Kaufstopp – Eine Woche ohne Konsum

Heute Abend gibt es Grießbrei und „der Rest ist für die Gottlosen“

rmaass_2016Das war der Lieblingssatz meines Vaters „der Rest ist für die Gottlosen“. Aufgewachsen in einer Zeit des Mangels an Nahrung und Konsumgütern während der 30er und 40er Jahre des letzten Jahrhunderts, ließ er gerne einen Teil seines Getränks im Glas und einen Rest Essen auf dem Teller. Mit Kleidung, Schuhen und Rasierwasser war er dagegen äußerst sparsam. Auch das Auto wurde ab den 70er Jahren alle 2 Jahre recycelt, sprich, ein neues bestellt und das alte in Zahlung gegeben.

Zusätzlich bin ich wiederum mit dem Satz „Warte bis die schlechte Zeit wiederkommt, du musst mehr haushalten und nicht so viel wegwerfen“ aufgewachsen. Dementsprechend sehen meine Vorratsschränke jetzt aus, vollgestopft warten sie auf die „schlechte Zeit“.

Bestandsaufnahme Nr. 1Bestandsaufnahme Nr. 2

Abb. 1: Bestandsaufnahme Nr. 1 und Nr. 2

Da ich vor einiger Zeit schon einmal einen „all you can eat from the shelf“ Selbstversuch mit einem guten Freund aus Ungarn für über 2 Wochen unternommen hatte, fiel meine Entscheidung im KlimaBlog auf das Thema „Kaufstopp – eine Woche ohne Konsum“. Ich wollte und will mich mehr mit meinem Nahrungs- und Konsumverhalten beschäftigen. Und die Vorratsschränke leeren!

Also machte ich kurz vor Weihnachten eine Bestandsaufnahme und überlegte, was ich dringend noch anschaffen müsste, um die Woche durchzustehen. Zwei Sachen sind und waren unbedingt notwendig, Kaffee und Katzenfutter. Ach, und Katzenstreu auch noch, wegen des schlechten Wetters draußen, sonst gehen die vier ja gerne in´s Grüne für diese Erledigungen. Die Bestandsaufnahme ergab, dass ich locker vier bis sechs Wochen durchhalten könnte.

Wie immer bei solchen Gelegenheiten machte ich einen Plan:

  1. Tagesberichte erstellen
  2. Rezepte überlegen
  3. Inventur in der Wohnung vornehmen
  4. Wie sieht´s mit dem Recycling aus?
  5. Gehe ich nachhaltig vor?
  6. Verwende ich regionale Produkte?
  7. Was kann ich selbst anfertigen? Kann ich das überhaupt noch?
  8. Abfall vermeiden – geht das?
  9. Fahre ich denn noch mit dem Fahrrad? Wenn ja, wieviele km?
  10. In Notsituationen tausche ich mit Nachbarinnen und Nachbarn
  11. Das leidige Thema Kleidung – Schrank aufräumen
  12. Analyse des Bürozimmers – für wie viele Jahrhunderte reicht mein Stifte Vorrat eigentlich?

Planungsmäßig gestärkt sollte meine Testphase am 23.12.2017 beginnen.

Doch es kam alles anders als geplant. Am 22.12.2017 wachte ich mit Rückenschmerzen auf und bekam beim Aufstehen einen Hexenschuss. Bücken zum Schrank ging nun gar nicht mehr, konsumieren konnte ich aber auch nichts, weil ich die ersten 5 Tage so ziemlich bewegungsunfähig war. Also ging die eigentliche Testwoche (ehrlicherweise) nach Weihnachten am 28.12.2017 los und endete am 5. Januar 2018.

Tagesberichte (gekürzte Fassung)

28.12.2017

Nach Bestandsaufnahme Rezeptliste erstellt: Nudeln mit Apfel, Hefetaschen mit Tomaten+Rosmarin, Grießbrei mit Erdbeermarmelade, Rosmarinbratkartoffeln, Bohnen mit Gerste, Maispolentapfannkuchen möglich. Außerdem habe ich ca. 50 Gläser selbstgekochte Marmelade. Verhungern werde ich also nicht. Brot fehlt, das muss ich selbst backen oder von der Nachbarin ertauschen. Ein Woche keinen Konsum erscheint mir sehr einfach, ich vergrabe am besten die EC-Karte im Garten.

29.12.2017

Was mache ich, wenn Langweile auftaucht, weil ich nicht rausgehen will. Verführung,Essen aus dem Schrank Tag 2 Pfannkuchen was nettes, wie zum Beispiel Strümpfe oder ein paar Winterstiefel zu kaufen, ist doch groß. Zeitung Schrot&Korn 12/2017 durchgeblättert. Artikel über „Essen für die Tonne gefunden“. Der WWF hat ermittelt, das in Deutschland jedes Jahr 18 Mio t Lebensmittel weggeworfen werden, 570 kg jede Sekunde! Dabei versuche ich doch schon abgelaufene und halbabgelaufenen Lebensmittel zu kaufen…. Letztens, kurz vor Weihnachten gab es Bio-Eier, deren MHD über die Feiertage abgelaufen wäre. Also gibt es heute Maispolenta-Pfannkuchen.Aber mit den vielen Marmeladengläsern könnte ich eine Beste-Reste-Party veranstalten oder mich beim Foodsharing anmelden. Ja, das wär´s, dann habe ich auch mehr Platz im Schrank und kann im Sommer wieder neue Himbeermarmelade einkochen. (www.foodsharing.de) Das sieht ja richtig gut aus, auf der Homepage, gibt sogar einen Essenskorb in meiner Nähe!

30.12.2017

Das Jahresende naht und ich wollte doch eine Inventur in der Wohnung vornehmen. Werkzeug ist an verschiedenen Stellen vorhanden, die Wände hängen voller Bilder, überall liegt was rum. Wenn ich jetzt alles zählen wollte, wäre ich mehrere Wochen beschäftigt. Eine Freundin hat mal über mich gesagt, ich hätte einen „amorphen Charakter“. Das hilft mir jetzt aber auch nicht weiter. Ich wollte ja schon immer meine Wohnung und mein Leben „entrümpeln“ und hatte vor, mit der Nachbarschaft einen Bahnhofsflohmarkt zu veranstalten.

https://www.simplify.de/sachen/aufraeumen/artikel/entruempeln-wohnung-ausmisten-raeumt-die-seele-auf/

Gleich morgen ☺ fange ich mit den Planungen an. Die Homepage über das Entrümpeln räumt die Seele auf, gibt schon tolle Tipps dafür. Allerdings fange ich nicht dem Portemonnaie an, hier liegen schon genug Kassenzettel rum.

31.12.2017

Silvester, Jahresende! Und ich habe es geschafft, keine Knallbonbons oder Vesuve zu kaufen. Wo ist eigentlich die EC-Karte geblieben? Na, kann mich eh nicht bücken. Heute Abend bin ich bei der Nachbarin zum Film gucken und Sekt trinken. Nehme den Rest Glühwein mit, den ich noch von Anfang Dezember im Schrank habe.

01.01.2018

Neujahr. 2018 haben wir schon. Und die Katzen fangen an zu jaulen, weil ich ihr extra „Leckerlie“ rationiert habe, sonst kommen wir nicht bis zum 5ten Januar ohne Konsum hin. Und dann immer dieser Plastikabfall. Wenn die Tiere doch mal über ihr Abfallverhalten nachdenken würden!

02.01.2018

Was kann ich selbst anfertigen? Kann ich das überhaupt noch? Seit längerer Zeit schon brauche ich einen neuen Pullover, die alten sind entweder fusselig, unmodern oder lösen sich am Ärmel auf, wie mein blauer Lieblingstroyer. Nach dieser Woche werde ich Wolle organisieren und mir einen Pullover selbst stricken, das kann ich ja noch. Nur bis der fertig ist, ist April und es wird wärmer. Zum Hosen und Hemden nähen habe ich nicht so richtig Lust. Aber meine Mutter und Großmutter haben das früher viel gemacht. Das gab es auch noch nicht so viel zu kaufen. Ostern hatten meine Schwester, meine Cousine und ich dann immer dieselben Karogemusterten Faltenrockkleidchen. Uuh, wie schrecklich, nein, das möchte ich dann doch nicht. Schlechte Erinnerungen werden wach. Aber was könnte ich mit den vielen T-Shirts und Hemden in meinem Schrank tun? Finde im Internet einen Artikel über Kleider und Stoffberge in Bangladesch. Dort stellen sie Mode aus Müll her, Upcycling-T-Shirts werden die genannt. Sieht interessant aus.

https://www.kontinente.org/epaper/201801/dominikanerinnen/downloads/livebook.pdf

Wäre eine Möglichkeit, doch die Nähmaschine wieder hervorzuholen! Und aus meinen vielen T-Shirts etwas „Neues“ zu nähen.

Zitat: „Die tatsächlichen Kosten der Kleiderproduktion spiegeln sich nicht im Endpreis der Produkte wider. Würden die sozialen und ökologischen Folgen eingerechnet, gäbe es im Laden kein Billig-T-Shirt für fünf Euro zu kaufen. Den Preis für günstige Kleidung zahlen die Niedriglohnarbeiter und die Umwelt. Durch konsequentes Upcycling könnten bei der Produktion von Kleidern bis zu 80 Prozent Wasser und 85 Prozent CO2 gespart werden.“

Und ich will meine alte Kleidung einfach nur Wegwerfen? Wo bleibt da mein Wunsch für nachhaltiges Verhalten?

03.01.2018

Beim Aufräumen der Flurkomode einen Gutschein über drei Euro vom Freßnapf gefunden, werde gleich in den Ort runterfahren und für die Tiere dieses Extraleckerlie holen, das Gejaule halte ich nicht mehr aus. Vielleicht hätte ich doch das Thema „Ruiniert mein Haustier meine CO2-Bilanz“ nehmen sollen. Die vier machen sämtliche Bemühungen von mir mit regionalem Einkauf zunichte. Habe ja schon mehrfach versucht, sie vom Trockenfutter wegzubekommen, aber das Nassfutter frisst nur der schwarze Kater, die gestreiften wollen nicht. Die Plastikverpackungen vom Futter stören mich schon ziemlich. Zählt „Gutschein-einsetzen“ eigentlich zum Konsum? Ich könnte auch gleich Mehrweggläser wegbringen und von dem Pfandgeld etwas Obst kaufen. Frische Ware fehlt mir schon, Apfelsinen, Gurke, Tomaten und Salat sind schon seit vorgestern alle.

04.01.2018

Oh, nee, der Kaffee ist alle. Ich hatte es befürchtet. Nochmal aufbrühen des alten Kaffees ist nicht so schmackhaft. Was kann ich mit der Nachbarin tauschen? Marmelade hat sie selbst genug, es gibt noch Tomaten und Linsen in meinem Schrank, Salz habe ich auch noch jede Menge. Oder die restlichen Weihnachtskekse? Na, ich probier’s einfach mal.

Was die in Kiel können mit ihrer Tauschbörse, sollten wir hier doch auch hinbekommen, oder? https://tauschboerse.abki.de/

Kaffee ist leider alleWarnung - Teilen ja, aber nur geschwisterlich

05.01.2018

Letzter offizieller Tag. Ich gebe nochmal alles und koche Gerste mit Bohnen aus der Dose. Ist essbar. Zum Abend gibt es selbsthergestellten Saft aus Himbeeren von der Terrasse.

Essen aus dem Schrank_letzter TagSaft aus eigerner Herstellung 2017

Ende der Geschichte

Fazit: Frische Sachen (Obst + Gemüse) fehlten mir zum Schluss, Kaffeeproblematik, jaulende Katzen, weil es kein Extraleckerfutter mehr gab, nette + schöne Kontakte zu den Nachbarinnen, gehe ich vielleicht doch mal Containern? Meine Wohnung und der Keller sind eine Sammelschatztruhe…. Wärmflasche wieder gefunden, Kräutertee gegen Hexenschuss wirkt nicht; Massage ja. EC-Karte vergraben ist auch ´ne gute Idee. Wie viel CO2 ich durch meinen Nicht-Konsum ich jetzt eingespart habe, kann ich leider nicht sagen. Werde mir in Zukunft aber verschärft Gedanken über mein Konsumverhalten machen!

WappenDipl.-Ing. Regine Maaß

– Klimaschutz-/u. Energiemanagerin –

Gemeinde Timmendorfer Strand

Fachdienst Immobilien

Strandallee 42

23669 Timmendorfer Strand

Tel: 04503/807-128

Fax: 04503/807-211

r.maass@timmendorfer-strand.org

www.timmendorfer-strand.org

 

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