Für die täglichen Autofahrer – eine Woche ohne Auto

Morkramer_NordkircheUnser Haushalt verfügt über ein Auto. Das ist praktisch um den Wocheneinkauf zu erledigen oder die Kinder irgendwohin zu fahren. Wir wohnen in Hamburg. Dort ist ein Auto nicht notwendig und aufgrund der überlasteten Straßen und des hohen Parkdrucks oft auch sehr nervig.

Zu Testzwecken lasse ich das Auto eine Woche stehen und nutze Fahrrad, Fuß, Bus und Bahn. Ich werde multimodal. Das klingt gut, also probiere ich es aus!

Zuerst einmal muss ich mich orientieren:

  • Wie komme ich ohne Auto zur Arbeit? Welche Strecken gibt es, welche Verkehrsmittel kann ich nutzen und wie lange dauert das?
    In meinem Fall sind es 12-15 km. Ich kann mit dem Fahrrad fahren, das dauert ca. 50 Minuten von Tür zu Tür, oder mit Bus und S-Bahn (ca. 45 Minuten). Mit dem Auto sind es ca. 25 Minuten.
  • Welche Tarife / Tarifzonen und Karten gibt es? Was kostet das und was lohnt sich für mich?
    Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) besteht aus der Hochbahn (zuständig für U-Bahn und Busse) und der Deutschen Bahn (DB). Die DB ist bekannt für ihren Tarifdschungel und so ist es auch in Hamburg. Ich entscheide mich für eine Wochenkarte. Damit kann ich beliebig oft fahren, aber niemanden mitnehmen. Diese Karte kann ich allerdings nur an einer Servicestelle kaufen.

Motiviert gehe ich am nächsten Morgen zur Bushaltestelle. Der erste Bus fährt mir vor der Nase weg (kein Problem, ich habe den Luxus eines 5-Minuten-Taktes) und der nächste kommt zu spät. Beim Umsteigen in die S-Bahn muss ich mich aufgrund der Verspätung des Busses beeilen, die Bahn fährt bereits ein. Und sie ist rappelvoll! Wo kommen die ganzen Menschen her? Ich dachte, die sitzen alle im Auto und verstopfen die Straßen? Wie in einer Sardinenbüchse eingeklemmt geht es los. Zum Glück steigen 80 % der Menschen am Hauptbahnhof aus. Ich kann wieder atmen und bekomme einen Sitzplatz. Der Rest der Fahrt verläuft ruhig. Die Rückfahrt ist kein Problem. An meiner Haltestelle ist die Bahn noch leer, am Hauptbahnhof ist sie wieder rappelvoll. Um Auszusteigen muss ich mich durch die Menschenmasse kämpfen.

Morkramer_Woche_ohne_Auto

Jetzt noch einkaufen. Ich habe eine große Tragetasche dabei, in die ich meinen Einkauf direkt einpacke. Die Tasche wird immer schwerer und ich merke, dass ich höchstens für zwei Tage einkaufen kann, mehr kann ich nicht tragen. Danach wieder zum Bus und nach Hause.

Zwei Tage später entscheide ich mich dafür, mit dem Fahrrad zur S-Bahn zu fahren und die Fahrradtaschen direkt mitzunehmen. So kann ich abends den Einkauf dort hinein packen. Außerdem ist das Fahrrad schneller als der ewig zu spät kommende Bus. Es klappt alles gut, das Fahrrad ist abends noch da, aber im Januar ist es ganz schön kalt, nass und dunkel um Fahrrad zu fahren. Insgesamt macht es keinen Spaß.

Die nächsten Tage fahre ich früher zur Arbeit, dann ist die Bahn leerer. Ich genieße den Blick auf die Lichter der Stadt. Keiner in der Bahn redet, alle träumen vor sich hin. So kann man es aushalten!

Alleine mit zwei kleinen Kindern Bus und Bahn fahren empfinde ich als furchtbar! Ständig muss man aufpassen, dass sie in der Menschenmasse nicht verloren gehen oder zerdrückt werden! Wenn man drin ist, muss man aufpassen, dass sie nicht durch die Gegend purzeln, sondern einen Sitzplatz bekommen. Mit einem Buggi unterwegs zu sein ist ebenfalls schrecklich, da in Bus und Bahn wenig Platz dafür ist und auch nicht überall Fahrstühle existieren. Zu Fuß zur Kita zu gehen macht uns dagegen Spaß. Allerdings muss man genügend Zeit einplanen!

Mein Fazit aus der Woche lautet:

Dafür, dass ich beliebig viel mit meiner Wochenkarte fahren kann, ist sie recht günstig. Dass am Wochenende jedoch keine zweite Person darauf mitfahren kann ist blöd. Mit einem Kind den ÖPNV zu nutzen ist in Ordnung, man muss nur mehr Zeit zum Umsteigen einplanen, als z. B. die App ansetzt. Mit zwei kleinen Kindern ist man am Ende nur genervt!

Ich habe in dieser Woche viele interessante Menschen gesehen. Vom Anzugträger mit Laptop auf den Knien bis zum Obdachlosen, der in der S-Bahn bettelt. Der morgendliche Körperkontakt mit fremden Personen ist nicht mein Fall, zum Glück ist es Winter … Ich musste in dieser Woche häufiger einkaufen gehen als sonst, da ich nur kleinere Mengen transportieren konnte. Das kostet viel Zeit und ist anstrengend.

Ich habe es aber sehr genossen mir meine Stadt und Mitmenschen einmal in Ruhe ansehen zu können. Ich konnte den Blick schweifen lassen, musste mich nicht auf die Straße konzentrieren, mich nicht mit anderen Autofahrern um die Vorfahrt streiten, stand nicht im Stau und musste auch keinen Parkplatz suchen.

Morkramer_Woche_ohne_Auto_2

Für kurze Strecken nehme ich gerne das Fahrrad, man ist damit wendig, schnell und findet immer einen Parkplatz. Für den Einkauf ist ein Auto schon sehr angenehm, obwohl auch dort das Fahrrad eine Alternative sein kann. Ich denke, ich werde im Sommer einen neuen Test wagen.

image003Klaudia Morkramer, Klimaschutzmanagerin für Mobilität
Klimaschutzbüro der Nordkirche
Mail: Klaudia.Morkramer@umwelt.nordkirche.de

Advertisements

2 Gedanken zu “Für die täglichen Autofahrer – eine Woche ohne Auto

  1. Manuel

    Moin Klaudia,
    ich erinnere mich noch an meine Pendlerzeiten – erst Berlin, danach Hamburg – und muss sagen es wird besser. Du bewegst dich irgendwann sehr natürlich im ÖPNV, lernst die Abkürzungen kennen, weißt welche Bahn leerer ist. Heute als Fahrradpendler vermisse ich manchmal die Zeit in Bus und Bahn, die man ziemlich gut nutzen kann. Oder einfach gemütlich die Zeitung lesen.
    Auf jenden Fall habe ich bei Vergleich Auto gegen Bahn festgestellt, dass ich entspannter Zuhause ankomme wenn ich die Bahn nehme und mir auch das Auto fahren mehr Spaß macht, wenn ich es nicht täglich mache.
    Übrigens kann man in den Apps die Umsteigezeiten anpassen und eine Verbindung mit Stadtradt oder Car2Go macht einen noch schneller und flexibler.
    Viele Grüße Manuel

    Gefällt mir

  2. Sandra

    Hallo Klaudia,
    ich fand deine Artikel sehr amüsant, da ich selber damals in Hamburg mit nur einem Kind! das Problem mit dem Öffentlichen Nahverkehr kennen gelernt habe. Bus und Bahn fahren in Hamburg mit Kinderwagen ist echt der Horror! Ich war damals auch lieber zu Fuß unterwegs.
    VG Sandra

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s