bleibt stehen. Ich nutze die Zeit und hol mir einen Kuchen für später am Backer. Eine knappe halbe Stunde später mache ich mich auf dem Weg nach Hause da mein Hund komplett durchnässt war und ich nicht will, dass er sich die Erkältung des Jahres holt. Zuhause hänge ich meine nassen Sachen im Badezimmer auf. Und mache es mir gemütlich. Es hat wirklich Spaß gemacht, ich fühle mich nach dem Spaziergang richtig erholt. Und meine 7.000 Schritte habe ich wieder locker geschafft.
Mein fauler Sonntag
Der letzte Tag. Heute bin ich faul. Ich schlafe lange. Als ich aufwache, knurrt der Magen. Ich möchte gerne etwas frühstücken. Und da ich kein Brot habe, überlege ich mir zum nächsten Bäcker zu gehen. Als ich schon unterwegs war bin, entschied ich mich, entspannt zum Hauptbahnhof zu spazieren, das ist zu Fuß ca. eine halbe Stunde. Da hat ein Bäcker mein Lieblingsbrot.

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Die Sonne scheint zur Abwechslung und ich singe fröhlich zu meiner Lieblinksmusik, die ich über meine Kopfhörer genieße. Zurück fahre ich mit der S-Bahn, man muss ja nicht gleich übertreiben. Frühstück ist sehr lecker und auch wohl verdient. Im Nachhinein schaute ich, wieviel ich gelaufen bin…knapp 2,6 Kilometer. Nicht schlecht.
Fazit
Ergebnis: 83.718 Gesamtschritte; 11.959 Tagesdurschnittschritte; ca. 61,9 Kilometer

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Staunen pur. Mein Ziel von 50.000 habe ich deutlich überschritten. Und das Ganze ohne festen Plan! Natürlich hatte ich im Hinterkopf immer die Absicht, so viel wie möglich zu Fuß zu gehen. Allerdings war mir nicht bewusst, dass ich so viel gelaufen bin! Und das Beste daran, das zu Fußgehen fühlt sich wirklich gut an! Mein Alltag ist ziemlich eng, und es half mir sehr, dass sich das Ganze mit meinen normalen Aktivitäten kombinieren ließ. Ich musste also nicht zusätzlich viel Zeit einplanen, um 7.000 Schritte zurückzulegen.
Wenn ich jedes Mal zur übernächsten Haltestelle zu Fuß gehe, dann erreiche ich auch leicht meine 7.000 Schritte. Die ersten tausend Schritte erreichte ich alleine dadurch, dass ich mit Bus und Bahn pendelte und demnach fünf Minuten Fußweg zur Arbeit hatte. Am erstaunlichsten fand ich tatsächlich das Gefühl, im Regen spazieren zu gehen. Es war ein wirklich ein schönes Erlebnis, das ich sicher wiederholen werde!

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Was mir am meisten half, und was ich jedem auch empfehlen kann ist, sich kleine Ziele zu setzen. Schritt für Schritt zu gehen und diese an den eigenen Bedürfnissen anzupassen. Ich hatte kein Druck, weil ich wusste, dass ich das nicht durchziehen muss. Jedoch war es fast jedes Mal so, dass ich, wenn ich z.B. zur nächsten Haltestelle gelaufen bin, mich beim Gehen entschlossen habe, doch bis zur übernächsten Haltestelle zu gehen, weil es sich so ging und die Bewegung sich gut anfühlte. Zugegeben, mein Hund war auch ein zusätzlicher Motivationsfaktor.
Würde ich in einem Jahr alleine jede zweite Woche versuchen, mehr Schritte zu gehen, würde ich in einem Jahr 11.300 Kilometer hinterlegen!! Das bedeutet, über 1,6 Tonnen weniger CO2 Ausstoß (im Gegenzug zum Autofahren), weniger Spritkosten, mehr Gesundheit, besseres Klima. Wenn das kein zusätzlicher Motivationsschub ist!
Kann ich nur jedem weiterempfehlen, ich bleibe definitiv dabei. Schritt für Schritt. Denn meine Gesundheit und meine Umwelt, sind mir Goldwert.

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Estrella Piechulek

Klimaschutzmanagerin Stadt Mölln

Mehr als nur schöne Verpackung – plastikfrei Einkaufen

schröder_solveigDie Weihnachtsfeiertage und Silvester sind vorbei. Eigentlich habe ich gefühlt genug gegessen um die nächsten Tage nicht einkaufen zu gehen. Mein Vorsatz für diese Woche ist, möglichst plastikfrei einzukaufen. Zuerst wollte ich meine Woche komplett plastikfrei gestalten. Doch das ist fast unmöglich im Alltag und noch dazu so kurzfristig… Ich könnte streng genommen nicht mal Bus oder Bahn fahren (dort ist überall Plastik verbaut), könnte nicht arbeiten (da ich keine Holztastaur und -maus, geschweige denn einen Holzcomputer habe), viele meiner Klamotten (Synthetikfasern) nicht tragen, kein Geld von der Bank (Bankkarte ist auch aus Plastik) abheben, usw.

Also doch „nur“ plastikfreier Konsum. Aber was hat Plastik – oder besser gesagt Kunststoff – eigentlich mit dem Klima zu tun? Zum einen sind viele Kunststoffe erdölbasiert, deren Herstellungsprozess verbraucht einiges an Energie und stößt CO2 aus. Noch dazu haben wir es mit einer Verpackungsschlacht zu tun. Was ich damit meine? Zum Beispiel die unnötigen Verpackungen von Lebensmitteln die sowieso eine schützende Schale haben. Mein Lieblingsbeispiel: eingepackte Bananen 😉

Zurück zu meinem Experiment. Trotz des noch gefühlt vollen Weihnachtsbauches geht es also los zum ersten plastikfreien Einkauf – natürlich ausgerüstet mit Rucksack und Jutebeutel damit ich ja keine Plastiktüte benötige. Erster Halt: Gemüseabteilung. Auf den ersten Blick sieht es hier ganz gut aus. Wenig Plastik. Doch in der Bio-Abteilung stehe ich plötzlich vor einem kleinen Plastikparadies…warum gerade Biogurken meistens in einer Plastikhülle stecken müssen ist immer wieder fraglich. Also muss ich wohl einen Kompromiss schließen und auch unverpacktes konventionelles Gemüse nehmen.

Plastiksalat im Biomarkt

Plastiksalat im Biomarkt

Zweiter Stop: das Kühlregal. In meinem Supermarkt gibt es leider keine Milch in Glasflaschen. Nur Tetrapacks die von innen wahrscheinlich auch mit Plastikfolie überzogen sind. Gut, dass ich noch welche im Kühlschrank habe. Dafür kann ich Joghurt im Pfandglas mitnehmen.

Als Nächstes: Käse? Fehlanzeige. Alles verpackt. Selbst über der Theke wird der Käse immer schön eingepackt. Da hilft nur die eigene Dose mitbringen, in die der Käse gefüllt werden kann. Die habe ich aber leider zuhause vergessen. Also gibt es keinen Käse.Gemüsekiste - fast Verpackungsfrei

Das Meiste, was sonst im Supermarkt noch steht kommt mir plötzlich vor wie die angesprochene Plastikschlacht. Wenn man mal mit offenen Augen durch die Supermarktregale wandert findet man sich in einer bunten, oft plastikverpackten Welt wieder. Zum Glück ist der Wein in Glasflaschen abgefüllt, so dass ich eine Flasche für einen gemütlichen plastikfreien Abend mitnehmen kann. Auch Gemüsekisten sind eine Option, denn die kommen fast ohne Verpackungen aus.

Doch zuhause fällt mir mit Schrecken auf dass meine letzte Rolle Toilettenpapier angebrochen ist. In den folgenden Tagen durchsuche ich etliche Biosupermärkte nach Toilettenpapier, das ohne Plastikverpackung auskommt – ohne Erfolg. Eine Freundin schickt mir einen Link zu CradleToCradle-zertifiziertem Papier ohne Verpackung, das ich mir online bestellen könnte. Aber das führt das Ganze dann ad absurdum denke ich und kaufe am Ende doch eine ganz normale Packung.

Mein Fazit: es benötigt ein bisschen mehr Zeit und Vorbereitung um wirklich plastikfrei einkaufen zu gehen. Aber es ist spannend mal bewusster durch den Supermarkt zu schlendern und sich zu fragen, ob wir wirklich alles in Plastik verpacken müssen. Und wer Lust auf „mehr“ Plastik bekommen hat, kann sich einen Film über unser Plastikzeitalter angucken: Plastic Planet von Werner Boote https://www.bpb.de/mediathek/187448/plastic-planet

Solveig Schröder, Klimaschutzmanagerin Bergedorf

Klimataria – wieviel CO2 brauche ich für eine Woche Essen

OLYMPUS DIGITAL CAMERAManuel van der Poel,
Klimaschutzmanager der Gemeinde Stockelsdorf

Mein Versuch:

Tag 1:
Wie viel CO2 Ausstoß verursache ich eigentlich mit meinem Essen? Da bin ich doch der richtige Kandidat. Ich esse Fleisch, nasche gerne und alles nicht zu wenig. Da sollte doch ein vernünftiger Wert bei herauskommen. Gut, nach Weihnachten wird es natürlich traditionell weniger mit dem Essen, aber auf in den ersten Tag: Ich habe mir extra ein kleines Büchlein rausgesucht. Eins von diesen Werbegeschenken, die ganz hinten in der Schublade unter dem Schreibtisch verstauben.

Verflixt es ist Abend und ich habe nichts aufgeschrieben. Was habe ich denn nochmal alles gegessen? Also fangen wir morgen an… So geht es ja gerne mal los mit den guten Vorsätzen fürs neue Jahr.

Klappe die zweite: erster Tag.
Nun habe ich alles aufgeschrieben, was ich gegessen habe. Bei vielem sogar das Gewicht. Aber wie komme ich nun zu meinen CO2-Äquivalenten?
Auf jeder Verpackung stehen inzwischen  ja die Nährwertangaben und Kalorien. Aber woher bekommt man die Emissionen, die bei der Produktion entstanden sind?
Fragen wir Tante Google die weiß doch meist Rat.

Tag 2:
Tag 2Heute war ich zum Mittagstisch beim italienischen Restaurant. Ich habe Mineralwasser bestellt und Pellegrino bekommen… Das wird auf der anderen Seite der Alpen abgefüllt in kleine 0,2 l Flaschen. Wie ist denn da der CO2 Fußabdruck im Vergleich zu dem Wasser aus dem Wasserhahn, in das ich selber das CO2 einsprudele (das dann über einen kleinen Umweg ja auch in die Atmosphäre entweicht) oder das in Norddeutschland abgefüllte Wasser in der 1 l Flasche?  Das habe ich nun davon. Ich bin wieder ein kleines Stück aufmerksamer geworden, was so um mich herum passiert.

Meine Recherche war übrigens interessant, aber noch nicht zufriedenstellend. Ergebnis: es ist nicht so einfach für ein einzelnes Lebensmittel den Wert aus irgendeinem Programm/Datenbank/Internetseite zu bekommen. Und wenn, dann bekommt man einen Durchschnittswert, der dann eben nicht so Probleme – wie meinen Wassergedanken oben – abdecken kann. Beispiel ist: https://www.klimatarier.com/de/CO2_Rechner

Zitat von deren Homepage: „Bei Obst und Gemüse haben z.B. die Herkunft und die Saison einen entscheidenden Einfluss auf die CO2-Bilanz.“

Aber mal eine Zahl: (von den Berliner Wasserbetrieben – also sicher nicht ganz unvoreingenommen: CO2 Fußabdruck Leitungswasser 0,3604 g CO2/l Mineralwasser aus Flaschen 211,35 g CO2/l http://www.klassewasser.de/content/language1/html/2269.php)

Meine Herausforderung: ich sprudel jetzt noch CO2 in mein Leitungswasser ein (das ja auch produziert, abgefüllt und transportiert wird), dazu habe ich also auch Reinigung der Flaschen (Produktion der Flaschen und Recycling). Wirft die Frage auf, ob ich mich auch an Wasser ohne Kohlensäure gewöhnen kann?
Abends hat mich dann der Naschhunger gepackt (kein Wunder nach so anstrengenden Gedanken). Erst wollte ich ja verzichten, weil ich keine Ahnung habe, wie ich bei selbstgebackenen und geschenkten Plätzchen herausfinde, was da so an Emissionen dranhängt. Aber ich will ja eine normale Woche verleben. Also nicht mogeln und her mit den Leckereien…

Tag 3:
Nun mache ich mein Frühstück. Ein etwas ungewöhnliches Essen. Quasi Haferflocken mit einem Smoothie aufgegossen und über Nacht einweichen lassen. Morgens dann nur Warm werden lassen und schon habe ich ein fruchtiges Frühstück. Das ganze habe ich dann etwas verfeinert mit mehr Zutaten. Also alles Wiegen und aufschreiben. Dabei kommt mir ein Gedanke: Fast alle von meinen Zutaten gehen zur Neige und nun weiß ich, wie viel ich von jedem brauche. Also morgen besuche ich mal den Unverpackt Laden und kaufe Nachschub. Mal sehen, ob mich das teurer kommt, als wenn ich das einzeln und abgepackt im Supermarkt kaufe.

Zurück zu meiner Recherche: Es gibt sogar Studien, die die Ergebnisse von unterschiedlichen Berechnungen vergleichen http://literatur.thuenen.de/digbib_extern/bitv/dn046465.pdf

Hier werden zum Beispiel Werte für deutsche Milch verglichen: zwischen 0,8 und 1,4 kg CO2 Emissionen pro kg Milch. Ganz schöner Unterschied. Aber die erklären auch, dass je nach Berechnung einfach mehr oder weniger Schritte mit aufgenommen werden in die Berechnung. Also kann man ja nur die Produktion nehmen für die Berechnung. Andere berechnen auch die Produktion des Tetrapacks mit ein. Und dann die Entsorgung des Mülls am Ende – Teile der ganzen Tetrapacks landen im Gelben Sack, andere im Restmüll und manche Menschen werfen die sogar in den Papierabfall. Wie soll man das berücksichtigen? Nebenbei: Wenn ich in Norddeutschland Alpenmilch trinke, dann hat die sicher einen anderen CO2-Fußabdruck als die aus Husum…

Tag 4:
Im Unverpacktladen habe ich all meine Flocken und Körner bekommen. Nur halt direkt in meine Schüssel eingefüllt und abgewogen anstatt einzeln in Plastik verpackt. Eigentlich perfekt. Und der Preis liegt etwa gleich wie der Preis im Supermarkt. Ich habe gleich die Mischung für 2 Wochen gekauft: 8 Euro. Bei 10 Arbeitstagen macht das nicht mal einen Euro für mein Frühstück pro Tag. Nebenbei sind alle Zutaten auch noch Bio.
https://www.unverpackt-luebeck.de/

Und wie steht es mit meiner Recherche? Ich bin drauf und dran aufzugeben. Ich glaube nicht mehr, dass ich es schaffe den CO2-Fußabdruck meines Essens zu berechnen. Aber ich will zumindest festhalten, wie mein Essen aussieht und dann kann ich in einem Jahr das Ganze wiederholen und vielleicht finde ich bis dahin ein Tool, mit dem es klappt. Dann kann ich immer noch den Vergleich machen. Oder habt ihr einen Tipp für mich?

Tag 5:
Nachdem ich nun festgestellt habe, dass ich euch keinen Wert pro Tag liefern kann (den wollte ich am Ende unter jeden Tageseintrag drunter schreiben), will ich euch zumindest noch erzählen, wie mein Essen überhaupt so aussieht und ganz unten gibt es dann die Wochenliste mit allem, was ich so verspeist habe. Also mein Mittagessen dieser Woche: Ich war einmal beim Italiener Essen. 2 Tage habe ich Mittagessen vom Wochenende gehabt, das ich mir warm gemacht habe. Das Mittagessen ist ja schon eine Herausforderung, wenn man an der eigenen Arbeitsstelle keine Kantine oder ähnliches hat. Wir haben Supermärkte und Restaurants mit Mittagstisch nahe beim Rathaus. Also gibt es bei mir das Essen vom Wochenende und dann Mittagstisch in unterschiedlichen Restaurants.

Tag 6:
Wie sieht mein Abendessen aus? Brot mit Aufschnitt und manchmal noch einen Salat dazu. Oder Rohkost… Da kommen dann auch mal die importierten Tomaten auf den Tisch und Salat wächst im Januar auch in Deutschland schlecht. Also nicht die beste CO2 Bilanz allein wegen des längeren Transportweges. Der Transportwegevergleich ist übrigens total spannend. Ich habe neulich einen Vortrag von der Verbraucherzentrale gehört. Die haben mal am Beispiel „Erdbeeren und Herkunft“ den Kraftstoffverbrauch beim Transport verglichen.

Tag 5

Auf dem Foto sieht man gut den Unterschied zwischen Südafrika (roter Kanister) und Deutschland (kleine Flasche links von den Erdbeeren).
Also gibt es einen neuen Vorsatz für dieses Jahr: Mal in den Saisonkalender schauen und beim Einkauf dann nicht nur Produkte vom anderen Ende der Welt nehmen.
https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/gesund-ernaehren/klimaschutz-beim-essen-und-einkaufen-10442

Tag 7:
Am Wochenende gibt es bei uns auch „normales“ Frühstück – Brot mit Marmelade und auch Nutella steht bei uns auf dem Tisch. Allerdings ist die Marmelade selbst gemacht mit Früchten aus dem eigenen Garten. Da habe ich ein gutes Gewissen bei. Aber wir machen das, weil es einfach viel besser schmeckt als gekaufte.

Fazit:
Auch wenn ich es nicht geschafft habe, meine Mahlzeiten in CO2-Ausstoß umzurechnen, so habe ich in dieser Woche eine große Entdeckung für mich persönlich gemacht: ab sofort werde ich alle 2 Wochen einmal den Unverpacktladen besuchen und die Zutaten für mein Frühstück einkaufen. Und sicher entdecke ich noch das ein oder andere, was ich dann auch dort kaufen kann. So ganz ohne 3 Lagen Plastik drum herum einfach in meine Tupperschüssel oder ein altes Einmachglas.

Mir kam noch die Idee, vielleicht dazu noch eine Biokiste aus der Region (dann habe ich quasi gleich den Saisonkalender auf dem Tisch) zu bestellen. So kann ich mich dann auch von neuen Rezepten Überaschen lassen.

Aber damit soll es für’s erste auch gut sein. Ich bin dagegen sich bei jedem Happen ein schlechtes Gewissen zu machen. Essen soll schmecken und mir gut tun. Aber ab und an mal eine kleine Veränderung in Richtung nachhaltiges Essen mit weniger CO2 Ausstoß – Das hat mir nicht weh getan. Und euch sicher auch nicht, oder? Vielleicht habt ihr ja auch noch Anregungen oder Fragen, dann hinterlasst einen Kommentar und ich werde darauf antworten oder schickt mir eine Email an: m.vanderpoel@stockelsdorf.de

Hier noch die Auflistung meiner in der letzten Woche gegessenen Lebensmittel sowie einen weiteren Link für euch, die sich mit diesem Thema beschäftigen:

Meine Getränke
Mineralwasser 4 l (Flaschen), Mineralwasser selber gesprudelt 8,5 l, Pellegrino Mineralwasser 0,2 l, Kaffee (Padmaschine) mit Milch 1 Tasse, Filterkaffee mit Milch 10 Tassen, Milchkaffee im Restaurant 1 Tasse, Cappuccino (aus Pulver) 3 Tassen, Tee 12 Tassen, O-Saftschorle 300 ml, Gin Tonic 1 Glas, Bier 2 Flaschen

Mein Frühstück
Multikornflocken 300 g, Leinsaat 10 g, Chiasamen 20 g, Haselnüsse 20g, Cashew Kerne 30 g, Rosinen 30 g, Sonnenblumenkerne 40 g, Honig 6 g, Mandelmus 25 g, Banane 520 g, Apfel 550 g, Kiwi 320 g, schwarze Johannisbeeren 120 g (aus dem eigenen Garten – Tiefgefrorene), Leitungswasser  1,5 l

Und am Wochenende: 7 Brötchen mit Belag und Rührei aus 4 Eiern

Mein Mittagessen
Lauch Porree Suppe, Spaghetti Carbonara, Currywurst mit Pommes, selbst gemachte Kürbissuppe (2 Tage), Spaghetti Bolognese, selbst gemachte Kartoffelspalten

Mein Abendessen
26 Scheiben Brot mit Belag dazu 3 mal Salat und sonst Rohkost aus: Salatgurke ½, Salatkopf ½, 10 mini Datteltomaten, Granatapfel ½, 2 Paprika, 2 Möhren, 4 saure Gurken

Zwischendurch
6 Plätzchen, Schokolade 140 g, Bonbons  3, Kuchenstücke 6, Spekulatius 12, Chips 70 g, Salzstangen 1 Handvoll, Mandarinen 3, Pomelo ½, Maronen 5

Und zum Abschluss noch einen Link:
https://www.nachhaltigkeit.info/artikel/co2_fussabdruck_1568.htm (dort finden sich auch einige Links zu unterschiedlichen CO2 Rechnern)

 

Warmer Kopf – kalte Füße. Wie heize und lüfte ich richtig?

BW_5x7 cmAls Klimaschutzmanager der Ämter Sandesneben-Nusse / Berkenthin war ich für die Sanierung von Heizungen und Gebäuden in öffentlichen Liegenschaften zuständig, so habe ich mir überlegt, das Thema Heizung einmal für meine Wohnung genauer zu betrachten.

a)  Wahrnehmung
Ich hoffe Sie haben kein zuhause, wo Sie abends kalte Füße bekommen und, wenn Sie die Heizung öffnen, die heiße Luft unter der  Decke steht. Dieses Bild aus den alten Zeiten habe ich als Kontrast gebraucht, um zu plakatieren, wie wichtig fürs Wohlbefinden (und fürs Energiesparen) neue Haus- und Heizkonzepte sind.

b)  Klimaschutzplan 2050
Als Klimaschutzmanager ist es mir auch immer ein Anliegen Ihnen ein Gefühl für das Thema Heizenergie zu vermitteln und eine Standortbestimmung vorzunehmen.
2015 benötigten die privaten Haushalte in Deutschland 636 Mrd. Kilowattstunden Endenergie (das ist die Energie, die mit dem Energielieferanten abgerechnet wird). Insgesamt waren das 25,8% des gesamten Endenergieverbrauches in Deutschland. Von dem vorgenannten Betrag werden mindestens 2/3 für Heizwärme verwendet. (Quelle UBA 17.02.2017).  Bei 82,18Mio Einwohnern ergibt das durchschnittlich rd.5.200 kWh pro Bundesbürger nur für die Beheizung. Bei dem aktuellen Energiepreis von 6 ct/kWh sind das 312€/ oder 26€/Monat. Das mag uns nicht teuer und viel erscheinen. Doch wer garantiert, dass die Preise so bleiben? Für uns ist es vielleicht nicht viel, aber wie wäre es wenn 7,44 Mrd. Menschen dieser Erde so lebten wie wir?
Von 1990 bis 2030 müssen nach dem Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung für das Handlungsfeld Gebäude 66-67% der Treibhausgasemissionen eingespart werden. Stand 2014 wurden 43% Einsparungen bei den Gebäuden erzielt. D.h. in den verbleibenden 16 Jahren (ab 2014) muss jedes Jahr der Verbrauch zusätzlich um 1,5% sinken, um das Ziel zu erreichen. Pro Person und Monat sind das 6,5kWh, die Monat für Monat weniger für fossile Brennstoffe verwendet werden sollten.

Dieses geht durch a) Effizienzsteigerung und durch b) den Umstieg auf CO2-arme Primärenergie.
Ich möchte Ihnen heute verraten, wie Sie durch Effizienzsteigerung praktisch Heizenergie sparen können.

c) Versuch
Ich habe mein Heiz- und Lüftungsverhalten für zwei Wochen beobachtet und möchte darüber berichten.

Es handelt sich um eine Wohnung mit wenig Außenwandanteil. Der Boden ist nicht gedämmt, die Decke ist gedämmt.
Anhand der elektronischen Heizkostenverteiler habe ich mit der  Bewertungszahl und der Zählerdifferenz einen dimensionslosen Verbrauch für jeden Heizkörper zweimal täglich ermittelt. Folgende Parameter wurden von  mir zusätzlich zum Verbrauch regelmäßig gemessen:
Raumtemperatur in allen Räumen / Außentemperatur /
Luftfeuchte innen.

Eingang
Bild: Eingang Wohnung

Der Versuch wurde vom 25.11.– 08.12.2017 (14 Tage) in Sandesneben durchgeführt. Die von mir gemessene gemittelte Außentemperatur beträgt 4,3 °C. Die mittlere Raumtemperatur im Wohnzimmer betrug 18,6°C. (Es handelt sich nicht um den Tagesdurchschnitt, sondern um den Mittelwert aus der Messung morgens und abends). Anm.: Da ich tagsüber oft nicht anwesend war, wurde die Heizung zumeist erst am Abend hochgestellt.

Folgende Kenndaten zur Wohnung gibt es:

  • Bezugsfläche, beheizt = 67 m²
  • Beheiztes Volumen = 191,2 m³
  • Hüllfläche zu unbeheizt = 161,8 m²
  • A/V  = 0,85 1/m

bild-elektr-HK-Verteiler
Bild: Elektr. Heizkostenverteiler:  Nummer – Vorjahreswert – Bewertungs-zahl – aktueller Verbrauch

Die Räume wurden unterschiedlich beheizt. Die Raumtemperaturen
/ Thermostatstellungen wurden eingangs gemessen:

  • Schlafzimmer 16,6°C / 1,
  • Wohnzimmer 19,7°C / 3,
  • Eingang/Windfang 16,4°C / 2,
  • Bad 19,5°C / 1.

Anm.: Insbesondere beim innenliegenden Bad gibt es Wärmeeinträge aus der Nachbarschaft, die aus angrenzenden, beheizten Innenwänden stammen. Eine Wand grenzt an den Heizungsraum.

Ergebnis:  Über die gesamte Beobachtungszeit ergaben sich folgende Verbrauchswerte:

  • Schlafzimmer: 459,3 Einheiten/m²
  • Wohnzimmer: 882,2 Einheiten/m²
  • Eingang: 0 (keine Wärmeabgabe am Heizkörper nachgewiesen)
  • Bad: 0 (keine Wärmeabgabe am Heizkörper nachgewiesen)

Auswertung der Ergebnisse:

  1.  Die Zonierung der Wohnung in gering beheizte und normal beheizte Bereiche bietet ein hohes Einsparpotential.
  2. Innenliegende Räume brauchen mitunter sehr wenig Beheizung.
  3. Windfänge sparen Energie.
  4. Die Absenkung der Temperatur im Schlafzimmer gegenüber dem Wohnzimmer hat dort 48% Heizenergie eingespart.

d) Empfehlungen
Folgendes lege ich Ihnen bei einer schlecht gedämmten Altbauwohnung in einem Mehrfamilienhaus während der Heizperiode ans Herz:

  • Prinzip 1: Bei Abwesenheit Heizung absenken, so dass die Raumtemperatur 16-18°C erreicht: Wohnräume eher 18, Nichtaufenthaltsräume eher 16°C.
  • Prinzip 2: Luftzug an Fenstern und Türen abdichten. Mit der Hand am Rahmen entlang fahren. Sie spüren den Luftzug und Kältebrücken sofort. Ein Dichtungsband gibt es im Baumarkt. Bei Türen helfen Bürstendichtungen.
  • Prinzip 3: Lüften im Winter nicht mit gekipptem Fenster. Pro Person werden bei einfachen Tätigkeiten etwa 30m³ Luft pro Stunde gebraucht. Deshalb und zum Feuchtetransport ist regelmäßiges Stoßlüften wichtig. Eine Lüftungsanlage mit Wärmetauscher bietet sich bei Sanierungen an.
  • Prinzip 4: Rohre isolieren. Heizungsrohre geben dort am meisten Energie ab, wo sie am heißesten sind. Das ist im Vorlauf direkt hinter der Heizung. Doch die Wärme wird dort gar nicht gebraucht! Sie wird am Heizkörper gebraucht. Ich empfehle die Rohrisolierungen zu überprüfen. Im Baumarkt bekommt man alle gängigen Durchmesser, um Rohre nicht beheizter Bereiche zu dämmen. Diese können einfach über die Rohre geschoben werden, die Schutzfolie abnehmen und zusammenkleben.
  • Prinzip 5: Warmwasser. Wer Zugang zum Heizkessel hat, sollte die Zeiten seiner Zirkulationspumpe überprüfen. Wenn möglich mit Zeitschaltuhr oder Taster bedarfsgerecht einstellen.
  • Prinzip 6: Hilfe holen. Für die weitergehende Beratung, wenn Heizung und / oder Bauteile saniert werden sollen, fragen Sie bitte einen Energie-Effizienzexperten Ihres Vertrauens: https://www.energie-effizienz-experten.de/

Fazit
Ich war überrascht wie stark sich die Regelung auf den direkten Verbrauch auswirkt. Allgemein hat sich die Regel etabliert: jedes Grad Temperaturabsenkung spart 6% Heizwärme. Nachts übernimmt die zentrale Nachtabsenkung (wenn sie denn an der Heizung eingestellt ist) die Aufgabe. Tagsüber sind wir selber verantwortlich. Wer zu viele Heizkörper in der Wohnung hat, kann sich programmierbare Ventile kaufen und seinen Wochenplan stundengenau pro Heizkörper einstellen. Ich habe die Regelung von Hand eingestellt und empfand den Aufwand überschaubar. Je besser das Haus gedämmt ist, desto geringer sind die Heizkreistemperaturen und die Effekte werden nicht so stark zu spüren sein.
Zur Lüftung sei angemerkt, dass 5 Min. Dauerlüftung in den meisten Fällen ausreichen, bei Querlüftung auch weniger. Die Häufigkeit richtet sich nach der Personenanzahl und der Tätigkeit: Kochen, Duschen und Wäsche trocknen, produzieren sehr viel Feuchtigkeit.
Für jedes einigermaßen dichte Haus empfehle ich früher oder später eine Lüftungsanlage, die neben der Energieeinsparung auch für einen hygienischen Luftwechsel sorgt.

Das Klima sagt: Danke!

Arduin Balasus, Klimaschutzmanager Amt Sandesneben-Nusse / Amt Berkenthin

Verloren im Siegelwald – worauf muss ich beim Einkauf achten?

Laura Profilbild

Wie einfach ist es nachhaltig einzukaufen? Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind in aller Munde, aber ist es wirklich ein so schwer erreichbares Ziel?

Wir machen den Selbsttest: Klimaschutz im Alltag – wie kann möglichst stressfrei und dennoch effektiv nachhaltig gehandelt werden?

Ein großer Einzelhandelskonzern verspricht: „So kaufen Sie nachhaltig ein – einfach auf das Siegel achten“. Das hört sich vielversprechend und mühelos an: Nicht erst Vorträge von der Verbraucherzentrale besuchen, keine stundenlange Recherche im Internet oder Fachbücher wälzen – einfach Einkaufszettel schnappen und los geht’s in den nächsten Supermarkt.

Auf der Suche nach Siegeln werde ich auch sofort fündig: das achteckige Siegel verspricht „Bio nach EG-Öko Verordnung“. Damit ist die Information des Siegels jedoch bereits erschöpft. Was heißt denn überhaupt bio nach EG-Öko Verordnung? Dazu brauche ich dann doch wieder eine andere Quelle: die EG-Öko-Verordnung ist ein 46-seitiges Dokument, das regelt, welche Voraussetzungen für das Siegel gelten: mindestens 95% aus ökologischem Landbau und kein Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln und Gentechnik. Bei der Tierhaltung ist das Tierwohl durch besonderen Auslauf der Tiere und Tageslicht gewährleistet.

Soweit so gut. Dass Massentierhaltung oder Pestizide beim Anbau von Nahrungsmitteln weniger gut sind als biologische Lebensmittel, leuchtet mir sofort ein. Aber kaum suche ich gezielt nach dem deutschen Biosiegel, springen mir andere Siegel förmlich ins Auge: Bioland, Naturland, Demeter, hauseigene Biomarken, Fairtrade, Öko-Test und andere. Viele Produkte versprechen also erstmal gute Produkte zu sein. Schnell wird es unübersichtlich und ohne mein Internet in der Hosentasche bin ich wirklich aufgeschmissen.

Eine Umweltorganisation empfiehlt Siegel wie das deutsche oder europäische Biosiegel, oder höherwertigere Siegel wie Demeter, Naturland oder Bioland. Hauseigene Biomarken können zwar durchaus auch nachhaltig sein, auf deren Siegel ist jedoch nicht immer Verlass, genauso wenig wie zum Beispiel das Siegel vom Öko-Test. Auch Fairtrade vergibt Siegel, die jedoch einen anderen Ansatz verfolgen: im Fokus stehen benachteiligte Familien des globalen Südens. Langfristige Handelsbeziehungen, ein garantierter Mindestpreis, Fairtrade-Prämien und Vorfinanzierung verhelfen den Familien zu einem besseren Einkommen und sollen zu mehr Gerechtigkeit führen. Fair ist jedoch kein Gegenteil von bio, sondern vielmehr ergänzend zu sehen: bei Fairtrade handelt es sich um Produkte, die zwar überwiegend aus Übersee stammen, jedoch nicht regional angebaut werden können.

Die Sache mit den Siegeln ist zwar nicht ganz einfach, aber ich finde Apps, die mir bei der Entscheidung über ein Produkt helfen: „Label online“ stuft Siegel in die Kategorien Anspruch, Unabhängigkeit, Kontrolle und Transparenz ein. Die App „Der nachhaltige Warenkorb“ bietet Tipps und Alternativen für nachhaltiges Einkaufen.

Mein erstes Fazit ist: wer sich lediglich auf Siegel verlässt, ist genauso verlassen wie er ohne Siegel wäre. Was war nochmal der Vorteil von Siegeln? Einfach nachhaltig einkaufen. Ganz so einfach scheint es dann doch nicht zu sein: ohne eine weitere Quelle bin ich völlig aufgeschmissen.

Doch was ist eigentlich mit Produkten, die keine Siegel tragen – sind die automatisch schlecht? Um sicher zu gehen, müsste ich den Produzenten kennen, doch das ist zumeist nicht der Fall. Zumindest nicht in einer Supermarktkette. Auf dem Wochenmarkt stelle ich schnell fest: Klimaschutz braucht nicht zwangsläufig ein Siegel. Regional und bio gibt es auch ohne Siegel.

Biomarkt in PelotasFotograf: Florian Kopp/ Brot für die Welt

Nachhaltig einkaufen, ganz ohne Siegel? Bauer Schulze lädt mich ein, ihn auf seinem Hof zu besuchen und mich selbst davon zu überzeugen, ob seine Hühner wirklich glücklich sind. Außerdem würden die kurzen Fahrtwege von regionalen Bauernhof zum Markt jede Menge CO2 sparen. Im Gesamten ist das jedenfalls besser als auf die tausend Siegel zu vertrauen, die für mich keineswegs „einfach“ zur Nachhaltigkeit führen. Bei Brot für die Welt heißt es dazu: „Am meisten schont ein Einkauf das Klima, der regionale, saisonale und biologische Kriterien zugleich erfüllt – also Bio-Produkte aus der Region wählt.“ (Quelle: Brot für die Welt (Hrsg.): Bio und fair: Produktsiegel im Überblick Berlin 2015.)

Marktszenen in AraliFotografin: Uta Wagner/ Brot für die Welt

Was ich mir wünsche, wäre ein Siegel für klimaschädliche oder unnachhaltige Produkte: ich möchte nicht wissen, welches Produkt besonders gut ist, sondern welches Produkt ich auf jeden Fall meiden sollte, weil dort gerade keine Nachhaltigkeit drinsteckt. Der Philosoph Richard Precht hatte diesen Vorschlag auf dem Zukunftskongress von TransFair gemacht. Wie wäre es mit einem Siegel für Produkte, die aus Kinderarbeit oder durch Ausbeutung der Arbeiter produziert wurden, die für Ressourcenverschwendung stehen oder für klimaschädliches Verhalten?

Doch solange dies nicht der Fall ist, schnappe ich mir meinen Einkaufszettel und checke mit einer der Apps welches Produkt besonders klimafreundlich ist. Doch was es mit den Siegeln für nachhaltige Fischerei und nachhaltige Kleidung auf sich hat, muss ich beim nächsten Einkauf erst noch herausfinden.

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Laura Hasse, Bildungsreferentin für Brot für die Welt im Diakonischen Werk Schleswig-Holstein, E-Mail: l.hasse@diakonie-sh.de, http://schleswig-holstein.brot-fuer-die-welt.de/

 

 

 

Immer schön sauber bleiben – 3 alternative, kostengünstige und ungiftige Pflegeprodukte

Foto Sandra Ludwigh

In Shampoos, Seifen, Cremes und Duschgels sind zum Teil Plastikpartikel, synthetische Tenside und Silikone enthalten, in manchen Deodorants giftiges Aluminium sowie etliche andere Inhaltsstoffe. Wir als Verbraucher wissen meist gar nicht so richtig, was drin steckt und was unserem Körper langfristig Schaden zufügen könnte. Wir erfahren das immer so nach und nach. Ein Beispiel:  Es war jahrelang oder gar jahrzehntelang in Ordnung, Aluminium im Deo oder Amalgam im Zahn zu haben.  Plötzlich heißt es dann: „Ist ja doch giftig“. Genauso ist es mit vielen anderen Sachen. Das Mikroplastik in unserer Funktionskleidung gelangt z.B. durch die Wäsche ins Grundwasser. Es kann nicht herausgefiltert werden, weil die Partikel zu klein sind. Nur leider werden immer noch Fleecejacken in den Geschäften angeboten.

Damit möchte ich deutlich machen, dass wir als Verbraucher gar nicht den Überblick darüber haben können, was gut und was schlecht für uns ist, da quasi täglich neue Chemikalien und Giftstoffe auf den Markt kommen. Leider.

Es ist deshalb für uns sinnvoll, so wenig weiterverarbeitete Produkte wie nur möglich an unseren Körper heranzulassen, sowohl bei der Körperpflege, im Haushalt als auch bei der Nahrung. So ist es z. B. besser, Kartoffelpüree aus Kartoffeln und Butter zu essen als das Kartoffelpüree aus der Tüte. Statt Flüssigseife sollte lieber Kernseife genutzt werden etc. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern entlastet auch unseren Geldbeutel.

Wenn Sie sich mit diesem Thema beschäftigen, finden Sie dazu im Internet zahlreiche Anleitungen für alle möglichen Pflegeprodukte.

Ich möchte Ihnen einmal vorstellen, welche 3 alternativen Pflegeprodukte ich innerhalb der letzten fünf Jahre in mein Leben integriert habe. Es durfte für mich nicht zu kompliziert sein, da ich zwei kleine Kinder habe und somit recht ausgelastet bin. Dazu gehören:
Natron Kokos÷l Kerseife Foto

1. Natron
Was ist Natron? Natron ist ein Natriumsalz der Kohlensäure und zählt zu den Hydrogencarbonaten. Es ist ein feines, weißes Pulver, das auch als Speisesoda oder Backsoda bekannt ist. Natron ist die Abkürzung für Natriumhydrogencarbonat (=NaHCO3). Es ist als günstiges, ungiftiges und dennoch hochwirksames Hausmittel fast in Vergessenheit geraten – zu Unrecht! Natron ist ausgesprochen vielseitig einsetzbar und ganz natürlich, umweltschonend und ungiftig! Zu kaufen gibt es Natron im Drogeriemarkt, in der Apotheke oder auch in Supermärkten. Da es größere Mengen meistens nicht im Einzelhandel vor Ort zu kaufen gibt, kann z.B. ein 5 bis 10 kg Eimer Natron im Netz bestellt werden. Teuer ist es nicht, dafür aber ein wahres Multitalent ist. Es kann bei Sodbrennen eingenommen, zum Abfluss reinigen in Kombination mit Essigessenz verwendet, beim Backen oder zum Waschen von Obst und Gemüse eingesetzt, als Geruchsneutralisierer oder zum Zähne putzen benutzt werden – und das sind nur einige Beispiele. Ich nutze Natron in der Küche, im Haushalt und auch zur Körperpflege sehr oft. Falls Sie das Thema Natron und seine umfassenden Einsatzmöglichkeiten interessiert, habe ich Ihnen drei Links bereitgestellt:

Wie nutze ich Natron zur Körperpflege?

  • 2 Esslöffel Natron plus ca. ½ bis 1 Liter warmes Wasser vermischen und als Shampoo verwenden. Ich schütte dabei das Natronwasser über meinen Kopf und reibe meine Haare damit ein, so als würde ich Shampoo im Haar verteilen (natürlich schäumt es nicht, dafür sind aber auch keine synthetischen Tenside drin) . Danach spüle ich ganz normal meine Haare aus und spüle sie anschließend mit ca. 1 Liter Wasser und ca. 2 Esslöffel Apfelessig nach. Die Apfelessig -Spülung bleibt im Haar und verleiht ihm einen schönen Glanz.  Wirklich einfach.
  • Ich nutze Natron als Gesichts- und Körperpeeling. Dazu nehme ich ca. 2 Esslöffel Natron in meine Hand und „schrubbe“ damit meinen bereits nassen Körper bzw. nasses Gesicht ab. Das mache ich nur alle 2 Wochen, denn Peelings sollen nicht zu häufig verwendet werden.
  • Einmal pro Woche putze ich zusätzlich meine Zähne mit Natron. Ich geben einfach ein wenig (ca. eine Messerspitze) von dem Pulver auf meine nasse Zahnbürste und putze mir damit die Zähne. Es reduziert  Zahnbeläge und auch Zahnverfärbungen lassen sich damit einfach beseitigen. Zudem neutralisiert es Säuren im Mund und schützt so vor Karies.
  • Manchmal gönne ich mir ein Natron-Bad (= Basenbad)  in der Badewanne oder ein Natron-Fußbad. Es entsäuert den Körper und ich fühle mich danach wie neu geboren. Einfach eine Tasse Natron ins Badewasser kippen und darin mindestens 20 Minuten verweilen. Übrigens: Natron-Fußbäder (ca. 3 Esslöffel) helfen auch bei Fußpilz, rissiger Hornhaut oder Käsefüßen!

2. Kokosöl
Kokosöl (=Kokosnussöl) ist ein leckeres Speiseöl, das viel in der veganen Küche anstelle von z.B. Butter verwendet wird. Kokosöl gehört, meine ich, in jeden Haushalt. Es ist überaus gesund und bietet viele Einsatzmöglichkeiten. Wer sich hier schlau lesen möchte, dem empfehle ich nachfolgende Links:

Wie nutze ich Kokosöl zur Körperpflege?

  • Ich nutze Kokosöl zur Hautpflege, also als Bodylotion. Generell creme ich mich wenig ein, aber wenn,  dann mit Kokosöl. Am liebsten direkt nach dem Duschen, wenn die Haut noch nass ist, dann lässt sich das Öl am besten und schnellsten verteilen. Auch als Lippenbalsam eignet es sich hervorragend.
  • Ich nutze Kokosöl zur Haarpflege. Ins noch nasse Haar verteile ich etwas Kokosöl in die Spitzen.
  • Ich nutze Kokosöl zur Zahnpflege. Einmal täglich ziehe ich Öl, das bedeutet, dass ich ca. einen Esslöffel Kokosöl im Mundraum für ca. 3- 5 Minuten hin und her bewege. Anschließend wird das Öl im Biomüll (nicht in den Abguss!) entsorgt. Es soll nicht herunter geschluckt werden, da die Bakterien aus dem Mundraum nicht in den Magen gelangen sollen. Anscheinend hat das Ölziehen auch generell einen entgiftenden und heilsamen Effekt auf dem Körper.

3. Kernseife
Kernseifen sind in der Regel Natriumsalze von Fettsäuren. Sie bilden die Grundlage für Zubereitungen, die oft Feinseifen genannt werden und mit pflegenden Zusätzen, Parfümen und Farbstoffen versetzt sind. Ich persönlich nutze nur die reine Kernseife, also diejenige, die frei von  Duft- und Farbstoffen ist. Die Einsatzmöglichkeiten von Kernseife sind sehr vielfältig. Man kann aus ihr Spülmittel, Flüssigseife, Duschgel, Waschpulver, Allzweckreiniger etc. herstellen und sich sogar damit die Zähne putzen. Wer sich mehr dafür interessiert, kann die Informationen auf nachfolgendem Link abrufen.https://www.smarticular.net/unterschaetztes-hausmittel-kernseife-9-erstaunliche-anwendungsbeispiele

Wie nutze ich Kernseife zur Körperpflege?

  • Ich nutze Kernseife zum Hände waschen.
  • Ich nutze Kernseife zum Baden und Duschen statt Duschgel.
    Ich betone noch einmal, dass ich meinen Körper nicht täglich von oben bis unten einseife, das wäre sehr schlecht für den natürlichen Wasser-Fett-Schutz-Mantel der Haut. Man ist ja durchs meist tägliche Duschen oder Waschen heutzutage auch nicht mehr wirklich schmutzig, höchstens etwas verschwitzt. Da ich fast täglich Sport treibe, dusche ich mich auch täglich, jedoch nur sehr kurz (max. 1 Minute) und wasche mich fast ausschließlich mit Wasser (eher lauwarm als heiß). Die Kernseife nutze ich nur sehr sparsam an den Stellen, wo es nötig ist. Besonders im Winter merke ich, dass zu langes und heißes Duschen meiner Haut schadet. Sie trocknet aus und fühlt sich rau an. Kinderhaut ist meistens noch empfindlicher. Hier gilt also „weniger ist mehr“. Wer sich täglich von oben bis unten einseift, muss sich irgendwann auch täglich eincremen und gerät somit in einen Teufelskreis von dringend benötigten Drogeriemarktprodukten.
  • Ich nutze Kernseife (seit gestern!) zum Zähne putzen. Ich probiere das jetzt einfach mal aus und lasse Sie evtl. in meinem nächsten Bericht wissen, wie es gelaufen ist. Bis dato kann ich nur sagen, dass es nicht so schlecht schmeckt wie man vermuten würde und sich der Mundraum angenehm erfrischt anfühlt.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern viel Spaß beim Ausprobieren und Experimentieren.
image001Ihre Sandra Ludwigh, Energie- und Klimaschutzbeauftragte im Kreis Steinburg
E-Mail: ludwigh@steinburg.de, Telefon: 04821 – 69 607