Lebensmittel möglichst unverpackt einkaufen und mehr selbst zubereiten – was passiert dann?

Wer sich schon mal nach dem Einkaufen die Mühe gemacht hat, alle Verpackungen zu entfernen und die Menge an Papier, Folien, Styropor und Plastik zu sichten, wird überrascht gewesen sein über die Berge an Verpackungsmüll, die dabei zusammenkommen. Laut einer Studie von Eurostat verursachte Deutschland im Jahr 2015 je EinwohnerIn 37,4 Kilogramm Plastikverpackungsabfall, immerhin rund 49 Prozent davon werden dem Recycling zugeführt. Aber mal ehrlich, die Abschaffung von Plastiktüten in der Obst- und Gemüseabteilung sowie an der Supermarktkasse allein kann das Problem kaum beheben, oder? Ein Grund mehr, dass wir selbst bewusster darauf zu achten, weniger Lebensmittel in Plastikverpackungen zu kaufen und verschiedenes ausprobieren. Darüber hinaus tauschen wir ein paar Ideen für die eigene Zubereitung von Lebensmitteln aus.

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Isa Reher (links) und Andrea Witt

Die Aufgabe: Lebensmittel möglichst unverpackt einkaufen

Möglichkeit 1: Der Bio-Supermarkt

In Lübeck gibt es eine Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaft, die fünf eigene Bio-Supermärkte namens „Landwege“ in Lübeck und Bad Schwartau betreibt. Das langjährig erfolgreiche Konzept setzt auf ein regionales Erzeugernetzwerk, welches von überregionalen Biomarktangeboten ergänzt ein umfangreiches Angebot für die Kundschaft bietet. Ich (Andrea) werde dort immer wieder auf andere saisonale Besonderheiten aufmerksam. Obst und Gemüse aber auch Produkte wie Fleisch, Käse oder Brot können in Papiertüten oder in selbst mitgebrachte Behältnisse und Beutel verpackt werden. Ein echter Vorteil gegenüber dem Verpackungswahnsinn, dem wir beispielsweise beim Einkauf im Discounter begegnen. Dort werden insbesondere Biolebensmittel in Folien und Plastik eingeschlagen, um sie vor Verunreinigungen zu schützen. Kurios, nicht wahr?

Möglichkeit 2: Die „grüne Kiste“

Ich (Isa) bekomme eine „grüne Kiste“ mit Lebensmitteln von einem Bauernhof in der Nähe. Ab und zu kommen noch andere Dinge aus dem Hofladen hinzu. Ich suche mir aus, was ich immer im Abo bekommen möchte und bestelle dazu, was gerade gebraucht wird. Dann steht alle zwei Wochen am Samstag die grüne Kiste vor der Tür. Meine Kiste ist selbst zusammengestellt, es gibt aber auch verschiedenste Gemüsekörbe mit wechselnden Gemüsen, Kräutern, Salaten und Obst. Gruene Kiste Gut Rothenhausen Isa-kleinUnser Hof, das Gut Rothenhausen, liefert nicht nur selbst Angebautes wie Obst, Gemüse und Getreide, sondern hat auch eine Hofbäckerei, eine eigene Milchverarbeitung und Käserei und Fleischverarbeitung mit Wurst von den eigenen Tieren. Da bekomme ich z.B. den Quark im Glas, das ausgewaschen wieder zurückgeht – und der schmeckt einfach wunderbar cremig. Es gibt sogar mehr als nur das eigene Hofangebot, z.B. Tomaten, Zitronen, etc. oder Waschmittel und Körperpflege

Bewertung: Guter Service, der mir den „Einkaufsalltag“ erleichtert:

  • ich kann von zuhause meine Lieferung zusammenstellen, egal wann,
  • ich erspare ich mir einige Einkaufswege,
  • ich bekomme kaum Verpackungen, sondern alles lose oder in Papier wie Brot und Eier,
  • frischer geht es nur noch aus dem eigenen Garten und
  • ich bekomme regionale und vor allem saisonale Produkte direkt nach Hause geliefert.

Alles sehr gut!

Meine Empfehlung: Es lohnt sich, Lieferservice aus der Region auszusuchen und zu testen. Die meisten Höfe kann man auch besuchen und sich ein Bild vor Ort machen. Ich habe von verschiedenen Höfen Lieferkisten bekommen und mich dann für einen Demeterhof mit seiner Kreislaufwirtschaft und großen Vielfalt entschieden.

Und noch ein Tipp: Auch mit wenig Geld kann man sich mit Biolebensmitteln ernähren, es lohnt sich mit Grundnahrungsmitteln wie Brot, Reis, Nudeln, Kartoffeln anzufangen: Die Foodjournalistin Rosa Wolff unternimmt in „Arm aber Bio“ das Experiment, sich einen Monat lang zum Hartz-IV-Tagessatz von Bio-Lebensmitteln zu ernähren.

Möglichkeit 3: Der Unverpackt-Laden

In Lübeck gibt es seit einiger Zeit einen „Unverpackt-Laden“ () , in dem man alles lose in eigenen Behältern kaufen kann und nur so viel, wie man gerade braucht. Unser Kollege Manuel berichtete bereits davon.Unverpackt Luebeck-klein

Seit ich (Isa) da einkaufe, habe ich die Kaffeedose gleich mit in der Tasche und fülle direkt darein ab. Es gibt Süßes und Salziges, Getreide, Hülsenfrüchte und Nüsse, Gewürze und Öle, Kaffee und Tee, Körperpflege und Waschmittel und noch vieles mehr. Und weil es so viel zu probieren gibt, habe ich jetzt auch immer Extragläser mit, für ungeplante Naschereien. Wer kennt geröstete Erbsen und Bohnen?

Bewertung: Es bringt Spaß, im Unverpackt einzukaufen. Keine Einwegverpackungen und genau die Mengen, die ich gerade brauche, sind ein absoluter Pluspunkt. Es gibt auch Einiges frisch aus der Region. Spannend bleibt die Sortimentsausweitung. Es wäre schön, wenn das Konzept dazu führen würde, dass mehr und an mehr Orten ohne Einwegverpackungen verkauft wird.

Tara-wiegen-klein-IMG_20171219_183522Einfuellen-klein-IMG_20171219_183606Brutto-Wiegen-klein-IMG_20171219_183640

Wie lange gibt es die Idee / Diskussion wohl schon? Mit einer lieben Kollegin hatte ich (als Unternehmensberaterin) einen Auftrag für eine Designstudie zu den Möglichkeiten ohne Einwegverpackungen zu verkaufen. Wir haben festgestellt, das geht und auch wie. Wann? 1992 …

Was geht noch? Selbermachen statt Fertiges kaufen

Tipp 1: Ingwer-Hummus

Immer wenn ich (Isa) zu einem veganen Potluck oder zum Buffet eingeladen bin, bringe ich gern Hummus mit – aber gleich vier Einwegpackungen kaufen? Also hab ich mich ans Selbermachen gewagt – für Ingwer-Hummus, den ich am liebsten mag.

Dafür Kichererbsen (lose im Unverpacktladen) und Tahin (Sesammus) kaufen; Zitrone, Knoblauch, Kreuzkümmel, Ingwer, Salz, Pfeffer und Paprika sind sowieso da.Hummus-klein-IMG_20180114_171316

Das Rezept ist einfach und ich füge nur Ingwer dazu (1 Portion):

50gr Kichererbsen über Nacht einweichen und 1-2 Stunden köchelnd garen, bis sie weich sind … mit 200gr Tahin, Saft einer ½ Zitrone, 1 Zehe Knoblauch (nach Belieben), viel Kreuzkümmel, Salz und Pfeffer und dazu 1 Stück Ingwer kleingeschnitten cremig pürieren. Dabei nach Bedarf etwas Olivenöl und Wasser zufügen. Bei mir geht das im Mixer. Angerichtet wird er am schönsten mit Paprika bestreut und etwas Petersilie.

Tipp 2: BROT selber Backen

Ich (Andrea) liebe Brot, am liebsten mag ich Vollkornbrot. Manchmal viel zu schnell ist so ein ganzes Brot aufgegessen. Also habe ich mich daran gemacht selber Brot zu backen. Zunächst ein Versuch mit Hefe, doch das Ergebnis hat mich – im Vergleich zu einem Brot aus der Bäckerei – nur mäßig begeistert. Also wagte ich mich an ein Sauerteigbrot. Brotbacken-1Zunächst braucht man hierfür die Kulturen, die dem Brot seine Brotbacke-2Lockerheit verleihen. Eine gute Freundin kam mir hier zu Hilfe und gab mit etwas von ihrem „Ansatz“ ab, man kann ihn aber auch käuflich erwerben. Je nach Geschmack wählt man ein Vollkornmehl (z.B. Roggen, Dinkel oder Weizen) aus und fügt außerdem reichlich Wasser hinzu, nach dem verrühren muss der Teig ein paar Stunden an einem warmen Ort ruhen. Je mehr Zeit er bekommt, desto besser. Anschließend kann man weitere Zutaten, wie Leinsamen, Sonnenblumenkerne oder Nüsse unterrühren. Außerdem kommt eine Prise Salz und je nach Geschmack Brotgewürz mit Fenchel, Anis und Kümmel hinzu. Anschließend eine Kastenform mit Backpapier auskleiden, den Teig einfüllen und dann bei 175 Grad ca. 75 Minuten backen. Hmmm, das duftet und schmeckt!

Tipp 3: Obst lagern und haltbar machen

In unserem Garten (Isa) stehen sehr viele Obstbäume und ich lagere z.B. meine Äpfel so, dass ich das ganze Jahr etwas davon habe – vom Augustapfel im Juli über James Grieve bis November, Holsteiner Cox und Weihnachtsapfel bis ins neue Jahr und Boikens bis Juli. Der Lohn sind auch wunderbare Bratäpfel im Winter und getrocknete Marmelade-klein-IMG_20180114_223315~2Apfelscheiben zwischendurch. Aus Birnen wird leckeres Birnenmus. Die Quitten wandern auch ins Glas als Mus oder werden zu Quittenbrot. Mit Hollerblütengelee kann man im Winter den Sommer riechen und schmecken. Wer selbst keinen Garten hat, kann in Kleingärten im Herbst nachfragen, da gibt es immer wieder das Angebot, selbst zu ernten, wenn die Besitzer das nicht schaffen.

Wie war der Test und was hält sich im Alltag?

Es macht Spaß, etwas Neues zu probieren und so eine Testwoche ist eine gute Gelegenheit, sich mal bewusst den eigenen Alltag anzusehen.

Unser Fazit: Lebensmittel unverpackt einkaufen ist möglich, Selbermachen bringt Spaß und frisch schmeckt besser! Und deshalb dürfen sich in unserem Alltag ab jetzt gern breitmachen: Schnelle Salate und selbstgemachte Smoothies mit Obst und Grünzeug.

Unbedingt ansehen: https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama3/Gedanken-einer-Plastikmuell-Vermeiderin,plastik176.html

Isa Reher – Klimaschutzmanagerin beim Kreis Stormarn und freie Moderatorin

i.reher@kreis-stormarn.de www.kreis-stormarn.de/go/klimaschutz

Andrea Witt – Klimaschutzmanagerin bei der Hansestadt Lübeck

andrea.witt@luebeck.de http://unv.luebeck.de/klimaschutz/index.html

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Noch ganz sauber? – Alternative Putzmittel herstellen und testen

Foto_Sabrina GuderDas regelmäßige Putzen der eigenen vier Wände ist eine Routine, bei der das Womit selten hinterfragt wird. Im Schrank stehen viele verschiedene Flaschen – für jeden Zweck ist das richtige Mittel zur Hand. Laut Umweltbundesamt werden jährlich ungefähr 220.000 t Haushaltsreiniger verkauft. Viele der Inhaltsstoffe in Putzmitteln sind als bedenklich einzustufen.
Foto: Rech & Friends

Sie können beim Menschen zum Beispiel zu Hautreizungen oder Verätzungen führen. Außerdem belasten Silicone, Paraffine oder Duftstoffe die Umwelt, da sie nur schwer biologisch abbaubar sind.

Da stellt sich mir die Frage, ob es verträglichere Alternativen gibt – für Mensch und Umwelt. Bei meiner Recherche bin ich auf einen Artikel gestoßen, in dem die These aufgestellt wird, dass 5 Haushaltsmittel sämtliche Putzmittel ersetzen können und dabei noch umweltverträglich sind. Als Alternativen zu den chemischen Putzmitteln aus der Werbung werden herkömmliche Hausmittel wie Zitronensäure, Natron, Essig(essenz), Soda und Kernseife empfohlen.

Getestete Hausmittel_Sabrina Guder

Das klingt spannend und einiges davon habe ich getestet!

Die ersten beiden Hausmittel sind Essig bzw. Essigessenz oder Zitronensäure. Sie sollen zum Entkalken von Geräten wie Kaffeemaschinen, Wasserkochern oder Bügeleisen verwendet werden können. Außerdem sei die Verwendung für einen Allzweckreiniger, als Weichspüler oder WC-Reiniger denkbar. Der Vorteil dieser beiden Mittel ist, dass sie vollständig biologisch abbaubar sind.

Bei der Anwendung von Essig bzw. Essigessenz ist darauf zu achten, dass diese nur verdünnt eingesetzt werden. Essig ist auf vielen Oberflächen einsetzbar. Vorsicht ist allerdings bei Aluminium und kalkhaltigen Flächen wie Marmor oder Naturstein geboten. Ein weiterer Nachteil des Essigs ist, dass er in Verbindung mit Kupfer zu giftigem Grünspan führen kann. Während meines Tests habe ich mich für die Verwendung von Zitronensäure entschieden. Zitronensäure ist in flüssiger Form sowie als Pulver erhältlich. Sie eignet sich ebenso wie Essig zum Entkalken. Der Vorteil gegenüber Essig ist allerdings, dass Zitronensäure in Haushaltsgeräten enthaltenes Plastik oder Gummi nicht angreift.

Mein erster Test war das Entkalken meines Wasserkochers mit Zitronensäure. Dazu habe ich 2 Esslöffel reine Zitronensäure in Pulverform in 1 Liter Wasser gelöst und in den Kocher gefüllt. Die Lösung habe ich im Wasserkocher erhitzt. Wichtig ist, dass die Lösung nicht siedet, um neue Ablagerungen wie Kalziumcitrat zu vermeiden. Nach einer kurzen Einwirkzeit habe ich die Lösung ausgekippt und den Wasserkocher mit klarem Wasser gut ausgespült und abgetrocknet. Das Ergebnis ist zufriedenstellend, doch die Kalkablagerungen sind nicht vollständig verschwunden. Beim nächsten Mal werde ich die Einwirkzeit um ein paar Minuten verlängern oder gegebenenfalls die Dosierung des Pulvers erhöhen.

Die warme Lösung aus dem Wasserkocher habe ich anschließend noch dazu verwendet meine Spüle und den Wasserhahn von Kalkflecken sowie meine Teekanne von unschönen Ablagerungen zu reinigen. Beides hat super funktioniert. Nach einer kurzen Einwirkzeit ließen sich die Kalkflecken auf der Spüle einfach mit einem Lappen wegwischen. Im Anschluss habe ich mit klarem Wasser noch einmal nachgewischt. Die Teekanne wurde ebenfalls mit der heißen Lösung befüllt. Nach einer Einwirkzeit von 10 Minuten waren die Ablagerungen fast gänzlich gelöst. Ich habe aber noch einmal mit der Bürste und etwas Spülmittel nachgeholfen und die Kanne war dann wieder weiß. Bei der Teekanne waren die bleichenden Eigenschaften der Zitronensäure zudem sehr hilfreich! Aufgrund dieser Eigenschaft wird sie auch als Weichspüler oder Fleckentferner vor allem für weiße Wäsche empfohlen.

Teekanne vor und nach der Entkalkung

Zudem kann Zitronensäure als WC-Reiniger genutzt werden und eine gute Alternative darstellen, da laut Umweltbundesamt insbesondere WC-Reiniger mit anorganischen Säuren eine hohe Belastung für die Umwelt darstellen. Laut Rezept werden einfach 3 Esslöffel Zitronensäurepulver in das Becken gestreut und mit der Bürste sowie etwas Spülwasser verteilt. Die Einwirkzeit sollte ungefähr eine Nacht betragen. Der Nachteil hierbei ist, dass die Einwirkzeit wirklich lange ist. Eine praktikablere Alternative kann die Einwirkzeit eines Arbeitstages sein.

Auf der Verpackung meiner Zitronensäure sind noch viele weitere Verwendungsmöglichkeiten angegeben, die ich demnächst auch sicherlich testen werde. Weitere Rezepte, Tipps, Anwendungsmöglichkeiten und Hinweise zu Essig und Zitronensäure sind unter folgenden Links zu finden:

Ein weiteres alternatives Mittel ist Waschsoda bzw. reines Soda und ist nicht zu verwechseln mit Speisesoda (Natron). Es soll als Putz-, Spül- und Waschmittel verwendet werden können. Auch die Fett-, Fleckentfernung sowie die Reinigung verstopfter Abflüsse seien damit möglich. Bei der Verwendung von Soda sind allerdings einige Hinweise zu beachten. Zum Schutz der Haut und Schleimhäute ist es wichtig längeren Hautkontakt sowie den Kontakt mit Augen, Nase und Mund zu vermeiden. Sodastaub und Dämpfe sollten nicht eingeatmet werden. Auf der Packung steht außerdem, dass bei der Anwendung Handschuhe getragen werden sollten. Diese Vorkehrungen sind allerdings auch bei den meisten herkömmlichen Putzmitteln empfohlen. Da viele der Anwendungsmöglichkeiten denen von Zitronensäure ähneln, wurde die Anwendung von Waschsoda zunächst noch nicht getestet. Zukünftig würde ich es aber nicht ausschließen. Der Vorteil von Waschsoda ist, dass es laut Verpackung hygienisch sauber reinigt. Nähere Informationen zu Anwendungsmöglichkeiten, Tipps und Hinweisen sind zum Beispiel im Artikel 5 Tipps, wie du mit Soda deine Wohnung und Kleider reinigst zu finden oder gegebenenfalls auf der Verpackung selbst.

Weiterhin wurde die Anwendung von Natron getestet. Es ist auch bekannt als Speise- oder Backsoda und ist vielseitig als Koch- und Reinigungsmittel einsetzbar. In Kombination mit Wasser und Kernseife lassen sich zum Beispiel ein Allzweckreiniger sowie ein Geschirrspülmittel herstellen, welches ich getestet habe. Das Spülmittel kann entweder mit Natron oder Waschsoda in Kombination mit Kernseife und Wasser einfach hergestellt werden. Dazu wird die Kernseife fein geraspelt und 2 Teelöffel in 500 ml warmem Wasser aufgelöst. Anschließend werden 2 Teelöffel Natronpulver oder Waschsoda hinzugefügt. Nach dem Abkühlen kann das Mittel verwendet werden. Der Reiniger kann auch in eine Sprühflasche gefüllt werden und so als Universalreiniger Verwendung finden. Da Waschsoda stark entfettend wirkt und der Hautkontakt vermieden werden sollte, wurde Natron verwendet.

Bei der Verwendung des Spülmittels war es zunächst sehr ungewohnt, dass es nicht schäumt. Das Spülmittel hat dennoch gut bei meinem mäßig schmutzigen Geschirr funktioniert. Nur bei der fettigen Bratpfanne musste ich auf mein herkömmliches Spülmittel zurückgreifen. Hier wäre beim nächsten Mal auch die Verwendung von Waschsoda aufgrund der entfettenden Eigenschaften sinnvoll. Wie normales Spülmittel, lässt sich auch das selbst hergestellte Mittel gut aufbewahren. Zum Beispiel abgefüllt in alten Gläsern mit Schraubverschluss.

Natron kann zum Beispiel auch zur Reinigung von Polstermöbeln, Autositzen oder Teppichen verwendet werden und entfernt Gerüche. Dazu wird das Möbelstück mit dem Pulver bestreut und am nächsten Tag abgesaugt. Fertig. Das klingt wunderbar für Gegenstände, die nicht in der Waschmaschine gewaschen werden können.

Weitere Tipps, Anwendungsmöglichkeiten und Hinweise für die Verwendung von Natron im Haushalt können in den Artikeln Natron als Hausmittel: Vielseitig und ökologisch und Natron-Allzweckreiniger im Handumdrehen selbst herstellen nachgelesen werden.

Fazit
Insgesamt begeistert mich die Vielfalt der Anwendungsmöglichkeiten dieser 5 Haushaltsmittel und ihre Umweltverträglichkeit.

Leider konnte ich nicht alle Anwendungsmöglichkeiten testen und hier darüber berichten. Das hätte auch den Rahmen dieses Blogbeitrages überzogen. Ich werde jedoch zukünftig weitere „Rezepte“ und Anwendungsmöglichkeiten ausprobieren und so den Inhalt meines Putzschranks umstellen. Die Vorteile dieser Hausmittel sind, dass sie im Vergleich zu anderen Reinigungsmitteln günstig und sehr ergiebig sind. Für die jeweilige Anwendung wird zumeist nur eine relativ geringe Menge benötigt. Auch die Themen Müll(vermeidung) und Recycling werden zum Vorteil für die alternativen Reinigungsmittel, denn diese sind oftmals in Pappkartons oder, wie beim Essig, in Glasflaschen erhältlich. Herkömmliche Reinigungsmittel werden dagegen fast nur in Plastikverpackungen angeboten.

Die Herstellung bzw. Dosierung der Mittel war ebenfalls einfach, denn vieles steht bereits auf der Verpackung oder lässt sich gut im Internet recherchieren. Zu Beginn muss man vielleicht öfter mal die richtige Dosierung nachschauen, doch ich denke, das ist genauso wie Kochen eine Übungssache.

Als Alternative oder Zwischenlösung zu den genannten Haushaltsmitteln, gibt es inzwischen in vielen Drogerien und Online-Shops auch ökologische Reinigungsmittel mit pflanzlichen und natürlichen Inhaltsstoffen zu kaufen. Beispiele sind die Produkte der Marken Ecover, memo, Sodasan, AlmaWin, Klar oder Sonett. Beispiele und Bewertungen sind unter anderem bei den Utopia Bestenlisten zu finden.

Doch egal welches Reinigungsmittel verwendet wird, die Dosierung sollte sparsam erfolgen, um unnötige Umweltbelastungen zu vermeiden. Mit dem Kauf von Konzentraten kann der Verpackungsmüll reduziert werden.

Bei bestehendem Interesse sind auf den angegebenen Internetseiten, dem angegebenen Buch sowie bei weiterer Recherche weitere Hinweise, Anregungen und Rezepte zur Anwendung dieser alternativen Reinigungsmittel zu finden. Das Tolle ist, hat man einmal die „Grundzutaten“ vorrätig, können neue Anwendungen unkompliziert und schnell getestet werden.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Nachweise und weitere Informationen

  1. Umweltbundesamt (2015): Frühjahrsputz. Abrufbar unter: https://www.umweltbundesamt.de/themen/chemikalien/wasch-reinigungsmittel/umweltbewusst-waschen-reinigen/fruehjahrsputz.
  2. Utopia (2016): Diese 5 Haushmittel ersetzen fast alle Putzmittel. Abrufbar unter: https://utopia.de/ratgeber/hausmittel-putzmittel-waschmittel/.
  3. Flatley, A (2016): Natron als Hausmittel: Vielseitig und ökologisch. Abrufbar unter: https://utopia.de/ratgeber/natron-als-hausmittel-vielseitig-und-oekologisch/
  4. Flatley, A. (2016): Warum Essig und Essigessenz in jeden Haushalt gehören. Abrufbar unter: https://utopia.de/ratgeber/essig-essigessenz-hausmittel/.
  5. Flatley, A. (2016): 5 Tipps, wie du mit Soda deine Wohnung und deine Kleider reinigst. Abrufbar unter: https://utopia.de/ratgeber/soda/
  6. Eder, M. (o. J.): Natron-Allzweckreiniger im Handumdrehen selbst herstellen. Abrufbar unter: https://www.smarticular.net/natron-allzweckreiniger-im-handumdrehen-selbst-herstellen/
  7. Emmaradio (2011): Blaupausen. Putzen 21 Teil 2: Citronensäure. Abrufbar unter: https://utopia.de/0/blog/was-nachhaltigkeit-manchmal-auch-mit/putzen-21-teil-2
  8. Utopia Team (2014): Die schlimmsten Inhaltsstoffe in Reinigungsmitteln. Abrufbar unter: https://utopia.de/ratgeber/die-schlimmsten-inhaltsstoffe-in-reinigungsmitteln/

Weitere Tipps, um Müll zu vermeiden und die Umwelt zu schonen sind in dem Buch von Shia Su (2017): „Zero Waste: Weniger Müll ist das neue Grün“ zu finden.

Es wird keine Haftung für eventuell entstehende Schäden übernommen. Die dargestellten Ergebnisse basieren auf einem relativ kurzen Testzeitraum im Rahmen der Erstellung dieses Blogbeitrags.

Logo_Kreis-SE_klein_4cSabrina Guder, Klimaschutzmanagerin des Kreises Segeberg
E-Mail: klimaschutz@kreis-segeberg.de

 

Immer schön sauber bleiben – 3 alternative, kostengünstige und ungiftige Pflegeprodukte

Foto Sandra Ludwigh

In Shampoos, Seifen, Cremes und Duschgels sind zum Teil Plastikpartikel, synthetische Tenside und Silikone enthalten, in manchen Deodorants giftiges Aluminium sowie etliche andere Inhaltsstoffe. Wir als Verbraucher wissen meist gar nicht so richtig, was drin steckt und was unserem Körper langfristig Schaden zufügen könnte. Wir erfahren das immer so nach und nach. Ein Beispiel:  Es war jahrelang oder gar jahrzehntelang in Ordnung, Aluminium im Deo oder Amalgam im Zahn zu haben.  Plötzlich heißt es dann: „Ist ja doch giftig“. Genauso ist es mit vielen anderen Sachen. Das Mikroplastik in unserer Funktionskleidung gelangt z.B. durch die Wäsche ins Grundwasser. Es kann nicht herausgefiltert werden, weil die Partikel zu klein sind. Nur leider werden immer noch Fleecejacken in den Geschäften angeboten.

Damit möchte ich deutlich machen, dass wir als Verbraucher gar nicht den Überblick darüber haben können, was gut und was schlecht für uns ist, da quasi täglich neue Chemikalien und Giftstoffe auf den Markt kommen. Leider.

Es ist deshalb für uns sinnvoll, so wenig weiterverarbeitete Produkte wie nur möglich an unseren Körper heranzulassen, sowohl bei der Körperpflege, im Haushalt als auch bei der Nahrung. So ist es z. B. besser, Kartoffelpüree aus Kartoffeln und Butter zu essen als das Kartoffelpüree aus der Tüte. Statt Flüssigseife sollte lieber Kernseife genutzt werden etc. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern entlastet auch unseren Geldbeutel.

Wenn Sie sich mit diesem Thema beschäftigen, finden Sie dazu im Internet zahlreiche Anleitungen für alle möglichen Pflegeprodukte.

Ich möchte Ihnen einmal vorstellen, welche 3 alternativen Pflegeprodukte ich innerhalb der letzten fünf Jahre in mein Leben integriert habe. Es durfte für mich nicht zu kompliziert sein, da ich zwei kleine Kinder habe und somit recht ausgelastet bin. Dazu gehören:
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1. Natron
Was ist Natron? Natron ist ein Natriumsalz der Kohlensäure und zählt zu den Hydrogencarbonaten. Es ist ein feines, weißes Pulver, das auch als Speisesoda oder Backsoda bekannt ist. Natron ist die Abkürzung für Natriumhydrogencarbonat (=NaHCO3). Es ist als günstiges, ungiftiges und dennoch hochwirksames Hausmittel fast in Vergessenheit geraten – zu Unrecht! Natron ist ausgesprochen vielseitig einsetzbar und ganz natürlich, umweltschonend und ungiftig! Zu kaufen gibt es Natron im Drogeriemarkt, in der Apotheke oder auch in Supermärkten. Da es größere Mengen meistens nicht im Einzelhandel vor Ort zu kaufen gibt, kann z.B. ein 5 bis 10 kg Eimer Natron im Netz bestellt werden. Teuer ist es nicht, dafür aber ein wahres Multitalent ist. Es kann bei Sodbrennen eingenommen, zum Abfluss reinigen in Kombination mit Essigessenz verwendet, beim Backen oder zum Waschen von Obst und Gemüse eingesetzt, als Geruchsneutralisierer oder zum Zähne putzen benutzt werden – und das sind nur einige Beispiele. Ich nutze Natron in der Küche, im Haushalt und auch zur Körperpflege sehr oft. Falls Sie das Thema Natron und seine umfassenden Einsatzmöglichkeiten interessiert, habe ich Ihnen drei Links bereitgestellt:

Wie nutze ich Natron zur Körperpflege?

  • 2 Esslöffel Natron plus ca. ½ bis 1 Liter warmes Wasser vermischen und als Shampoo verwenden. Ich schütte dabei das Natronwasser über meinen Kopf und reibe meine Haare damit ein, so als würde ich Shampoo im Haar verteilen (natürlich schäumt es nicht, dafür sind aber auch keine synthetischen Tenside drin) . Danach spüle ich ganz normal meine Haare aus und spüle sie anschließend mit ca. 1 Liter Wasser und ca. 2 Esslöffel Apfelessig nach. Die Apfelessig -Spülung bleibt im Haar und verleiht ihm einen schönen Glanz.  Wirklich einfach.
  • Ich nutze Natron als Gesichts- und Körperpeeling. Dazu nehme ich ca. 2 Esslöffel Natron in meine Hand und „schrubbe“ damit meinen bereits nassen Körper bzw. nasses Gesicht ab. Das mache ich nur alle 2 Wochen, denn Peelings sollen nicht zu häufig verwendet werden.
  • Einmal pro Woche putze ich zusätzlich meine Zähne mit Natron. Ich geben einfach ein wenig (ca. eine Messerspitze) von dem Pulver auf meine nasse Zahnbürste und putze mir damit die Zähne. Es reduziert  Zahnbeläge und auch Zahnverfärbungen lassen sich damit einfach beseitigen. Zudem neutralisiert es Säuren im Mund und schützt so vor Karies.
  • Manchmal gönne ich mir ein Natron-Bad (= Basenbad)  in der Badewanne oder ein Natron-Fußbad. Es entsäuert den Körper und ich fühle mich danach wie neu geboren. Einfach eine Tasse Natron ins Badewasser kippen und darin mindestens 20 Minuten verweilen. Übrigens: Natron-Fußbäder (ca. 3 Esslöffel) helfen auch bei Fußpilz, rissiger Hornhaut oder Käsefüßen!

2. Kokosöl
Kokosöl (=Kokosnussöl) ist ein leckeres Speiseöl, das viel in der veganen Küche anstelle von z.B. Butter verwendet wird. Kokosöl gehört, meine ich, in jeden Haushalt. Es ist überaus gesund und bietet viele Einsatzmöglichkeiten. Wer sich hier schlau lesen möchte, dem empfehle ich nachfolgende Links:

Wie nutze ich Kokosöl zur Körperpflege?

  • Ich nutze Kokosöl zur Hautpflege, also als Bodylotion. Generell creme ich mich wenig ein, aber wenn,  dann mit Kokosöl. Am liebsten direkt nach dem Duschen, wenn die Haut noch nass ist, dann lässt sich das Öl am besten und schnellsten verteilen. Auch als Lippenbalsam eignet es sich hervorragend.
  • Ich nutze Kokosöl zur Haarpflege. Ins noch nasse Haar verteile ich etwas Kokosöl in die Spitzen.
  • Ich nutze Kokosöl zur Zahnpflege. Einmal täglich ziehe ich Öl, das bedeutet, dass ich ca. einen Esslöffel Kokosöl im Mundraum für ca. 3- 5 Minuten hin und her bewege. Anschließend wird das Öl im Biomüll (nicht in den Abguss!) entsorgt. Es soll nicht herunter geschluckt werden, da die Bakterien aus dem Mundraum nicht in den Magen gelangen sollen. Anscheinend hat das Ölziehen auch generell einen entgiftenden und heilsamen Effekt auf dem Körper.

3. Kernseife
Kernseifen sind in der Regel Natriumsalze von Fettsäuren. Sie bilden die Grundlage für Zubereitungen, die oft Feinseifen genannt werden und mit pflegenden Zusätzen, Parfümen und Farbstoffen versetzt sind. Ich persönlich nutze nur die reine Kernseife, also diejenige, die frei von  Duft- und Farbstoffen ist. Die Einsatzmöglichkeiten von Kernseife sind sehr vielfältig. Man kann aus ihr Spülmittel, Flüssigseife, Duschgel, Waschpulver, Allzweckreiniger etc. herstellen und sich sogar damit die Zähne putzen. Wer sich mehr dafür interessiert, kann die Informationen auf nachfolgendem Link abrufen.https://www.smarticular.net/unterschaetztes-hausmittel-kernseife-9-erstaunliche-anwendungsbeispiele

Wie nutze ich Kernseife zur Körperpflege?

  • Ich nutze Kernseife zum Hände waschen.
  • Ich nutze Kernseife zum Baden und Duschen statt Duschgel.
    Ich betone noch einmal, dass ich meinen Körper nicht täglich von oben bis unten einseife, das wäre sehr schlecht für den natürlichen Wasser-Fett-Schutz-Mantel der Haut. Man ist ja durchs meist tägliche Duschen oder Waschen heutzutage auch nicht mehr wirklich schmutzig, höchstens etwas verschwitzt. Da ich fast täglich Sport treibe, dusche ich mich auch täglich, jedoch nur sehr kurz (max. 1 Minute) und wasche mich fast ausschließlich mit Wasser (eher lauwarm als heiß). Die Kernseife nutze ich nur sehr sparsam an den Stellen, wo es nötig ist. Besonders im Winter merke ich, dass zu langes und heißes Duschen meiner Haut schadet. Sie trocknet aus und fühlt sich rau an. Kinderhaut ist meistens noch empfindlicher. Hier gilt also „weniger ist mehr“. Wer sich täglich von oben bis unten einseift, muss sich irgendwann auch täglich eincremen und gerät somit in einen Teufelskreis von dringend benötigten Drogeriemarktprodukten.
  • Ich nutze Kernseife (seit gestern!) zum Zähne putzen. Ich probiere das jetzt einfach mal aus und lasse Sie evtl. in meinem nächsten Bericht wissen, wie es gelaufen ist. Bis dato kann ich nur sagen, dass es nicht so schlecht schmeckt wie man vermuten würde und sich der Mundraum angenehm erfrischt anfühlt.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern viel Spaß beim Ausprobieren und Experimentieren.
image001Ihre Sandra Ludwigh, Energie- und Klimaschutzbeauftragte im Kreis Steinburg
E-Mail: ludwigh@steinburg.de, Telefon: 04821 – 69 607