Lebensmittel möglichst unverpackt einkaufen und mehr selbst zubereiten – was passiert dann?

Wer sich schon mal nach dem Einkaufen die Mühe gemacht hat, alle Verpackungen zu entfernen und die Menge an Papier, Folien, Styropor und Plastik zu sichten, wird überrascht gewesen sein über die Berge an Verpackungsmüll, die dabei zusammenkommen. Laut einer Studie von Eurostat verursachte Deutschland im Jahr 2015 je EinwohnerIn 37,4 Kilogramm Plastikverpackungsabfall, immerhin rund 49 Prozent davon werden dem Recycling zugeführt. Aber mal ehrlich, die Abschaffung von Plastiktüten in der Obst- und Gemüseabteilung sowie an der Supermarktkasse allein kann das Problem kaum beheben, oder? Ein Grund mehr, dass wir selbst bewusster darauf zu achten, weniger Lebensmittel in Plastikverpackungen zu kaufen und verschiedenes ausprobieren. Darüber hinaus tauschen wir ein paar Ideen für die eigene Zubereitung von Lebensmitteln aus.

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Isa Reher (links) und Andrea Witt

Die Aufgabe: Lebensmittel möglichst unverpackt einkaufen

Möglichkeit 1: Der Bio-Supermarkt

In Lübeck gibt es eine Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaft, die fünf eigene Bio-Supermärkte namens „Landwege“ in Lübeck und Bad Schwartau betreibt. Das langjährig erfolgreiche Konzept setzt auf ein regionales Erzeugernetzwerk, welches von überregionalen Biomarktangeboten ergänzt ein umfangreiches Angebot für die Kundschaft bietet. Ich (Andrea) werde dort immer wieder auf andere saisonale Besonderheiten aufmerksam. Obst und Gemüse aber auch Produkte wie Fleisch, Käse oder Brot können in Papiertüten oder in selbst mitgebrachte Behältnisse und Beutel verpackt werden. Ein echter Vorteil gegenüber dem Verpackungswahnsinn, dem wir beispielsweise beim Einkauf im Discounter begegnen. Dort werden insbesondere Biolebensmittel in Folien und Plastik eingeschlagen, um sie vor Verunreinigungen zu schützen. Kurios, nicht wahr?

Möglichkeit 2: Die „grüne Kiste“

Ich (Isa) bekomme eine „grüne Kiste“ mit Lebensmitteln von einem Bauernhof in der Nähe. Ab und zu kommen noch andere Dinge aus dem Hofladen hinzu. Ich suche mir aus, was ich immer im Abo bekommen möchte und bestelle dazu, was gerade gebraucht wird. Dann steht alle zwei Wochen am Samstag die grüne Kiste vor der Tür. Meine Kiste ist selbst zusammengestellt, es gibt aber auch verschiedenste Gemüsekörbe mit wechselnden Gemüsen, Kräutern, Salaten und Obst. Gruene Kiste Gut Rothenhausen Isa-kleinUnser Hof, das Gut Rothenhausen, liefert nicht nur selbst Angebautes wie Obst, Gemüse und Getreide, sondern hat auch eine Hofbäckerei, eine eigene Milchverarbeitung und Käserei und Fleischverarbeitung mit Wurst von den eigenen Tieren. Da bekomme ich z.B. den Quark im Glas, das ausgewaschen wieder zurückgeht – und der schmeckt einfach wunderbar cremig. Es gibt sogar mehr als nur das eigene Hofangebot, z.B. Tomaten, Zitronen, etc. oder Waschmittel und Körperpflege

Bewertung: Guter Service, der mir den „Einkaufsalltag“ erleichtert:

  • ich kann von zuhause meine Lieferung zusammenstellen, egal wann,
  • ich erspare ich mir einige Einkaufswege,
  • ich bekomme kaum Verpackungen, sondern alles lose oder in Papier wie Brot und Eier,
  • frischer geht es nur noch aus dem eigenen Garten und
  • ich bekomme regionale und vor allem saisonale Produkte direkt nach Hause geliefert.

Alles sehr gut!

Meine Empfehlung: Es lohnt sich, Lieferservice aus der Region auszusuchen und zu testen. Die meisten Höfe kann man auch besuchen und sich ein Bild vor Ort machen. Ich habe von verschiedenen Höfen Lieferkisten bekommen und mich dann für einen Demeterhof mit seiner Kreislaufwirtschaft und großen Vielfalt entschieden.

Und noch ein Tipp: Auch mit wenig Geld kann man sich mit Biolebensmitteln ernähren, es lohnt sich mit Grundnahrungsmitteln wie Brot, Reis, Nudeln, Kartoffeln anzufangen: Die Foodjournalistin Rosa Wolff unternimmt in „Arm aber Bio“ das Experiment, sich einen Monat lang zum Hartz-IV-Tagessatz von Bio-Lebensmitteln zu ernähren.

Möglichkeit 3: Der Unverpackt-Laden

In Lübeck gibt es seit einiger Zeit einen „Unverpackt-Laden“ () , in dem man alles lose in eigenen Behältern kaufen kann und nur so viel, wie man gerade braucht. Unser Kollege Manuel berichtete bereits davon.Unverpackt Luebeck-klein

Seit ich (Isa) da einkaufe, habe ich die Kaffeedose gleich mit in der Tasche und fülle direkt darein ab. Es gibt Süßes und Salziges, Getreide, Hülsenfrüchte und Nüsse, Gewürze und Öle, Kaffee und Tee, Körperpflege und Waschmittel und noch vieles mehr. Und weil es so viel zu probieren gibt, habe ich jetzt auch immer Extragläser mit, für ungeplante Naschereien. Wer kennt geröstete Erbsen und Bohnen?

Bewertung: Es bringt Spaß, im Unverpackt einzukaufen. Keine Einwegverpackungen und genau die Mengen, die ich gerade brauche, sind ein absoluter Pluspunkt. Es gibt auch Einiges frisch aus der Region. Spannend bleibt die Sortimentsausweitung. Es wäre schön, wenn das Konzept dazu führen würde, dass mehr und an mehr Orten ohne Einwegverpackungen verkauft wird.

Tara-wiegen-klein-IMG_20171219_183522Einfuellen-klein-IMG_20171219_183606Brutto-Wiegen-klein-IMG_20171219_183640

Wie lange gibt es die Idee / Diskussion wohl schon? Mit einer lieben Kollegin hatte ich (als Unternehmensberaterin) einen Auftrag für eine Designstudie zu den Möglichkeiten ohne Einwegverpackungen zu verkaufen. Wir haben festgestellt, das geht und auch wie. Wann? 1992 …

Was geht noch? Selbermachen statt Fertiges kaufen

Tipp 1: Ingwer-Hummus

Immer wenn ich (Isa) zu einem veganen Potluck oder zum Buffet eingeladen bin, bringe ich gern Hummus mit – aber gleich vier Einwegpackungen kaufen? Also hab ich mich ans Selbermachen gewagt – für Ingwer-Hummus, den ich am liebsten mag.

Dafür Kichererbsen (lose im Unverpacktladen) und Tahin (Sesammus) kaufen; Zitrone, Knoblauch, Kreuzkümmel, Ingwer, Salz, Pfeffer und Paprika sind sowieso da.Hummus-klein-IMG_20180114_171316

Das Rezept ist einfach und ich füge nur Ingwer dazu (1 Portion):

50gr Kichererbsen über Nacht einweichen und 1-2 Stunden köchelnd garen, bis sie weich sind … mit 200gr Tahin, Saft einer ½ Zitrone, 1 Zehe Knoblauch (nach Belieben), viel Kreuzkümmel, Salz und Pfeffer und dazu 1 Stück Ingwer kleingeschnitten cremig pürieren. Dabei nach Bedarf etwas Olivenöl und Wasser zufügen. Bei mir geht das im Mixer. Angerichtet wird er am schönsten mit Paprika bestreut und etwas Petersilie.

Tipp 2: BROT selber Backen

Ich (Andrea) liebe Brot, am liebsten mag ich Vollkornbrot. Manchmal viel zu schnell ist so ein ganzes Brot aufgegessen. Also habe ich mich daran gemacht selber Brot zu backen. Zunächst ein Versuch mit Hefe, doch das Ergebnis hat mich – im Vergleich zu einem Brot aus der Bäckerei – nur mäßig begeistert. Also wagte ich mich an ein Sauerteigbrot. Brotbacken-1Zunächst braucht man hierfür die Kulturen, die dem Brot seine Brotbacke-2Lockerheit verleihen. Eine gute Freundin kam mir hier zu Hilfe und gab mit etwas von ihrem „Ansatz“ ab, man kann ihn aber auch käuflich erwerben. Je nach Geschmack wählt man ein Vollkornmehl (z.B. Roggen, Dinkel oder Weizen) aus und fügt außerdem reichlich Wasser hinzu, nach dem verrühren muss der Teig ein paar Stunden an einem warmen Ort ruhen. Je mehr Zeit er bekommt, desto besser. Anschließend kann man weitere Zutaten, wie Leinsamen, Sonnenblumenkerne oder Nüsse unterrühren. Außerdem kommt eine Prise Salz und je nach Geschmack Brotgewürz mit Fenchel, Anis und Kümmel hinzu. Anschließend eine Kastenform mit Backpapier auskleiden, den Teig einfüllen und dann bei 175 Grad ca. 75 Minuten backen. Hmmm, das duftet und schmeckt!

Tipp 3: Obst lagern und haltbar machen

In unserem Garten (Isa) stehen sehr viele Obstbäume und ich lagere z.B. meine Äpfel so, dass ich das ganze Jahr etwas davon habe – vom Augustapfel im Juli über James Grieve bis November, Holsteiner Cox und Weihnachtsapfel bis ins neue Jahr und Boikens bis Juli. Der Lohn sind auch wunderbare Bratäpfel im Winter und getrocknete Marmelade-klein-IMG_20180114_223315~2Apfelscheiben zwischendurch. Aus Birnen wird leckeres Birnenmus. Die Quitten wandern auch ins Glas als Mus oder werden zu Quittenbrot. Mit Hollerblütengelee kann man im Winter den Sommer riechen und schmecken. Wer selbst keinen Garten hat, kann in Kleingärten im Herbst nachfragen, da gibt es immer wieder das Angebot, selbst zu ernten, wenn die Besitzer das nicht schaffen.

Wie war der Test und was hält sich im Alltag?

Es macht Spaß, etwas Neues zu probieren und so eine Testwoche ist eine gute Gelegenheit, sich mal bewusst den eigenen Alltag anzusehen.

Unser Fazit: Lebensmittel unverpackt einkaufen ist möglich, Selbermachen bringt Spaß und frisch schmeckt besser! Und deshalb dürfen sich in unserem Alltag ab jetzt gern breitmachen: Schnelle Salate und selbstgemachte Smoothies mit Obst und Grünzeug.

Unbedingt ansehen: https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama3/Gedanken-einer-Plastikmuell-Vermeiderin,plastik176.html

Isa Reher – Klimaschutzmanagerin beim Kreis Stormarn und freie Moderatorin

i.reher@kreis-stormarn.de www.kreis-stormarn.de/go/klimaschutz

Andrea Witt – Klimaschutzmanagerin bei der Hansestadt Lübeck

andrea.witt@luebeck.de http://unv.luebeck.de/klimaschutz/index.html

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Mehr als nur schöne Verpackung – plastikfrei Einkaufen

schröder_solveigDie Weihnachtsfeiertage und Silvester sind vorbei. Eigentlich habe ich gefühlt genug gegessen um die nächsten Tage nicht einkaufen zu gehen. Mein Vorsatz für diese Woche ist, möglichst plastikfrei einzukaufen. Zuerst wollte ich meine Woche komplett plastikfrei gestalten. Doch das ist fast unmöglich im Alltag und noch dazu so kurzfristig… Ich könnte streng genommen nicht mal Bus oder Bahn fahren (dort ist überall Plastik verbaut), könnte nicht arbeiten (da ich keine Holztastaur und -maus, geschweige denn einen Holzcomputer habe), viele meiner Klamotten (Synthetikfasern) nicht tragen, kein Geld von der Bank (Bankkarte ist auch aus Plastik) abheben, usw.

Also doch „nur“ plastikfreier Konsum. Aber was hat Plastik – oder besser gesagt Kunststoff – eigentlich mit dem Klima zu tun? Zum einen sind viele Kunststoffe erdölbasiert, deren Herstellungsprozess verbraucht einiges an Energie und stößt CO2 aus. Noch dazu haben wir es mit einer Verpackungsschlacht zu tun. Was ich damit meine? Zum Beispiel die unnötigen Verpackungen von Lebensmitteln die sowieso eine schützende Schale haben. Mein Lieblingsbeispiel: eingepackte Bananen 😉

Zurück zu meinem Experiment. Trotz des noch gefühlt vollen Weihnachtsbauches geht es also los zum ersten plastikfreien Einkauf – natürlich ausgerüstet mit Rucksack und Jutebeutel damit ich ja keine Plastiktüte benötige. Erster Halt: Gemüseabteilung. Auf den ersten Blick sieht es hier ganz gut aus. Wenig Plastik. Doch in der Bio-Abteilung stehe ich plötzlich vor einem kleinen Plastikparadies…warum gerade Biogurken meistens in einer Plastikhülle stecken müssen ist immer wieder fraglich. Also muss ich wohl einen Kompromiss schließen und auch unverpacktes konventionelles Gemüse nehmen.

Plastiksalat im Biomarkt

Plastiksalat im Biomarkt

Zweiter Stop: das Kühlregal. In meinem Supermarkt gibt es leider keine Milch in Glasflaschen. Nur Tetrapacks die von innen wahrscheinlich auch mit Plastikfolie überzogen sind. Gut, dass ich noch welche im Kühlschrank habe. Dafür kann ich Joghurt im Pfandglas mitnehmen.

Als Nächstes: Käse? Fehlanzeige. Alles verpackt. Selbst über der Theke wird der Käse immer schön eingepackt. Da hilft nur die eigene Dose mitbringen, in die der Käse gefüllt werden kann. Die habe ich aber leider zuhause vergessen. Also gibt es keinen Käse.Gemüsekiste - fast Verpackungsfrei

Das Meiste, was sonst im Supermarkt noch steht kommt mir plötzlich vor wie die angesprochene Plastikschlacht. Wenn man mal mit offenen Augen durch die Supermarktregale wandert findet man sich in einer bunten, oft plastikverpackten Welt wieder. Zum Glück ist der Wein in Glasflaschen abgefüllt, so dass ich eine Flasche für einen gemütlichen plastikfreien Abend mitnehmen kann. Auch Gemüsekisten sind eine Option, denn die kommen fast ohne Verpackungen aus.

Doch zuhause fällt mir mit Schrecken auf dass meine letzte Rolle Toilettenpapier angebrochen ist. In den folgenden Tagen durchsuche ich etliche Biosupermärkte nach Toilettenpapier, das ohne Plastikverpackung auskommt – ohne Erfolg. Eine Freundin schickt mir einen Link zu CradleToCradle-zertifiziertem Papier ohne Verpackung, das ich mir online bestellen könnte. Aber das führt das Ganze dann ad absurdum denke ich und kaufe am Ende doch eine ganz normale Packung.

Mein Fazit: es benötigt ein bisschen mehr Zeit und Vorbereitung um wirklich plastikfrei einkaufen zu gehen. Aber es ist spannend mal bewusster durch den Supermarkt zu schlendern und sich zu fragen, ob wir wirklich alles in Plastik verpacken müssen. Und wer Lust auf „mehr“ Plastik bekommen hat, kann sich einen Film über unser Plastikzeitalter angucken: Plastic Planet von Werner Boote https://www.bpb.de/mediathek/187448/plastic-planet

Solveig Schröder, Klimaschutzmanagerin Bergedorf

Ran an die Buletten – Gibt es klimafreundlichen Fleischkonsum?

Maren Jõhne Amt Bordesholm.jpgDie Produktion von 1 kg konventionellem Rindfleisch verursacht den Ausstoß von rund 13 kg CO2-Äquivalenten. Die Verdauungsvorgänge der Wiederkäuer setzen Methan frei, bei dem Einsatz von synthetischen Düngemitteln wird in den Böden gebundenes Lachgas freigesetzt. Der Betrieb von landwirtschaftlichen Maschinen, Landumwandlung und Transport verursachen die Emission großer Mengen CO2. Allein in Brasilien werden für den Sojaanbau jährlich 2,5 Millionen ha Regenwald gerodet. Soja, welches auch in den Futtertrögen deutscher Mastbetriebe landet, denn es ist billig und äußerst eiweißreich. Die Erzeugung tierischer Lebensmittel ist somit laut FAO*1 für 14,5 % der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Der einzige Ausweg: Eine drastische Reduktion des Fleischkonsums.

Mõhdrescher

HALT!!! STOP !!! ABER ICH LIEBE FLEISCH!

Fleisch ist meine Leidenschaft. Schon immer. Fleisch bedeutet für mich Genuss und Handwerk. Ob Buletten oder Blutwurst, die Produktion und Zubereitung von Fleisch- und Milchprodukten fasziniert mich und ist Teil von mir.

Dabei habe ich Fleisch nie ohne Reue gegessen. Irgendwann in meinen Teenie-Jahren machte die industrielle Tierhaltung meinem Gewissen zu schaffen. Ungefähr zehn Jahre später sind es Klimawandel, Raubbau und Biodiversitätsverlust, die mich meinen Fleischkonsum hinterfragen lassen. Damals wie heute musste ich mir etwas einfallen lassen, denn Soja-Schnitzel sind für mich keine Alternative.

Damals entschied ich mich für eine zwar konventionelle, aber sehr regionale wirtschaftende Hofschlachterei in der Nähe meines Elternhauses. Ich analysierte die Haltungsbedingungen der Tiere und schaute bei einer Schlachtung zu. Heute weiß ich, dass auch jene Schweine mit Soja und Getreide aus Übersee gefüttert wurden. Dass der Transport von Gülle und Futter entartete Dimensionen angenommen hat, dass selbst die Klimabilanz von ökologisch erzeugtem Fleisch kaum besser ist.

Also habe ich mich auf die Suche gemacht nach klimafreundlichen Alternativen – und bin auch fündig geworden: Robustrinder, die auf Naturschutzflächen grasen. Die Galloways, Heck- und Highlandrinder werden unter anderem als Landschaftspfleger auf den wilden Weiden der Stiftung Naturschutz eingesetzt. Dort dämmen sie das Wachstum von Gehölzen ein, halten die Flächen offen und schaffen neue Lebensräume für gefährdete Pflanzen und Tiere. Und ganz nebenbei produzieren sie hochwertiges Fleisch in Bio-Qualität.

Highlandrind

Und auch die Vorteile für die Klimabilanz liegen auf der Hand: Die Tiere erhalten kein energieintensives Kraftfutter, sondern fressen ausschließlich das, was die Naturschutzflächen an Gräsern, Kräutern, Ästen und Blättern bereitstellen. Was davon übrig bleibt, muss nicht in Güllebehältern gelagert und wieder auf die Felder ausgebracht werden, sondern gelangt umgehend zurück in den Stoffkreislauf. Darüber hinaus gibt es Studien, die zeigen, dass eine Beweidung die Kohlenstofffixierung im Boden begünstigt*2. Vermarktet wird das Fleisch über lokale Initiativen wie der Bunde Wischen eG*3 bei Schleswig oder dem Weidelandschaften e.V.*4 in Neumünster. Die Produkte können in Hofläden, auf Wochenmärkten und in ausgesuchten Supermärkten bezogen werden. Kurze Transportwege vor und nach der Schlachtung sind somit ein weiterer Pluspunkt fürs Klima.

Weil mir das alles immer noch nicht gut genug war, habe ich 2017 meinen Jagdschein gemacht. Mir gefällt der Gedanke, mich von dem zu ernähren, was die Natur ohne Bewirtschaftung durch den Menschen hergibt. Rehe, Hasen und Wildschweine sind Teil eines geschlossenen Kreislaufs. Fallwild*5 dient Aasfressern als Nahrung und wird danach, genauso wie die Losung des Wilds von Bodenorganismen und anderen Destruenten zersetzt. Wird die Population größer als es das Ökosystem verträgt, greift der Jäger ein und entnimmt einzelne Tiere, um so den Bestand zu regulieren. Durch die viele Zeit, die man vor dem Schuss mit der Beobachtung des Wilds verbringt, baut man eine sehr persönliche, fast innige Beziehung zu dem Tier auf, man entwickelt Wertschätzung und Dankbarkeit. Für mich ist das der genau richtige Weg, um ohne Reue Fleisch essen zu können.

Jagd

Natürlich ist das ein sehr romantisches Bild von der Jagd. In Wahrheit ist Wild schon lange nicht mehr wild, sein Lebensraum eine vom Menschen überformte Agrarlandschaft. Das Wild fühlt sich bei uns so pudelwohl, dass es längst nicht mehr ausreicht, kranke, schwache und alte Tiere zu entnehmen, um die Bestände in Schach zu halten. Betrachtet man jedoch die Klimabilanz von Wild, scheint auf den ersten Blick alles perfekt. Es müssen keine Flächen gerodet und kein Kraftfutter angebaut werden. Es fallen nur so viele Abfallprodukte an, wie das Ökosystem wieder aufnehmen kann. Die Vermarktung erfolgt regional und direkt. Wild ist keine industrielle Massenware, sondern Handarbeit.

Gibt es ihn also doch, den klimafreundlichen Fleischkonsum, die Alternative zum Verzicht? Nicht ganz, fürchte ich. Mindestens zwei Haken hat die ganze Geschichte.

Robustrinder und Wild, das bedeutet vor allem eines: Platz. Was für mich und die paar Jäger in Schleswig-Holstein funktionieren mag, wird brüchig, schaut man über den Tellerrand hinaus. Weltweit wurden 2017 ca. 320 Millionen Tonnen Fleisch produziert. Da muss man nicht lange nachrechnen um zu realisieren, dass extensive Weidelandschaften die globale Nachfrage nach Fleisch nicht decken können.

Und auch mein eigener kleiner Kosmos, in dem ich mich mit meinen Handlungsmaximen und Moralvorstellungen so nett eingenistet habe, bröckelt an einigen Stellen. So verbraucht meine Tiefkühltruhe zur Lagerung der Hirschkeulen und Galloway-Hälften laut Hersteller 275 kWh pro Jahr. Das entspricht beim aktuellen Strommix in Deutschland knapp 150 kg CO2. Dafür könnte ich 13 kg regional produziertes Bio-Rindfleisch kaufen. Oder 50 (!!!) kg Bio-Schweinefleisch. Fünfzig Kilogramm! Grob geschätzt ist das wohl mehr als mein Jahreskonsum.

Nicht zuletzt fahre ich auch noch mit dem Auto ins Revier, da mir die Kombination aus Bockbüchsflinte und Fahrrad irgendwie nicht so ganz gesetzeskonform scheint. Ich will gar nicht wissen, wie viele zusätzliche Emissionen das verursacht. Mein so aufwendig konstruiertes reines Gewissen nimmt auch ohne konkrete Zahlen ganz schönen Schaden.

Puh und nun? Doch auf rein pflanzliche Ernährung umstellen? Fast scheint es mir, als würden die Klimaberichte und Ernährungsreports mit ihren Empfehlungen recht behalten. So richtig anfreunden kann ich mich mit dem Gedanken noch nicht, aber vielleicht schaffe ich das als guten Vorsatz für 2019.

Maren Jähne, Klimaschutzmanagerin Amt Bordesholm
E-Mail: maren.jaehne@bordesholm.de

*1: Gerber, P.J., Steinfeld, H., Henderson, B., Mottet, A., Opio, C., Dijkman, J., Falcucci, A. & Tempio, G. 2013. Tackling climate change through livestock – A global assessment of emissions and mitigation opportunities. Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO), Rome.
*2: DeVore, Brian 2016: Carbon, Cattle and Conservation Grazing. Land Stewardship Project. (http://landstewardshipproject.org/posts/838, 11.12.2017)
*3: http://www.bundewischen.de
*4: http://www.weidelandschaften.de
*5: so nennt der Jäger Wild, dass durch einen natürlichen Tod gestorben ist

Bildung für nachhaltige Entwicklung – ein Besuch in der Greenpeace Ausstellung in der Hamburger Hafen City

Hagemeier_KloseMit Kindern schon früh über Nachhaltigkeitsthemen zu sprechen ist Bewusstseinsbildung für die Entscheider von morgen. Mir ist es wichtig, Wissen hierzu weiterzugeben und anschaulich an Kinder (auch meine) zu vermitteln.

Die Hamburger Hafen City selbst ist mit ihren Prinzipien der Nachhaltigkeit und der Vorsorge vor Hochwasser, das durch den Klimawandel an Intensität und Häufigkeit zunimmt, an sich schon ein schönes Beispiel, auch für Kinder. Daher haben wir uns für einen Ausflug dorthin mit Besuch der Greenpeace Ausstellung als unser erstes Testobjekt zu Bildungsangeboten für nachhaltige Entwicklung für Kinder entschieden.

Die Doppeletagen der Brücken zum Beispiel oder die Maßnahmen an den Häusern sind interessant mit der Elbe und dem Thema Hochwasser zu verknüpfen. Und das wiederum bietet den Bogen zum Klimaschutz als wichtiges Thema für jeden.

Mitten in der Hafen City ist außerdem das Greenpeace Gebäude mit einer Ausstellung sowie weiteren Angeboten für Kinder und Schulklassen.

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Greenpeace-Gebäude mit Ausstellung in der Hafen City

Von außen sieht man bereits die vertikalen Windräder auf dem Dach, jedoch haben wir uns gefragt, warum sie denn still stehen… Drinnen wurden wir freundlich am Empfang begrüßt und während die Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter bereits die Ausstellungstücke testeten, führte ich ein nettes und interessantes Gespräch, in dem ich u.a. auch erfuhr, dass das Gebäude auch noch über Photovoltaik verfügt und über Erdwärme beheizt oder gekühlt wird. Die Windräder jedoch können derzeit leider nicht betrieben werden, da die Firma pleite gegangen ist und das Gebäude von Greenpeace auch nur gemietet ist. Jedoch soll sich dies irgendwann wieder ändern. An einer Tafel mit Gebäudemodell konnten sich auch die Kinder die effiziente und regenerative Energieversorgung des Gebäudes anschauen.

DSC_0437Es gibt verschiedene Themen in unterschiedlichen Bereichen der Ausstellung, u.a. Wald- und Klimaschutz, Energiewende, Ernährung, Artenschutz, Textilien und Plastik, Abfall sowie natürlich die Arbeit von Greenpeace. Der große Müllstrudel, der von der Decke hängt, zeigte den Kindern eindrucksvoll, warum es so wichtig ist, Abfall zu vermeiden und zu recyceln. Die Mitmachstationen beim Waldschutz waren auch besonders kindgerecht ebenso wie das kleine Spiel „Finde die Energiefresser im Haushalt“. Toll für Kinder ist natürlich auch das echte Schlauchboot sowie die Brücke der MS Beluga, die die Arbeit von Greenpeace für den Schutz der Meere repräsentieren.
Vervollständigt wird das Angebot mit kleinen Flyern, Postkarten und weiterem Infomaterial sowie z.B. einem regelmäßig erscheinendem Kindermagazin.

Unser Fazit: Ein gelungener Ausflug zur Bildung für nachhaltige Entwicklung mit einer guten Mischung aus Spaß, Neugier wecken und zum Nachdenken anregen. Außerdem ein Anlass, mit Kindern gemeinsam Themen des Klimawandels und des Klimaschutzes zu erarbeiten und mit diesen über das zu reden, was jeder, auch sie selbst, zum Klimaschutz beitragen kann.

https://www.greenpeace.de/ausstellung
http://www.hafencity.com/de/konzepte/warften-statt-deiche-hochwasserschutz-in-der-hafencity.html

Farbe2Logo-transparenter-HintergrundDr. Maria Hagemeier-Klose, Klimaschutzmanagerin der Gemeinde Büchen
Maria.Klose@gemeinde-buechen.de

 

Klimataria – wieviel CO2 brauche ich für eine Woche Essen

OLYMPUS DIGITAL CAMERAManuel van der Poel,
Klimaschutzmanager der Gemeinde Stockelsdorf

Mein Versuch:

Tag 1:
Wie viel CO2 Ausstoß verursache ich eigentlich mit meinem Essen? Da bin ich doch der richtige Kandidat. Ich esse Fleisch, nasche gerne und alles nicht zu wenig. Da sollte doch ein vernünftiger Wert bei herauskommen. Gut, nach Weihnachten wird es natürlich traditionell weniger mit dem Essen, aber auf in den ersten Tag: Ich habe mir extra ein kleines Büchlein rausgesucht. Eins von diesen Werbegeschenken, die ganz hinten in der Schublade unter dem Schreibtisch verstauben.

Verflixt es ist Abend und ich habe nichts aufgeschrieben. Was habe ich denn nochmal alles gegessen? Also fangen wir morgen an… So geht es ja gerne mal los mit den guten Vorsätzen fürs neue Jahr.

Klappe die zweite: erster Tag.
Nun habe ich alles aufgeschrieben, was ich gegessen habe. Bei vielem sogar das Gewicht. Aber wie komme ich nun zu meinen CO2-Äquivalenten?
Auf jeder Verpackung stehen inzwischen  ja die Nährwertangaben und Kalorien. Aber woher bekommt man die Emissionen, die bei der Produktion entstanden sind?
Fragen wir Tante Google die weiß doch meist Rat.

Tag 2:
Tag 2Heute war ich zum Mittagstisch beim italienischen Restaurant. Ich habe Mineralwasser bestellt und Pellegrino bekommen… Das wird auf der anderen Seite der Alpen abgefüllt in kleine 0,2 l Flaschen. Wie ist denn da der CO2 Fußabdruck im Vergleich zu dem Wasser aus dem Wasserhahn, in das ich selber das CO2 einsprudele (das dann über einen kleinen Umweg ja auch in die Atmosphäre entweicht) oder das in Norddeutschland abgefüllte Wasser in der 1 l Flasche?  Das habe ich nun davon. Ich bin wieder ein kleines Stück aufmerksamer geworden, was so um mich herum passiert.

Meine Recherche war übrigens interessant, aber noch nicht zufriedenstellend. Ergebnis: es ist nicht so einfach für ein einzelnes Lebensmittel den Wert aus irgendeinem Programm/Datenbank/Internetseite zu bekommen. Und wenn, dann bekommt man einen Durchschnittswert, der dann eben nicht so Probleme – wie meinen Wassergedanken oben – abdecken kann. Beispiel ist: https://www.klimatarier.com/de/CO2_Rechner

Zitat von deren Homepage: „Bei Obst und Gemüse haben z.B. die Herkunft und die Saison einen entscheidenden Einfluss auf die CO2-Bilanz.“

Aber mal eine Zahl: (von den Berliner Wasserbetrieben – also sicher nicht ganz unvoreingenommen: CO2 Fußabdruck Leitungswasser 0,3604 g CO2/l Mineralwasser aus Flaschen 211,35 g CO2/l http://www.klassewasser.de/content/language1/html/2269.php)

Meine Herausforderung: ich sprudel jetzt noch CO2 in mein Leitungswasser ein (das ja auch produziert, abgefüllt und transportiert wird), dazu habe ich also auch Reinigung der Flaschen (Produktion der Flaschen und Recycling). Wirft die Frage auf, ob ich mich auch an Wasser ohne Kohlensäure gewöhnen kann?
Abends hat mich dann der Naschhunger gepackt (kein Wunder nach so anstrengenden Gedanken). Erst wollte ich ja verzichten, weil ich keine Ahnung habe, wie ich bei selbstgebackenen und geschenkten Plätzchen herausfinde, was da so an Emissionen dranhängt. Aber ich will ja eine normale Woche verleben. Also nicht mogeln und her mit den Leckereien…

Tag 3:
Nun mache ich mein Frühstück. Ein etwas ungewöhnliches Essen. Quasi Haferflocken mit einem Smoothie aufgegossen und über Nacht einweichen lassen. Morgens dann nur Warm werden lassen und schon habe ich ein fruchtiges Frühstück. Das ganze habe ich dann etwas verfeinert mit mehr Zutaten. Also alles Wiegen und aufschreiben. Dabei kommt mir ein Gedanke: Fast alle von meinen Zutaten gehen zur Neige und nun weiß ich, wie viel ich von jedem brauche. Also morgen besuche ich mal den Unverpackt Laden und kaufe Nachschub. Mal sehen, ob mich das teurer kommt, als wenn ich das einzeln und abgepackt im Supermarkt kaufe.

Zurück zu meiner Recherche: Es gibt sogar Studien, die die Ergebnisse von unterschiedlichen Berechnungen vergleichen http://literatur.thuenen.de/digbib_extern/bitv/dn046465.pdf

Hier werden zum Beispiel Werte für deutsche Milch verglichen: zwischen 0,8 und 1,4 kg CO2 Emissionen pro kg Milch. Ganz schöner Unterschied. Aber die erklären auch, dass je nach Berechnung einfach mehr oder weniger Schritte mit aufgenommen werden in die Berechnung. Also kann man ja nur die Produktion nehmen für die Berechnung. Andere berechnen auch die Produktion des Tetrapacks mit ein. Und dann die Entsorgung des Mülls am Ende – Teile der ganzen Tetrapacks landen im Gelben Sack, andere im Restmüll und manche Menschen werfen die sogar in den Papierabfall. Wie soll man das berücksichtigen? Nebenbei: Wenn ich in Norddeutschland Alpenmilch trinke, dann hat die sicher einen anderen CO2-Fußabdruck als die aus Husum…

Tag 4:
Im Unverpacktladen habe ich all meine Flocken und Körner bekommen. Nur halt direkt in meine Schüssel eingefüllt und abgewogen anstatt einzeln in Plastik verpackt. Eigentlich perfekt. Und der Preis liegt etwa gleich wie der Preis im Supermarkt. Ich habe gleich die Mischung für 2 Wochen gekauft: 8 Euro. Bei 10 Arbeitstagen macht das nicht mal einen Euro für mein Frühstück pro Tag. Nebenbei sind alle Zutaten auch noch Bio.
https://www.unverpackt-luebeck.de/

Und wie steht es mit meiner Recherche? Ich bin drauf und dran aufzugeben. Ich glaube nicht mehr, dass ich es schaffe den CO2-Fußabdruck meines Essens zu berechnen. Aber ich will zumindest festhalten, wie mein Essen aussieht und dann kann ich in einem Jahr das Ganze wiederholen und vielleicht finde ich bis dahin ein Tool, mit dem es klappt. Dann kann ich immer noch den Vergleich machen. Oder habt ihr einen Tipp für mich?

Tag 5:
Nachdem ich nun festgestellt habe, dass ich euch keinen Wert pro Tag liefern kann (den wollte ich am Ende unter jeden Tageseintrag drunter schreiben), will ich euch zumindest noch erzählen, wie mein Essen überhaupt so aussieht und ganz unten gibt es dann die Wochenliste mit allem, was ich so verspeist habe. Also mein Mittagessen dieser Woche: Ich war einmal beim Italiener Essen. 2 Tage habe ich Mittagessen vom Wochenende gehabt, das ich mir warm gemacht habe. Das Mittagessen ist ja schon eine Herausforderung, wenn man an der eigenen Arbeitsstelle keine Kantine oder ähnliches hat. Wir haben Supermärkte und Restaurants mit Mittagstisch nahe beim Rathaus. Also gibt es bei mir das Essen vom Wochenende und dann Mittagstisch in unterschiedlichen Restaurants.

Tag 6:
Wie sieht mein Abendessen aus? Brot mit Aufschnitt und manchmal noch einen Salat dazu. Oder Rohkost… Da kommen dann auch mal die importierten Tomaten auf den Tisch und Salat wächst im Januar auch in Deutschland schlecht. Also nicht die beste CO2 Bilanz allein wegen des längeren Transportweges. Der Transportwegevergleich ist übrigens total spannend. Ich habe neulich einen Vortrag von der Verbraucherzentrale gehört. Die haben mal am Beispiel „Erdbeeren und Herkunft“ den Kraftstoffverbrauch beim Transport verglichen.

Tag 5

Auf dem Foto sieht man gut den Unterschied zwischen Südafrika (roter Kanister) und Deutschland (kleine Flasche links von den Erdbeeren).
Also gibt es einen neuen Vorsatz für dieses Jahr: Mal in den Saisonkalender schauen und beim Einkauf dann nicht nur Produkte vom anderen Ende der Welt nehmen.
https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/gesund-ernaehren/klimaschutz-beim-essen-und-einkaufen-10442

Tag 7:
Am Wochenende gibt es bei uns auch „normales“ Frühstück – Brot mit Marmelade und auch Nutella steht bei uns auf dem Tisch. Allerdings ist die Marmelade selbst gemacht mit Früchten aus dem eigenen Garten. Da habe ich ein gutes Gewissen bei. Aber wir machen das, weil es einfach viel besser schmeckt als gekaufte.

Fazit:
Auch wenn ich es nicht geschafft habe, meine Mahlzeiten in CO2-Ausstoß umzurechnen, so habe ich in dieser Woche eine große Entdeckung für mich persönlich gemacht: ab sofort werde ich alle 2 Wochen einmal den Unverpacktladen besuchen und die Zutaten für mein Frühstück einkaufen. Und sicher entdecke ich noch das ein oder andere, was ich dann auch dort kaufen kann. So ganz ohne 3 Lagen Plastik drum herum einfach in meine Tupperschüssel oder ein altes Einmachglas.

Mir kam noch die Idee, vielleicht dazu noch eine Biokiste aus der Region (dann habe ich quasi gleich den Saisonkalender auf dem Tisch) zu bestellen. So kann ich mich dann auch von neuen Rezepten Überaschen lassen.

Aber damit soll es für’s erste auch gut sein. Ich bin dagegen sich bei jedem Happen ein schlechtes Gewissen zu machen. Essen soll schmecken und mir gut tun. Aber ab und an mal eine kleine Veränderung in Richtung nachhaltiges Essen mit weniger CO2 Ausstoß – Das hat mir nicht weh getan. Und euch sicher auch nicht, oder? Vielleicht habt ihr ja auch noch Anregungen oder Fragen, dann hinterlasst einen Kommentar und ich werde darauf antworten oder schickt mir eine Email an: m.vanderpoel@stockelsdorf.de

Hier noch die Auflistung meiner in der letzten Woche gegessenen Lebensmittel sowie einen weiteren Link für euch, die sich mit diesem Thema beschäftigen:

Meine Getränke
Mineralwasser 4 l (Flaschen), Mineralwasser selber gesprudelt 8,5 l, Pellegrino Mineralwasser 0,2 l, Kaffee (Padmaschine) mit Milch 1 Tasse, Filterkaffee mit Milch 10 Tassen, Milchkaffee im Restaurant 1 Tasse, Cappuccino (aus Pulver) 3 Tassen, Tee 12 Tassen, O-Saftschorle 300 ml, Gin Tonic 1 Glas, Bier 2 Flaschen

Mein Frühstück
Multikornflocken 300 g, Leinsaat 10 g, Chiasamen 20 g, Haselnüsse 20g, Cashew Kerne 30 g, Rosinen 30 g, Sonnenblumenkerne 40 g, Honig 6 g, Mandelmus 25 g, Banane 520 g, Apfel 550 g, Kiwi 320 g, schwarze Johannisbeeren 120 g (aus dem eigenen Garten – Tiefgefrorene), Leitungswasser  1,5 l

Und am Wochenende: 7 Brötchen mit Belag und Rührei aus 4 Eiern

Mein Mittagessen
Lauch Porree Suppe, Spaghetti Carbonara, Currywurst mit Pommes, selbst gemachte Kürbissuppe (2 Tage), Spaghetti Bolognese, selbst gemachte Kartoffelspalten

Mein Abendessen
26 Scheiben Brot mit Belag dazu 3 mal Salat und sonst Rohkost aus: Salatgurke ½, Salatkopf ½, 10 mini Datteltomaten, Granatapfel ½, 2 Paprika, 2 Möhren, 4 saure Gurken

Zwischendurch
6 Plätzchen, Schokolade 140 g, Bonbons  3, Kuchenstücke 6, Spekulatius 12, Chips 70 g, Salzstangen 1 Handvoll, Mandarinen 3, Pomelo ½, Maronen 5

Und zum Abschluss noch einen Link:
https://www.nachhaltigkeit.info/artikel/co2_fussabdruck_1568.htm (dort finden sich auch einige Links zu unterschiedlichen CO2 Rechnern)

 

Verloren im Siegelwald – worauf muss ich beim Einkauf achten?

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Wie einfach ist es nachhaltig einzukaufen? Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind in aller Munde, aber ist es wirklich ein so schwer erreichbares Ziel?

Wir machen den Selbsttest: Klimaschutz im Alltag – wie kann möglichst stressfrei und dennoch effektiv nachhaltig gehandelt werden?

Ein großer Einzelhandelskonzern verspricht: „So kaufen Sie nachhaltig ein – einfach auf das Siegel achten“. Das hört sich vielversprechend und mühelos an: Nicht erst Vorträge von der Verbraucherzentrale besuchen, keine stundenlange Recherche im Internet oder Fachbücher wälzen – einfach Einkaufszettel schnappen und los geht’s in den nächsten Supermarkt.

Auf der Suche nach Siegeln werde ich auch sofort fündig: das achteckige Siegel verspricht „Bio nach EG-Öko Verordnung“. Damit ist die Information des Siegels jedoch bereits erschöpft. Was heißt denn überhaupt bio nach EG-Öko Verordnung? Dazu brauche ich dann doch wieder eine andere Quelle: die EG-Öko-Verordnung ist ein 46-seitiges Dokument, das regelt, welche Voraussetzungen für das Siegel gelten: mindestens 95% aus ökologischem Landbau und kein Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln und Gentechnik. Bei der Tierhaltung ist das Tierwohl durch besonderen Auslauf der Tiere und Tageslicht gewährleistet.

Soweit so gut. Dass Massentierhaltung oder Pestizide beim Anbau von Nahrungsmitteln weniger gut sind als biologische Lebensmittel, leuchtet mir sofort ein. Aber kaum suche ich gezielt nach dem deutschen Biosiegel, springen mir andere Siegel förmlich ins Auge: Bioland, Naturland, Demeter, hauseigene Biomarken, Fairtrade, Öko-Test und andere. Viele Produkte versprechen also erstmal gute Produkte zu sein. Schnell wird es unübersichtlich und ohne mein Internet in der Hosentasche bin ich wirklich aufgeschmissen.

Eine Umweltorganisation empfiehlt Siegel wie das deutsche oder europäische Biosiegel, oder höherwertigere Siegel wie Demeter, Naturland oder Bioland. Hauseigene Biomarken können zwar durchaus auch nachhaltig sein, auf deren Siegel ist jedoch nicht immer Verlass, genauso wenig wie zum Beispiel das Siegel vom Öko-Test. Auch Fairtrade vergibt Siegel, die jedoch einen anderen Ansatz verfolgen: im Fokus stehen benachteiligte Familien des globalen Südens. Langfristige Handelsbeziehungen, ein garantierter Mindestpreis, Fairtrade-Prämien und Vorfinanzierung verhelfen den Familien zu einem besseren Einkommen und sollen zu mehr Gerechtigkeit führen. Fair ist jedoch kein Gegenteil von bio, sondern vielmehr ergänzend zu sehen: bei Fairtrade handelt es sich um Produkte, die zwar überwiegend aus Übersee stammen, jedoch nicht regional angebaut werden können.

Die Sache mit den Siegeln ist zwar nicht ganz einfach, aber ich finde Apps, die mir bei der Entscheidung über ein Produkt helfen: „Label online“ stuft Siegel in die Kategorien Anspruch, Unabhängigkeit, Kontrolle und Transparenz ein. Die App „Der nachhaltige Warenkorb“ bietet Tipps und Alternativen für nachhaltiges Einkaufen.

Mein erstes Fazit ist: wer sich lediglich auf Siegel verlässt, ist genauso verlassen wie er ohne Siegel wäre. Was war nochmal der Vorteil von Siegeln? Einfach nachhaltig einkaufen. Ganz so einfach scheint es dann doch nicht zu sein: ohne eine weitere Quelle bin ich völlig aufgeschmissen.

Doch was ist eigentlich mit Produkten, die keine Siegel tragen – sind die automatisch schlecht? Um sicher zu gehen, müsste ich den Produzenten kennen, doch das ist zumeist nicht der Fall. Zumindest nicht in einer Supermarktkette. Auf dem Wochenmarkt stelle ich schnell fest: Klimaschutz braucht nicht zwangsläufig ein Siegel. Regional und bio gibt es auch ohne Siegel.

Biomarkt in PelotasFotograf: Florian Kopp/ Brot für die Welt

Nachhaltig einkaufen, ganz ohne Siegel? Bauer Schulze lädt mich ein, ihn auf seinem Hof zu besuchen und mich selbst davon zu überzeugen, ob seine Hühner wirklich glücklich sind. Außerdem würden die kurzen Fahrtwege von regionalen Bauernhof zum Markt jede Menge CO2 sparen. Im Gesamten ist das jedenfalls besser als auf die tausend Siegel zu vertrauen, die für mich keineswegs „einfach“ zur Nachhaltigkeit führen. Bei Brot für die Welt heißt es dazu: „Am meisten schont ein Einkauf das Klima, der regionale, saisonale und biologische Kriterien zugleich erfüllt – also Bio-Produkte aus der Region wählt.“ (Quelle: Brot für die Welt (Hrsg.): Bio und fair: Produktsiegel im Überblick Berlin 2015.)

Marktszenen in AraliFotografin: Uta Wagner/ Brot für die Welt

Was ich mir wünsche, wäre ein Siegel für klimaschädliche oder unnachhaltige Produkte: ich möchte nicht wissen, welches Produkt besonders gut ist, sondern welches Produkt ich auf jeden Fall meiden sollte, weil dort gerade keine Nachhaltigkeit drinsteckt. Der Philosoph Richard Precht hatte diesen Vorschlag auf dem Zukunftskongress von TransFair gemacht. Wie wäre es mit einem Siegel für Produkte, die aus Kinderarbeit oder durch Ausbeutung der Arbeiter produziert wurden, die für Ressourcenverschwendung stehen oder für klimaschädliches Verhalten?

Doch solange dies nicht der Fall ist, schnappe ich mir meinen Einkaufszettel und checke mit einer der Apps welches Produkt besonders klimafreundlich ist. Doch was es mit den Siegeln für nachhaltige Fischerei und nachhaltige Kleidung auf sich hat, muss ich beim nächsten Einkauf erst noch herausfinden.

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Laura Hasse, Bildungsreferentin für Brot für die Welt im Diakonischen Werk Schleswig-Holstein, E-Mail: l.hasse@diakonie-sh.de, http://schleswig-holstein.brot-fuer-die-welt.de/