Home sweet home – Energetische Optimierung im Altbau

5 : 10 HochformatDie Energiewende hat sich in den letzten Jahren vornehmlich auf die Bereiche Strom und Mobilität konzentriert. Das Thema „Wärme“ ist dabei sehr vernachlässigt worden, obwohl dieser Sektor mehr als die Hälfte des deutschen Endenergiebedarfs ausmacht und damit für über 40 % der energiebedingten CO2-Emissionen verantwortlich ist. Höchste Zeit also, dass die „Wärmewende“ in Deutschland endlich stattfindet.

Als Klimaschutzmanager im Kreis Plön besteht meine Aufgabe darin, das Thema Wärme in den kreisangehörigen Gemeinden auf die Tagesordnung zu setzen und Projekte zur klimafreundlichen Wärmeversorgung anzuschieben. Beste Voraussetzungen also, um sich auch privat einmal näher mit dem eigenen Wärmebedarf auseinanderzusetzen. Da meine Familie und ich gerade einen Altbau übernommen haben und ihn für unseren Einzug vorbereiten, liegt es auch hier auf der Hand, sich mit dem energetischen Zustand des Hauses und den Verbesserungsmöglichkeiten einmal genauer zu beschäftigen.

Dazu ist erst einmal die Erfassung des Ist-Zustands nötig: Das Haus wurde 1912 gebaut, und dass es als eines von wenigen Häusern in der Nachbarschaft beide Kriege unbeschädigt überstanden hat, werte ich als gutes Omen J . Beim Bau eines so alten Hauses wurde Energiesparsamkeit natürlich noch nicht mit eingeplant. Die vorherigen Besitzer haben immer mal wieder einige Optimierungen vorgenommen, aber einiges ist dabei sehr uneinheitlich umgesetzt worden. So wurden viele Fenster schon durch dreifach verglaste Wärmeschutzfenster ersetzt, an anderen Stellen gibt es vereinzelt aber noch einfach verglaste, alte Fenster, durch die viel Wärme entweicht. Ebenso verhält es sich mit der Dämmung: Ein Großteil der obersten Geschossdecke und des Daches wurden gedämmt. Auch wenn die Dämmung im Dach durchaus dicker sein könnte, so hält dies doch schon einen guten Teil der Wärme im Gebäude. Allerdings ist ein anderer Teil des Daches komplett ungedämmt. Hier entweicht natürlich ein Großteil der Wärme.Foto 1 - Dach

Ebenso braucht es keinen Fachmann um zu erkennen, dass die undichte Terrassentür die warme Luft einfach nach außen entweichen lässt und damit dringend in Angriff genommen werden sollte.

Warmwasser und Heizwärme werden immerhin schon über einen Gas-BrennwertkesselFoto 2 - Heizung zentral im Keller bereitgestellt. Im Gegensatz zu einer „normalen“, klassischen Gasheizung wird bei einem Brennwertkessel nicht nur der Heizwert des Brennstoffs, sondern auch die Abwärme in Form von Kondensationsenergie genutzt, um das Wasser zu erhitzen. Daher wird wesentlich weniger Gas benötigt, um auf eine ausreichende Temperatur zu kommen, und der Wirkungsgrad ist deutlich höher. Auf lange Sicht wäre es natürlich schön, die eigene Wärmeversorgung komplett nachhaltig zu gestalten, aber mit dieser Anlage kann man erst einmal leben. Zusätzlich zur Zentralheizung ist unser zukünftiges Wohnzimmer noch mit einem Holzkamin ausgestattet.

Foto 3 - Ofen

Nun scheiden sich die Geister daran, ob es sinnvoll und nachhaltig ist, Biomasse zu verfeuern. Allerdings können wir unser Holz aus dem eigenen Garten oder von Nachbarn bekommen, sodass hier kein Holz verfeuert wird, welches dann an anderer Stelle fehlt.

Wie soll es jetzt im Sinne der energetischen Sanierung weitergehen?

  • Da wir gerade sowieso schon dabei sind, einige dreckige Arbeiten auszuführen, werden wir Maßnahmen die ebenso viel Dreck verursachen, möglichst auch jetzt schon umsetzen. So haben wir geplant, die wenigen alten Fenster, durch die viel Wärme verloren geht, durch neue Wärmeschutzfenster zu ersetzen. Ebenso werde ich als einen der ersten Schritte die Dämmung des Daches ergänzen und verbessern. Dazu muss ich mich noch ein wenig näher mit den vielen Dämmstoffen auseinandersetzen. Schön wäre es, auch hier ein Material einzusetzen, das möglichst nachhaltig erzeugt wurde.
  • Die Terrassentür wird natürlich auch überarbeitet werden, sodass sie wieder dicht schließt und die Wärme nicht mehr ungehindert nach draußen entweicht.
  • Wahrscheinlich werden wir auch einmal privat die von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderte Klimaschutzkampagne „Haus sanieren – profitieren“ ausprobieren. Dabei kommt ein geschulter Energieberater aus der Umgebung für einen kostenlosen Energiecheck zu einem nach Hause und geht Schritt für Schritt das Haus durch, um Möglichkeiten zur energetischen Optimierung aufzuzeigen. Die Ergebnisse können dann dazu genutzt werden, um sich einen persönlichen „Fahrplan“ für die Sanierung bzw. Optimierung des eigenen Heims zu erstellen.
  • Um unseren Wärmebedarf weiter zu reduzieren, rüsten wir unsere Heizkörper jetzt zusätzlich mit programmierbaren Thermostaten aus. Diese erlauben es, die Raumwärme gezielt zu regulieren und so Energieverbrauch und Kosten zu reduzieren. Außerdem lassen sich die Räume einfacher gleichmäßig wärmen, was wiederum eine effizientere Wärmeversorgung verspricht.

Auf längere Sicht werde ich mich auch damit auseinandersetzen, ob sich unsere Dachfläche für eine Solarthermie- (Warmwassererzeugung durch Sonnenenergie) oder Photovoltaikanlage (Stromerzeugung durch die Sonne) nutzen lässt. Das würde unseren Energieverbrauch natürlich noch deutlich klimafreundlicher machen. Da wir unseren Strom aber bereits vor einiger Zeit auf Ökostrom umgestellt haben, sind wir im Bereich Stromversorgung schon relativ gut aufgestellt. Weiterhin haben wir überlegt, dass wir unsere Dachdämmung noch einmal verbessern wollen, wenn in einigen Jahren das Dach sowieso neu eingedeckt werden müsste. Aber das sind natürlich noch weit entfernte Maßnahmen.

Ich bin jedenfalls sehr gespannt darauf, was die einzelnen Maßnahmen bewirken werden und wie sich unser Energiebedarf dadurch drosseln lässt. Ich freue mich auch sehr darauf, die Maßnahmen nach und nach umzusetzen und selbst auszuprobieren. Auch wenn man sich mit einem Altbau nie im Bereich eines Passivhauses bewegen wird, bringt doch jede Einsparung einen Mehrwert. Sollte sich zusätzlich zum Klimaschutz auch noch Geld einsparen lassen, wäre das natürlich ein netter Nebeneffekt.

Weitere Informationen zur energetischen Sanierung von Gebäuden, zur Förderung von Maßnahmen und zur Beratung findet man zum Beispiel hier:

https://www.sanieren-profitieren.de/

https://www.co2online.de/

https://www.bauen.de/sanierung.html

https://www.sanier.de/

https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/Bestandsimmobilien/Energetische-Sanierung/

http://www.energiesparen-im-haushalt.de/energie/bauen-und-modernisieren/modernisierung-haus/altbausanierung.html

David-Willem Poggemann
Klimaschutzmanager Kreis Plön

Hamburger Straße 17 – 18
24306 Plön

E-Mail: david-willem.poggemann@kreis-ploen.de

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