Warmer Kopf – kalte Füße. Wie heize und lüfte ich richtig?

BW_5x7 cmAls Klimaschutzmanager der Ämter Sandesneben-Nusse / Berkenthin war ich für die Sanierung von Heizungen und Gebäuden in öffentlichen Liegenschaften zuständig, so habe ich mir überlegt, das Thema Heizung einmal für meine Wohnung genauer zu betrachten.

a)  Wahrnehmung
Ich hoffe Sie haben kein zuhause, wo Sie abends kalte Füße bekommen und, wenn Sie die Heizung öffnen, die heiße Luft unter der  Decke steht. Dieses Bild aus den alten Zeiten habe ich als Kontrast gebraucht, um zu plakatieren, wie wichtig fürs Wohlbefinden (und fürs Energiesparen) neue Haus- und Heizkonzepte sind.

b)  Klimaschutzplan 2050
Als Klimaschutzmanager ist es mir auch immer ein Anliegen Ihnen ein Gefühl für das Thema Heizenergie zu vermitteln und eine Standortbestimmung vorzunehmen.
2015 benötigten die privaten Haushalte in Deutschland 636 Mrd. Kilowattstunden Endenergie (das ist die Energie, die mit dem Energielieferanten abgerechnet wird). Insgesamt waren das 25,8% des gesamten Endenergieverbrauches in Deutschland. Von dem vorgenannten Betrag werden mindestens 2/3 für Heizwärme verwendet. (Quelle UBA 17.02.2017).  Bei 82,18Mio Einwohnern ergibt das durchschnittlich rd.5.200 kWh pro Bundesbürger nur für die Beheizung. Bei dem aktuellen Energiepreis von 6 ct/kWh sind das 312€/ oder 26€/Monat. Das mag uns nicht teuer und viel erscheinen. Doch wer garantiert, dass die Preise so bleiben? Für uns ist es vielleicht nicht viel, aber wie wäre es wenn 7,44 Mrd. Menschen dieser Erde so lebten wie wir?
Von 1990 bis 2030 müssen nach dem Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung für das Handlungsfeld Gebäude 66-67% der Treibhausgasemissionen eingespart werden. Stand 2014 wurden 43% Einsparungen bei den Gebäuden erzielt. D.h. in den verbleibenden 16 Jahren (ab 2014) muss jedes Jahr der Verbrauch zusätzlich um 1,5% sinken, um das Ziel zu erreichen. Pro Person und Monat sind das 6,5kWh, die Monat für Monat weniger für fossile Brennstoffe verwendet werden sollten.

Dieses geht durch a) Effizienzsteigerung und durch b) den Umstieg auf CO2-arme Primärenergie.
Ich möchte Ihnen heute verraten, wie Sie durch Effizienzsteigerung praktisch Heizenergie sparen können.

c) Versuch
Ich habe mein Heiz- und Lüftungsverhalten für zwei Wochen beobachtet und möchte darüber berichten.

Es handelt sich um eine Wohnung mit wenig Außenwandanteil. Der Boden ist nicht gedämmt, die Decke ist gedämmt.
Anhand der elektronischen Heizkostenverteiler habe ich mit der  Bewertungszahl und der Zählerdifferenz einen dimensionslosen Verbrauch für jeden Heizkörper zweimal täglich ermittelt. Folgende Parameter wurden von  mir zusätzlich zum Verbrauch regelmäßig gemessen:
Raumtemperatur in allen Räumen / Außentemperatur /
Luftfeuchte innen.

Eingang
Bild: Eingang Wohnung

Der Versuch wurde vom 25.11.– 08.12.2017 (14 Tage) in Sandesneben durchgeführt. Die von mir gemessene gemittelte Außentemperatur beträgt 4,3 °C. Die mittlere Raumtemperatur im Wohnzimmer betrug 18,6°C. (Es handelt sich nicht um den Tagesdurchschnitt, sondern um den Mittelwert aus der Messung morgens und abends). Anm.: Da ich tagsüber oft nicht anwesend war, wurde die Heizung zumeist erst am Abend hochgestellt.

Folgende Kenndaten zur Wohnung gibt es:

  • Bezugsfläche, beheizt = 67 m²
  • Beheiztes Volumen = 191,2 m³
  • Hüllfläche zu unbeheizt = 161,8 m²
  • A/V  = 0,85 1/m

bild-elektr-HK-Verteiler
Bild: Elektr. Heizkostenverteiler:  Nummer – Vorjahreswert – Bewertungs-zahl – aktueller Verbrauch

Die Räume wurden unterschiedlich beheizt. Die Raumtemperaturen
/ Thermostatstellungen wurden eingangs gemessen:

  • Schlafzimmer 16,6°C / 1,
  • Wohnzimmer 19,7°C / 3,
  • Eingang/Windfang 16,4°C / 2,
  • Bad 19,5°C / 1.

Anm.: Insbesondere beim innenliegenden Bad gibt es Wärmeeinträge aus der Nachbarschaft, die aus angrenzenden, beheizten Innenwänden stammen. Eine Wand grenzt an den Heizungsraum.

Ergebnis:  Über die gesamte Beobachtungszeit ergaben sich folgende Verbrauchswerte:

  • Schlafzimmer: 459,3 Einheiten/m²
  • Wohnzimmer: 882,2 Einheiten/m²
  • Eingang: 0 (keine Wärmeabgabe am Heizkörper nachgewiesen)
  • Bad: 0 (keine Wärmeabgabe am Heizkörper nachgewiesen)

Auswertung der Ergebnisse:

  1.  Die Zonierung der Wohnung in gering beheizte und normal beheizte Bereiche bietet ein hohes Einsparpotential.
  2. Innenliegende Räume brauchen mitunter sehr wenig Beheizung.
  3. Windfänge sparen Energie.
  4. Die Absenkung der Temperatur im Schlafzimmer gegenüber dem Wohnzimmer hat dort 48% Heizenergie eingespart.

d) Empfehlungen
Folgendes lege ich Ihnen bei einer schlecht gedämmten Altbauwohnung in einem Mehrfamilienhaus während der Heizperiode ans Herz:

  • Prinzip 1: Bei Abwesenheit Heizung absenken, so dass die Raumtemperatur 16-18°C erreicht: Wohnräume eher 18, Nichtaufenthaltsräume eher 16°C.
  • Prinzip 2: Luftzug an Fenstern und Türen abdichten. Mit der Hand am Rahmen entlang fahren. Sie spüren den Luftzug und Kältebrücken sofort. Ein Dichtungsband gibt es im Baumarkt. Bei Türen helfen Bürstendichtungen.
  • Prinzip 3: Lüften im Winter nicht mit gekipptem Fenster. Pro Person werden bei einfachen Tätigkeiten etwa 30m³ Luft pro Stunde gebraucht. Deshalb und zum Feuchtetransport ist regelmäßiges Stoßlüften wichtig. Eine Lüftungsanlage mit Wärmetauscher bietet sich bei Sanierungen an.
  • Prinzip 4: Rohre isolieren. Heizungsrohre geben dort am meisten Energie ab, wo sie am heißesten sind. Das ist im Vorlauf direkt hinter der Heizung. Doch die Wärme wird dort gar nicht gebraucht! Sie wird am Heizkörper gebraucht. Ich empfehle die Rohrisolierungen zu überprüfen. Im Baumarkt bekommt man alle gängigen Durchmesser, um Rohre nicht beheizter Bereiche zu dämmen. Diese können einfach über die Rohre geschoben werden, die Schutzfolie abnehmen und zusammenkleben.
  • Prinzip 5: Warmwasser. Wer Zugang zum Heizkessel hat, sollte die Zeiten seiner Zirkulationspumpe überprüfen. Wenn möglich mit Zeitschaltuhr oder Taster bedarfsgerecht einstellen.
  • Prinzip 6: Hilfe holen. Für die weitergehende Beratung, wenn Heizung und / oder Bauteile saniert werden sollen, fragen Sie bitte einen Energie-Effizienzexperten Ihres Vertrauens: https://www.energie-effizienz-experten.de/

Fazit
Ich war überrascht wie stark sich die Regelung auf den direkten Verbrauch auswirkt. Allgemein hat sich die Regel etabliert: jedes Grad Temperaturabsenkung spart 6% Heizwärme. Nachts übernimmt die zentrale Nachtabsenkung (wenn sie denn an der Heizung eingestellt ist) die Aufgabe. Tagsüber sind wir selber verantwortlich. Wer zu viele Heizkörper in der Wohnung hat, kann sich programmierbare Ventile kaufen und seinen Wochenplan stundengenau pro Heizkörper einstellen. Ich habe die Regelung von Hand eingestellt und empfand den Aufwand überschaubar. Je besser das Haus gedämmt ist, desto geringer sind die Heizkreistemperaturen und die Effekte werden nicht so stark zu spüren sein.
Zur Lüftung sei angemerkt, dass 5 Min. Dauerlüftung in den meisten Fällen ausreichen, bei Querlüftung auch weniger. Die Häufigkeit richtet sich nach der Personenanzahl und der Tätigkeit: Kochen, Duschen und Wäsche trocknen, produzieren sehr viel Feuchtigkeit.
Für jedes einigermaßen dichte Haus empfehle ich früher oder später eine Lüftungsanlage, die neben der Energieeinsparung auch für einen hygienischen Luftwechsel sorgt.

Das Klima sagt: Danke!

Arduin Balasus, Klimaschutzmanager Amt Sandesneben-Nusse / Amt Berkenthin

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Für die täglichen Autofahrer – eine Woche ohne Auto

Morkramer_NordkircheUnser Haushalt verfügt über ein Auto. Das ist praktisch um den Wocheneinkauf zu erledigen oder die Kinder irgendwohin zu fahren. Wir wohnen in Hamburg. Dort ist ein Auto nicht notwendig und aufgrund der überlasteten Straßen und des hohen Parkdrucks oft auch sehr nervig.

Zu Testzwecken lasse ich das Auto eine Woche stehen und nutze Fahrrad, Fuß, Bus und Bahn. Ich werde multimodal. Das klingt gut, also probiere ich es aus!

Zuerst einmal muss ich mich orientieren:

  • Wie komme ich ohne Auto zur Arbeit? Welche Strecken gibt es, welche Verkehrsmittel kann ich nutzen und wie lange dauert das?
    In meinem Fall sind es 12-15 km. Ich kann mit dem Fahrrad fahren, das dauert ca. 50 Minuten von Tür zu Tür, oder mit Bus und S-Bahn (ca. 45 Minuten). Mit dem Auto sind es ca. 25 Minuten.
  • Welche Tarife / Tarifzonen und Karten gibt es? Was kostet das und was lohnt sich für mich?
    Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) besteht aus der Hochbahn (zuständig für U-Bahn und Busse) und der Deutschen Bahn (DB). Die DB ist bekannt für ihren Tarifdschungel und so ist es auch in Hamburg. Ich entscheide mich für eine Wochenkarte. Damit kann ich beliebig oft fahren, aber niemanden mitnehmen. Diese Karte kann ich allerdings nur an einer Servicestelle kaufen.

Motiviert gehe ich am nächsten Morgen zur Bushaltestelle. Der erste Bus fährt mir vor der Nase weg (kein Problem, ich habe den Luxus eines 5-Minuten-Taktes) und der nächste kommt zu spät. Beim Umsteigen in die S-Bahn muss ich mich aufgrund der Verspätung des Busses beeilen, die Bahn fährt bereits ein. Und sie ist rappelvoll! Wo kommen die ganzen Menschen her? Ich dachte, die sitzen alle im Auto und verstopfen die Straßen? Wie in einer Sardinenbüchse eingeklemmt geht es los. Zum Glück steigen 80 % der Menschen am Hauptbahnhof aus. Ich kann wieder atmen und bekomme einen Sitzplatz. Der Rest der Fahrt verläuft ruhig. Die Rückfahrt ist kein Problem. An meiner Haltestelle ist die Bahn noch leer, am Hauptbahnhof ist sie wieder rappelvoll. Um Auszusteigen muss ich mich durch die Menschenmasse kämpfen.

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Jetzt noch einkaufen. Ich habe eine große Tragetasche dabei, in die ich meinen Einkauf direkt einpacke. Die Tasche wird immer schwerer und ich merke, dass ich höchstens für zwei Tage einkaufen kann, mehr kann ich nicht tragen. Danach wieder zum Bus und nach Hause.

Zwei Tage später entscheide ich mich dafür, mit dem Fahrrad zur S-Bahn zu fahren und die Fahrradtaschen direkt mitzunehmen. So kann ich abends den Einkauf dort hinein packen. Außerdem ist das Fahrrad schneller als der ewig zu spät kommende Bus. Es klappt alles gut, das Fahrrad ist abends noch da, aber im Januar ist es ganz schön kalt, nass und dunkel um Fahrrad zu fahren. Insgesamt macht es keinen Spaß.

Die nächsten Tage fahre ich früher zur Arbeit, dann ist die Bahn leerer. Ich genieße den Blick auf die Lichter der Stadt. Keiner in der Bahn redet, alle träumen vor sich hin. So kann man es aushalten!

Alleine mit zwei kleinen Kindern Bus und Bahn fahren empfinde ich als furchtbar! Ständig muss man aufpassen, dass sie in der Menschenmasse nicht verloren gehen oder zerdrückt werden! Wenn man drin ist, muss man aufpassen, dass sie nicht durch die Gegend purzeln, sondern einen Sitzplatz bekommen. Mit einem Buggi unterwegs zu sein ist ebenfalls schrecklich, da in Bus und Bahn wenig Platz dafür ist und auch nicht überall Fahrstühle existieren. Zu Fuß zur Kita zu gehen macht uns dagegen Spaß. Allerdings muss man genügend Zeit einplanen!

Mein Fazit aus der Woche lautet:

Dafür, dass ich beliebig viel mit meiner Wochenkarte fahren kann, ist sie recht günstig. Dass am Wochenende jedoch keine zweite Person darauf mitfahren kann ist blöd. Mit einem Kind den ÖPNV zu nutzen ist in Ordnung, man muss nur mehr Zeit zum Umsteigen einplanen, als z. B. die App ansetzt. Mit zwei kleinen Kindern ist man am Ende nur genervt!

Ich habe in dieser Woche viele interessante Menschen gesehen. Vom Anzugträger mit Laptop auf den Knien bis zum Obdachlosen, der in der S-Bahn bettelt. Der morgendliche Körperkontakt mit fremden Personen ist nicht mein Fall, zum Glück ist es Winter … Ich musste in dieser Woche häufiger einkaufen gehen als sonst, da ich nur kleinere Mengen transportieren konnte. Das kostet viel Zeit und ist anstrengend.

Ich habe es aber sehr genossen mir meine Stadt und Mitmenschen einmal in Ruhe ansehen zu können. Ich konnte den Blick schweifen lassen, musste mich nicht auf die Straße konzentrieren, mich nicht mit anderen Autofahrern um die Vorfahrt streiten, stand nicht im Stau und musste auch keinen Parkplatz suchen.

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Für kurze Strecken nehme ich gerne das Fahrrad, man ist damit wendig, schnell und findet immer einen Parkplatz. Für den Einkauf ist ein Auto schon sehr angenehm, obwohl auch dort das Fahrrad eine Alternative sein kann. Ich denke, ich werde im Sommer einen neuen Test wagen.

image003Klaudia Morkramer, Klimaschutzmanagerin für Mobilität
Klimaschutzbüro der Nordkirche
Mail: Klaudia.Morkramer@umwelt.nordkirche.de

Verloren im Siegelwald – worauf muss ich beim Einkauf achten?

Laura Profilbild

Wie einfach ist es nachhaltig einzukaufen? Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind in aller Munde, aber ist es wirklich ein so schwer erreichbares Ziel?

Wir machen den Selbsttest: Klimaschutz im Alltag – wie kann möglichst stressfrei und dennoch effektiv nachhaltig gehandelt werden?

Ein großer Einzelhandelskonzern verspricht: „So kaufen Sie nachhaltig ein – einfach auf das Siegel achten“. Das hört sich vielversprechend und mühelos an: Nicht erst Vorträge von der Verbraucherzentrale besuchen, keine stundenlange Recherche im Internet oder Fachbücher wälzen – einfach Einkaufszettel schnappen und los geht’s in den nächsten Supermarkt.

Auf der Suche nach Siegeln werde ich auch sofort fündig: das achteckige Siegel verspricht „Bio nach EG-Öko Verordnung“. Damit ist die Information des Siegels jedoch bereits erschöpft. Was heißt denn überhaupt bio nach EG-Öko Verordnung? Dazu brauche ich dann doch wieder eine andere Quelle: die EG-Öko-Verordnung ist ein 46-seitiges Dokument, das regelt, welche Voraussetzungen für das Siegel gelten: mindestens 95% aus ökologischem Landbau und kein Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln und Gentechnik. Bei der Tierhaltung ist das Tierwohl durch besonderen Auslauf der Tiere und Tageslicht gewährleistet.

Soweit so gut. Dass Massentierhaltung oder Pestizide beim Anbau von Nahrungsmitteln weniger gut sind als biologische Lebensmittel, leuchtet mir sofort ein. Aber kaum suche ich gezielt nach dem deutschen Biosiegel, springen mir andere Siegel förmlich ins Auge: Bioland, Naturland, Demeter, hauseigene Biomarken, Fairtrade, Öko-Test und andere. Viele Produkte versprechen also erstmal gute Produkte zu sein. Schnell wird es unübersichtlich und ohne mein Internet in der Hosentasche bin ich wirklich aufgeschmissen.

Eine Umweltorganisation empfiehlt Siegel wie das deutsche oder europäische Biosiegel, oder höherwertigere Siegel wie Demeter, Naturland oder Bioland. Hauseigene Biomarken können zwar durchaus auch nachhaltig sein, auf deren Siegel ist jedoch nicht immer Verlass, genauso wenig wie zum Beispiel das Siegel vom Öko-Test. Auch Fairtrade vergibt Siegel, die jedoch einen anderen Ansatz verfolgen: im Fokus stehen benachteiligte Familien des globalen Südens. Langfristige Handelsbeziehungen, ein garantierter Mindestpreis, Fairtrade-Prämien und Vorfinanzierung verhelfen den Familien zu einem besseren Einkommen und sollen zu mehr Gerechtigkeit führen. Fair ist jedoch kein Gegenteil von bio, sondern vielmehr ergänzend zu sehen: bei Fairtrade handelt es sich um Produkte, die zwar überwiegend aus Übersee stammen, jedoch nicht regional angebaut werden können.

Die Sache mit den Siegeln ist zwar nicht ganz einfach, aber ich finde Apps, die mir bei der Entscheidung über ein Produkt helfen: „Label online“ stuft Siegel in die Kategorien Anspruch, Unabhängigkeit, Kontrolle und Transparenz ein. Die App „Der nachhaltige Warenkorb“ bietet Tipps und Alternativen für nachhaltiges Einkaufen.

Mein erstes Fazit ist: wer sich lediglich auf Siegel verlässt, ist genauso verlassen wie er ohne Siegel wäre. Was war nochmal der Vorteil von Siegeln? Einfach nachhaltig einkaufen. Ganz so einfach scheint es dann doch nicht zu sein: ohne eine weitere Quelle bin ich völlig aufgeschmissen.

Doch was ist eigentlich mit Produkten, die keine Siegel tragen – sind die automatisch schlecht? Um sicher zu gehen, müsste ich den Produzenten kennen, doch das ist zumeist nicht der Fall. Zumindest nicht in einer Supermarktkette. Auf dem Wochenmarkt stelle ich schnell fest: Klimaschutz braucht nicht zwangsläufig ein Siegel. Regional und bio gibt es auch ohne Siegel.

Biomarkt in PelotasFotograf: Florian Kopp/ Brot für die Welt

Nachhaltig einkaufen, ganz ohne Siegel? Bauer Schulze lädt mich ein, ihn auf seinem Hof zu besuchen und mich selbst davon zu überzeugen, ob seine Hühner wirklich glücklich sind. Außerdem würden die kurzen Fahrtwege von regionalen Bauernhof zum Markt jede Menge CO2 sparen. Im Gesamten ist das jedenfalls besser als auf die tausend Siegel zu vertrauen, die für mich keineswegs „einfach“ zur Nachhaltigkeit führen. Bei Brot für die Welt heißt es dazu: „Am meisten schont ein Einkauf das Klima, der regionale, saisonale und biologische Kriterien zugleich erfüllt – also Bio-Produkte aus der Region wählt.“ (Quelle: Brot für die Welt (Hrsg.): Bio und fair: Produktsiegel im Überblick Berlin 2015.)

Marktszenen in AraliFotografin: Uta Wagner/ Brot für die Welt

Was ich mir wünsche, wäre ein Siegel für klimaschädliche oder unnachhaltige Produkte: ich möchte nicht wissen, welches Produkt besonders gut ist, sondern welches Produkt ich auf jeden Fall meiden sollte, weil dort gerade keine Nachhaltigkeit drinsteckt. Der Philosoph Richard Precht hatte diesen Vorschlag auf dem Zukunftskongress von TransFair gemacht. Wie wäre es mit einem Siegel für Produkte, die aus Kinderarbeit oder durch Ausbeutung der Arbeiter produziert wurden, die für Ressourcenverschwendung stehen oder für klimaschädliches Verhalten?

Doch solange dies nicht der Fall ist, schnappe ich mir meinen Einkaufszettel und checke mit einer der Apps welches Produkt besonders klimafreundlich ist. Doch was es mit den Siegeln für nachhaltige Fischerei und nachhaltige Kleidung auf sich hat, muss ich beim nächsten Einkauf erst noch herausfinden.

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Laura Hasse, Bildungsreferentin für Brot für die Welt im Diakonischen Werk Schleswig-Holstein, E-Mail: l.hasse@diakonie-sh.de, http://schleswig-holstein.brot-fuer-die-welt.de/

 

 

 

Immer schön sauber bleiben – 3 alternative, kostengünstige und ungiftige Pflegeprodukte

Foto Sandra Ludwigh

In Shampoos, Seifen, Cremes und Duschgels sind zum Teil Plastikpartikel, synthetische Tenside und Silikone enthalten, in manchen Deodorants giftiges Aluminium sowie etliche andere Inhaltsstoffe. Wir als Verbraucher wissen meist gar nicht so richtig, was drin steckt und was unserem Körper langfristig Schaden zufügen könnte. Wir erfahren das immer so nach und nach. Ein Beispiel:  Es war jahrelang oder gar jahrzehntelang in Ordnung, Aluminium im Deo oder Amalgam im Zahn zu haben.  Plötzlich heißt es dann: „Ist ja doch giftig“. Genauso ist es mit vielen anderen Sachen. Das Mikroplastik in unserer Funktionskleidung gelangt z.B. durch die Wäsche ins Grundwasser. Es kann nicht herausgefiltert werden, weil die Partikel zu klein sind. Nur leider werden immer noch Fleecejacken in den Geschäften angeboten.

Damit möchte ich deutlich machen, dass wir als Verbraucher gar nicht den Überblick darüber haben können, was gut und was schlecht für uns ist, da quasi täglich neue Chemikalien und Giftstoffe auf den Markt kommen. Leider.

Es ist deshalb für uns sinnvoll, so wenig weiterverarbeitete Produkte wie nur möglich an unseren Körper heranzulassen, sowohl bei der Körperpflege, im Haushalt als auch bei der Nahrung. So ist es z. B. besser, Kartoffelpüree aus Kartoffeln und Butter zu essen als das Kartoffelpüree aus der Tüte. Statt Flüssigseife sollte lieber Kernseife genutzt werden etc. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern entlastet auch unseren Geldbeutel.

Wenn Sie sich mit diesem Thema beschäftigen, finden Sie dazu im Internet zahlreiche Anleitungen für alle möglichen Pflegeprodukte.

Ich möchte Ihnen einmal vorstellen, welche 3 alternativen Pflegeprodukte ich innerhalb der letzten fünf Jahre in mein Leben integriert habe. Es durfte für mich nicht zu kompliziert sein, da ich zwei kleine Kinder habe und somit recht ausgelastet bin. Dazu gehören:
Natron Kokos÷l Kerseife Foto

1. Natron
Was ist Natron? Natron ist ein Natriumsalz der Kohlensäure und zählt zu den Hydrogencarbonaten. Es ist ein feines, weißes Pulver, das auch als Speisesoda oder Backsoda bekannt ist. Natron ist die Abkürzung für Natriumhydrogencarbonat (=NaHCO3). Es ist als günstiges, ungiftiges und dennoch hochwirksames Hausmittel fast in Vergessenheit geraten – zu Unrecht! Natron ist ausgesprochen vielseitig einsetzbar und ganz natürlich, umweltschonend und ungiftig! Zu kaufen gibt es Natron im Drogeriemarkt, in der Apotheke oder auch in Supermärkten. Da es größere Mengen meistens nicht im Einzelhandel vor Ort zu kaufen gibt, kann z.B. ein 5 bis 10 kg Eimer Natron im Netz bestellt werden. Teuer ist es nicht, dafür aber ein wahres Multitalent ist. Es kann bei Sodbrennen eingenommen, zum Abfluss reinigen in Kombination mit Essigessenz verwendet, beim Backen oder zum Waschen von Obst und Gemüse eingesetzt, als Geruchsneutralisierer oder zum Zähne putzen benutzt werden – und das sind nur einige Beispiele. Ich nutze Natron in der Küche, im Haushalt und auch zur Körperpflege sehr oft. Falls Sie das Thema Natron und seine umfassenden Einsatzmöglichkeiten interessiert, habe ich Ihnen drei Links bereitgestellt:

Wie nutze ich Natron zur Körperpflege?

  • 2 Esslöffel Natron plus ca. ½ bis 1 Liter warmes Wasser vermischen und als Shampoo verwenden. Ich schütte dabei das Natronwasser über meinen Kopf und reibe meine Haare damit ein, so als würde ich Shampoo im Haar verteilen (natürlich schäumt es nicht, dafür sind aber auch keine synthetischen Tenside drin) . Danach spüle ich ganz normal meine Haare aus und spüle sie anschließend mit ca. 1 Liter Wasser und ca. 2 Esslöffel Apfelessig nach. Die Apfelessig -Spülung bleibt im Haar und verleiht ihm einen schönen Glanz.  Wirklich einfach.
  • Ich nutze Natron als Gesichts- und Körperpeeling. Dazu nehme ich ca. 2 Esslöffel Natron in meine Hand und „schrubbe“ damit meinen bereits nassen Körper bzw. nasses Gesicht ab. Das mache ich nur alle 2 Wochen, denn Peelings sollen nicht zu häufig verwendet werden.
  • Einmal pro Woche putze ich zusätzlich meine Zähne mit Natron. Ich geben einfach ein wenig (ca. eine Messerspitze) von dem Pulver auf meine nasse Zahnbürste und putze mir damit die Zähne. Es reduziert  Zahnbeläge und auch Zahnverfärbungen lassen sich damit einfach beseitigen. Zudem neutralisiert es Säuren im Mund und schützt so vor Karies.
  • Manchmal gönne ich mir ein Natron-Bad (= Basenbad)  in der Badewanne oder ein Natron-Fußbad. Es entsäuert den Körper und ich fühle mich danach wie neu geboren. Einfach eine Tasse Natron ins Badewasser kippen und darin mindestens 20 Minuten verweilen. Übrigens: Natron-Fußbäder (ca. 3 Esslöffel) helfen auch bei Fußpilz, rissiger Hornhaut oder Käsefüßen!

2. Kokosöl
Kokosöl (=Kokosnussöl) ist ein leckeres Speiseöl, das viel in der veganen Küche anstelle von z.B. Butter verwendet wird. Kokosöl gehört, meine ich, in jeden Haushalt. Es ist überaus gesund und bietet viele Einsatzmöglichkeiten. Wer sich hier schlau lesen möchte, dem empfehle ich nachfolgende Links:

Wie nutze ich Kokosöl zur Körperpflege?

  • Ich nutze Kokosöl zur Hautpflege, also als Bodylotion. Generell creme ich mich wenig ein, aber wenn,  dann mit Kokosöl. Am liebsten direkt nach dem Duschen, wenn die Haut noch nass ist, dann lässt sich das Öl am besten und schnellsten verteilen. Auch als Lippenbalsam eignet es sich hervorragend.
  • Ich nutze Kokosöl zur Haarpflege. Ins noch nasse Haar verteile ich etwas Kokosöl in die Spitzen.
  • Ich nutze Kokosöl zur Zahnpflege. Einmal täglich ziehe ich Öl, das bedeutet, dass ich ca. einen Esslöffel Kokosöl im Mundraum für ca. 3- 5 Minuten hin und her bewege. Anschließend wird das Öl im Biomüll (nicht in den Abguss!) entsorgt. Es soll nicht herunter geschluckt werden, da die Bakterien aus dem Mundraum nicht in den Magen gelangen sollen. Anscheinend hat das Ölziehen auch generell einen entgiftenden und heilsamen Effekt auf dem Körper.

3. Kernseife
Kernseifen sind in der Regel Natriumsalze von Fettsäuren. Sie bilden die Grundlage für Zubereitungen, die oft Feinseifen genannt werden und mit pflegenden Zusätzen, Parfümen und Farbstoffen versetzt sind. Ich persönlich nutze nur die reine Kernseife, also diejenige, die frei von  Duft- und Farbstoffen ist. Die Einsatzmöglichkeiten von Kernseife sind sehr vielfältig. Man kann aus ihr Spülmittel, Flüssigseife, Duschgel, Waschpulver, Allzweckreiniger etc. herstellen und sich sogar damit die Zähne putzen. Wer sich mehr dafür interessiert, kann die Informationen auf nachfolgendem Link abrufen.https://www.smarticular.net/unterschaetztes-hausmittel-kernseife-9-erstaunliche-anwendungsbeispiele

Wie nutze ich Kernseife zur Körperpflege?

  • Ich nutze Kernseife zum Hände waschen.
  • Ich nutze Kernseife zum Baden und Duschen statt Duschgel.
    Ich betone noch einmal, dass ich meinen Körper nicht täglich von oben bis unten einseife, das wäre sehr schlecht für den natürlichen Wasser-Fett-Schutz-Mantel der Haut. Man ist ja durchs meist tägliche Duschen oder Waschen heutzutage auch nicht mehr wirklich schmutzig, höchstens etwas verschwitzt. Da ich fast täglich Sport treibe, dusche ich mich auch täglich, jedoch nur sehr kurz (max. 1 Minute) und wasche mich fast ausschließlich mit Wasser (eher lauwarm als heiß). Die Kernseife nutze ich nur sehr sparsam an den Stellen, wo es nötig ist. Besonders im Winter merke ich, dass zu langes und heißes Duschen meiner Haut schadet. Sie trocknet aus und fühlt sich rau an. Kinderhaut ist meistens noch empfindlicher. Hier gilt also „weniger ist mehr“. Wer sich täglich von oben bis unten einseift, muss sich irgendwann auch täglich eincremen und gerät somit in einen Teufelskreis von dringend benötigten Drogeriemarktprodukten.
  • Ich nutze Kernseife (seit gestern!) zum Zähne putzen. Ich probiere das jetzt einfach mal aus und lasse Sie evtl. in meinem nächsten Bericht wissen, wie es gelaufen ist. Bis dato kann ich nur sagen, dass es nicht so schlecht schmeckt wie man vermuten würde und sich der Mundraum angenehm erfrischt anfühlt.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern viel Spaß beim Ausprobieren und Experimentieren.
image001Ihre Sandra Ludwigh, Energie- und Klimaschutzbeauftragte im Kreis Steinburg
E-Mail: ludwigh@steinburg.de, Telefon: 04821 – 69 607

Eine Woche E-Auto Praxistest im Winter

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Wir im Klimaschutzbüro der Nordkirche haben ein E-Auto als Dienstwagen, das wir mit anderen Einrichtungen gemeinsam nutzen. Im Frühjahr, Sommer und Herbst wurde das Fahrzeug viel genutzt und wir konnten unsere Erfahrungen sammeln. Wir fahren eine Renault Zoe, Baujahr 2017, d. h. mit 41 kW Akkukapazität. In den warmen Monaten hat sie eine realistische Reichweite von ca. 260 km, im Winter von ca. 200 km.

Wichtige Einflussfaktoren auf die Reichweite im Winter sind die Winterreifen und die Heizung. Generell hatten wir erwartet, dass der Unterschied in der Reichweite zwischen Sommer und Winter größer sei. Anscheinend mögen der Akku und der Antrieb jedoch die bestehenden Temperaturen von 6-8°C. Es ist nicht zu kalt, aber der Akku ist immer leicht gekühlt.

Die Winterreifen haben einen großen Einfluss, da sie einen höheren Rollwiderstand haben. Bei den Sommerreifen gibt es eine extra Gummimischung für E-Autos, damit weniger Rollwiderstand auftritt.

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Nun zur Heizung und Klimatisierung. Ein E-Auto erwärmt die Luft nicht über die Abwärme des Motors, sondern erwärmt sie direkt. Das hat den Vorteil, dass das Auto nicht erst warm laufen muss und den Nachteil, dass es immer ein zusätzlicher Energieverbrauch ist. Daher lohnt es sich, das E-Auto vorzuheizen, solange es noch an der Ladestation angeschlossen ist.

Generell hatten wir bisher den Eindruck, dass die Luft im Auto während der Fahrt nicht stark erwärmt wird oder nur mit einem hohen Energieverbrauch. Bei eingestellten 21°C hatten wir immer noch unsere Winterjacken an.

Des Weiteren gibt es den Eco-Modus. Dabei werden alle unnötigen Energieverbräuche reduziert oder abgeschaltet und die Geschwindigkeit ist auf 95 km/h begrenzt. Auch die Heizung fällt unter den Punkt „unnötiger Energieverbrauch“. Im Winter kann man folglich nicht im Eco-Modus fahren und muss gegebenenfalls mit einer sinkenden Reichweite rechnen. Sinnvoll sind bei E-Autos eine Sitzheizung, da die Wärme so direkt an den Körper gelangt, und ein Gebläse für Front- und Heckscheibe, damit sie nicht beschlagen. Damit hat man das beste Ergebnis bei geringstem Energieaufwand. Die Streetscooter der Deutsche Post DHL Group sind daher so ausgestattet.

image003Klaudia Morkramer, Klimaschutzmanagerin für Mobilität
Klimaschutzbüro der Nordkirche
Mail: Klaudia.Morkramer@umwelt.nordkirche.de

Vegan – Mehr als nur Salat

profilMoin, mein Name ist Marret Bähr und ich bin seit März 2017 Klimaschutzmanagerin in Preetz. Bevor ich wieder zurück in die gute alte Heimat gezogen bin, habe ich Umweltkommunikation in Uppsala in Schweden studiert. Wenn es einen guten Zeitpunkt gibt um mich mal ordentlich mit meiner Ernährung zu beschäftigen, dann am Anfang des neuen Jahres. Normalerweise versuche ich schon mich ausgewogen und einigermaßen gesund zu ernähren, aber die letzten Wochen des Jahres fliegen alle guten Vorsätze über Bord. Ich sage nur Braten, Braten, Braten. Und ja, auch Neujahr bestand aus Chips-und-Schokolade-zum-Frühstück, TK-Pizza und Thai-Take-Away (immerhin vegetarisch?!).

Alles in Allem kamen der Klimatest, und damit die vegane Woche, genau zur rechten Zeit. Unterstützung ist bei so einem Vorhaben wichtig und die gab es durch meine MitbewohnerInnen, die sich größtenteils vegan-vegetarisch ernähren und mir tolle Tipps geben konnten. Ich befinde mich hierdurch natürlich in einer nahezu idealen Ausgangssituation, die eigene Ernährung innerhalb einer Familie umzustellen, wäre sicherlich eine größere Herausforderung geworden.

Ausgangssituation
Vorab habe ich mir einmal überlegt, wie ich bisher einkaufe und esse, um zu sehen, wo ich überhaupt stehe. Fleisch kaufe ich höchstens einmal im Monat selbst und dann in Bio-Qualität und wenig. Ich esse es aber bei Familientreffen, Kochevents und im Restaurant. Milchprodukte, vor Allem Käse, konsumiere ich hingegen relativ viel. Meine Einkäufe erledige ich beim Discounter und nur selten auf dem Wochenmarkt oder im Bioladen. Abgesehen von der Bequemlichkeit, fällt mir kein weiterer Grund ein, warum ich nicht öfter auf den Markt gehe. Ich variiere gerne verschiedene Beilagen und habe mich auch schon an Soja (klimatechnisch problematisch) versucht. Dementsprechend sieht auch mein Küchenregal aus (beim Thema Verpackung und der ähem Ordnung gibt es definitiv Luft nach oben…).

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Einkaufen – das gibt`s ja doch!
Für eine vegane Ernährung einzukaufen ist anders, nicht schlechter oder besser, eben anders. Ich habe mir vorher ein paar Rezepte rausgesucht, bzw. bei meinen „Klassikern“ überlegt, wie ich diese vegan gestalten könnte und gehe mit einer richtigen Liste los. Die meisten Supermärkte und Discounter haben ein ziemlich gutes veganes Angebot und viele Lebensmittel sind heutzutage auch als vegan gekennzeichnet. Ja, es wandert viel Gemüse in den Einkaufskorb (soweit wie möglich auch saisonal und regional), aber es wird mehr als nur Salat geben! Erstaunlich finde ich, in wie vielen Lebensmitteln Tierprodukte enthalten sind und was sonst noch für unaussprechliche Stoffe. Sogar bei Chips, Bier und Wein muss man vorsichtig sein, gut dass Silvester schon vorbei ist. Mir ist übrigens aufgefallen, dass manche „Billigartikel“ weit weniger Zusätze enthalten als die Markenprodukte. Vegan einkaufen kostet zu Anfang mehr Zeit, man greift eben nicht mehr automatisch zu seinen 12 Standardprodukten. Ich hoffe auch, dass mir bewussteres einkaufen hilft, meine Lebensmittelverschwendung zu reduzieren.

Testen – Is(s) mal was anderes
Noch ein Vorteil dieser Testwoche ist die Möglichkeit endlich mal neue Rezepte auszuprobieren. Geht es euch auch so, dass ihr euch ständig vornehmt mal neue Rezepte auszuprobieren und dann doch wieder zu den üblichen Verdächtigen greift? Ich habe mir vorgenommen, die vegane Woche auch dazu zu nutzen, um mehr Vielfalt in meinen Ernährungs-Alltag zu bringen. Es gibt unglaublich tolle Blogs, YouTube Videos, Kochbücher und Apps, die einen bei diesem Vorhaben unterstützen. Zum Beispiel: https://vebu.de/essen-genuss/vegane-rezepte/ und  https://veganheaven.de/. Auch lassen sich viele bekannte Rezepte durch einfache Variationen oder den Ersatz gewisser Komponenten vegan umsetzen.

Gerade die asiatische Küche bietet viele tolle Gerichte, hier reicht es oft die Austern- bzw. Fischsauce wegzulassen. Richtig lecker fand ich Tofu-Curry mit veganem Naanbrot und Tabouleh! Die Umstellung bedeutete für mich zunächst einen höheren Zeitaufwand: ich kannte die Gerichte nicht, musste viel nachlesen und ausprobieren. Aber dafür habe ich mehr selber gekocht und mit frischen Zutaten – statt mit Fertigprodukten.

Da ich gerne koche und diese Zeit als Entspannung empfinde und möglichst unverarbeitete Lebensmittel auch gesünder sind, sehe ich die Umstellung als Vorteil an. Tofu und Soja lassen sich am Abend vorher einlegen und dann am nächsten Tag super zu veganer Bolognese verwenden, Hefeflocken schmecken als Parmesanersatz.

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Und wenn man mal keine Lust hat selbst zu kochen? Als „Veganerin“ essen zu gehen, hatte ich mir schwierig vorgestellt, aber nein. Die meisten Restaurants haben mittlerweile vegane Gerichte, vielleicht keine große Auswahl, aber immerhin. Es gibt auch komplett vegane Restaurants, sollte man vorher aber mit den Begleitern absprechen, und ja auch hier besteht die tolle Möglichkeit, etwas Neues auszuprobieren. In Kiel gibt es eine richtig gute Auswahl an veganen Restaurants, ein paar davon habe ich ausprobiert und würde jeder Zeit wieder hingehen: Kitty Rock Belly Full (Burger), Blattgold (Verschiedenes), Subrosa (Verschiedenes und als Highlight der Brunch)  und El Sombrero Verde (Mexikanisch).

Ersatz – auch gut?
Meine größte Herausforderung in dieser Woche ist das Ersetzen von IMG_20180107_220303_resized_20180107_105212338Milchprodukten. Veganen Käse habe ich schon früher probiert – so gar nicht meins! Also kein Käse für eine Woche, das geht, obwohl mich die innere Schweinemaus mit großen Augen anguckt.
Was gibt es sonst noch? Milch!
Das ist einfach, meine Mitbewohnerin macht sich
regelmäßig eigene Hafermilch, günstig und mit
wenig Zucker, eignet sich super für Müsli und den Kaffee.

Sahne gibt es ebenfalls aus Hafer oder Soja, da musste ich mich jedoch erstmal dran gewöhnen. Für den Mango-Lupinenjoghurt würde ich aber jederzeit eine Facebook-Fanpage gründen. Butter kann man durch Margarine ersetzen, gerade beim Backen fällt das nicht auf. Besonders empfehlen kann ich veganen Karottenkuchen. Ich esse schon länger gerne vegane Brotaufstriche, diese kann man auch einfach selbst herstellen, genauso wie Dips. Meine Favoriten sind Olivenpaste, Hummus und Cashewkäse, oft braucht man nur zwei Zutaten und einen Mixer. Ersatzprodukte wie vegane Schnitzel, Würstchen und Frikadellen aus dem Supermarkt sind allerdings nichts für mich. Dann probiere ich lieber komplett neue Dinge aus, als diesen Ersatz. Die meisten Fleisch-Ersatzprodukte schmecken mir einfach nicht, manche haben auch einen sehr hohen Salzanteil. Auch Soja und Superfoods sehe ich kritisch. Es gibt genügend regionale Lebensmittel wie Buchweizen, Heidelbeeren oder Kohlrabi, die genauso viele Vitamine und Power haben. Die Vorteile: sie müssen nicht eingeflogen werden, zerstören keine Regenwaldflächen und verbrauchen keine Unmengen an Wasser, außerdem sind sie günstiger.

Puh, mir wird wieder bewusst: Ernährung ist ein heikles Thema und alle sagen etwas anderes. Ich habe für mich erstmal beschlossen mehr auf regionales, biologisches und saisonales zu setzen.

Kritische Momente und was mir fehlt
Die Freundin gibt zum Geburtstag Torte aus… mit Sahne, Eiern und Butter (ich weiß außerdem, dass die Freundin ganz fantastisch backen kann). Der Kaffee auf dem Weg zur Arbeit, es gibt am Kiosk leider nur konventionelle Milch – schwarz ist das Ganze ziemlich hart, morgens um 7.00 Uhr. Übriggebliebene Milchprodukte im Kühlschrank welche zeitnah konsumiert werden müssen – hier freuen sich Freunde und Mitbewohner. Die Eltern laden zum Fischessen ein…

Gerade Fisch, den angle und esse ich nämlich sehr gerne selbst, darauf möchte ich auch in Zukunft nicht verzichten. Immerhin ist der Selbstgefangene ökologisch, also wenn man die ganze Ausrüstung und den Spritverbrauch nicht mitrechnet. Ich merke es wird schon wieder kompliziert.

fisch
Fleischverzicht wäre wohl das kleinste Problem, obwohl ich noch nicht weiß, wie ich das meiner Oma erklären sollte, wenn sie mich zum Essen einlädt… Also für Käse habe ich leider keinen adäquaten Ersatz gefunden und daher darauf verzichtet. Hat da vielleicht jemand noch einen Tipp? Als Kompromiss für die Zukunft habe ich beschlossen, nur noch regionalen Bio-Käse auf dem Wochenmarkt zu kaufen. Käse hat nämlich eine unglaublich schlechte CO2-Bilanz, da er auf Umwegen über Tierhaltung mit viel Milch und Wärme produziert wird.

Wie geht es weiter?
Der Test hat mir viel Spaß gemacht und es gibt viele gute Gründe sich vegan oder vegetarisch zu ernähren. Tierwohl, Klimawandel, Verschwendung und die Auseinandersetzung mit dem eigenen Konsumverhalten. Ich werde nicht zur reinen Veganerin oder Vegetarierin werden, aber in Zukunft noch mehr auf meine Gewohnheiten und Ernährung achten. Gerade das Entdecken neuer Rezepte und Restaurants waren tolle Erfahrungen. Momentan gibt es noch zu viele Dinge, auf die ich nicht verzichten möchte, aber man kann ja im Kleinen anfangen. Ich kann jedem empfehlen mal die eine oder andere Mahlzeit, oder einen Tag, vegan zu testen – es lohnt sich und schmeckt super.

Wappen farbigMarret Bähr, Klimaschutzmanagerin Stadt Preetz, marret.baehr@Preetz.de

 

Eine Woche Stromkontrolle – wo sind die „Stromfresser“ bei mir zuhause?

AnjaSchaeffler-kleinHeute startet die Testwoche – bei mir (Anja Schäffler, Klimaschutzmanagerin des Kreises Ostholstein) bedeutet das: eine Woche Stromkontrolle. Zunächst eine Bestandsaufnahme: Vor zwei Jahren sind mein Freund und ich gemeinsam in eine 2,5-Zimmer-Wohnung mit ca. 65 m² gezogen. Im letzten Jahr hatten wir einen Stromverbrauch von 2.310 kWh inklusive Warmwasser mit Strom. Im Bad haben wir einen Durchlauferhitzer, in der Küche einen Boiler. Entsprechend des Stromspiegels 2017 für Deutschland ein recht niedriger Wert, denn im Schnitt haben zwei-Personen-Haushalte in Wohnungen einen Verbrauch von 3.000 kWh (ohne Warmwasser mit Strom 2.100 kWh). Auf der Internetseite der Stromsparinitiative lassen sich die eigenen Werte ganz leicht überprüfen. Zudem werden hier Sparpotentiale aufgezeigt.

Aber nun zurück zu unserer Wohnung. Theoretisch sollten wir also einen durchschnittlichen täglichen Verbrauch von ca. 6,3 kWh haben. Durch Zeiten, in denen niemand zuhause ist, wie ein gemeinsamer Urlaub, ist der durchschnittliche tägliche Verbrauch wahrscheinlich etwas höher. In unserer Testwoche hatten wir allerdings einen leicht höheren durchschnittlichen täglichen Verbrauch (siehe Messreihe). Doch woran könnte das liegen? Zum einen sicherlich an der Jahreszeit (Winter) und dementsprechend mehr benötigtem Licht in der Wohnung. Zum anderen lassen wir ab und an den Trockner im Winter laufen, da wir keine Trocknungsmöglichkeit im Haus haben und das Trocknen in den Zimmern Probleme bereitet (unsere Fenster sind über 30 Jahre alt und im Winter schlägt sich an diesen leider extrem die Feuchtigkeit nieder). Ferner ist das Wasser im Winter aus der Leitung wesentlich kälter, sodass das Heizen auf gleiche Temperatur wie im Sommer wahrscheinlich mehr Energie benötigt.

Messreihe

Tag Verbrauch in kWh Nutzung größer Verbraucher
1 10,1 Waschmaschine, Trockner, Geschirrspüler
2 6,3
3 8,6 Waschmaschine, Geschirrspüler
4 5,8
5 7,4
6 5,7
7 8,9 Waschmaschine, Geschirrspüler

Um Verbesserungspotentiale zu finden, habe ich alle Stromverbraucher in unserer Wohnung aufgelistet.

Licht
Insgesamt haben wir 28 Leuchtmittel in unserer Wohnung.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

  • Arbeitszimmer: 6
  • Badezimmer: 3
  • Küche: 9
  • Flur: 1
  • Schlafzimmer: 4
  • Wohnzimmer: 5

Die meisten Fassungen sind mittlerweile mit LEDs ausgestattet, verbrauchen also um die 4 bis 8 Watt. Einige Energiesparlampen mit um die 11 Watt haben wir noch in Betrieb. Im Badschrank sind noch zwei Relikte von unserem Vormieter mit je 40 Watt. Da wir diese Beleuchtung kaum nutzen, besteht hier kein Austauschbedarf. Bei der „Sonderbeleuchtung“ sieht es hingegen etwas anders aus. Die Lichterkette im Wohnzimmer verbraucht 22,8 Watt und hat bereits zwei kaputte Glühbirnen – wird also wenn im Ganzen ausgetauscht. Meine persönliche Überraschung ist aber mein Tageslichtwecker. Dieser verbraucht 100 Watt! Ich hätte nie gedacht, dass wir in der Wohnung ein Leuchtmittel mit 100 Watt haben. Bisher habe ich noch keine Ersatzlampe in Form einer dimmbare LED gefunden und daher den Hersteller kontaktiert. Leider noch ohne zufriedenstellende Rückmeldung.

Warmwasser mit Strom
Hier sind wir bereits aktiv geworden und haben Mengenregler im Bad für den Wasserdurchsatz eingebaut. Diese begrenzen die Durchsatzmenge auf 6 Liter pro Minute. Und dementsprechend eine Minderung der Menge des zu erwärmenden Wassers.

Stromintensive Geräte und ihre Nutzung
Arbeitszimmer:

  • 2 neuwertige Laptops (davon einer täglich in Benutzung)
  • 2 Bildschirme (davon einer täglich in Benutzung)
  • Tragbarer Lautsprecher (täglich in Benutzung)

Badezimmer: Fön (mehrmals die Woche)

Küche:

  • Espressomaschine (täglich in Benutzung)
  • Wasserkocher (mehrmals täglich)
  • Herd mit Ofen (altes Gerät, Herd täglich, Ofen mehrmals die Woche)
  • Toaster (mehrmals die Woche)
  • Pürierstab (einmal die Woche)
  • Trockner (altes Gerät, einmal die Woche)
  • Waschmaschine (ca. 5 Jahre alt, zweimal die Woche)
  • Geschirrspüler (mehrmals die Woche, sehr neues Gerät mit geringem Verbrauch)
  • Kühl-Gefrierkombination (immer, ca. 5 Jahre alt)

Flur:

  • Staubsauer (einmal die Woche)
  • Ladegeräte für die Handys (täglich)
  • Router (immer)
  • Haustelefon (immer)

Schlafzimmer: Radiowecker (täglich)

Wohnzimmer:

  • Spielkonsole (mehrmals die Woche)
  • TV (täglich)
  • AV-Receiver (täglich)
  • Staubsaugerroboter (mehrmals die Woche)
  • Blu-ray Player (einmal im Monat)

Die Nutzung des Trockners scheint einen merklichen Anteil an unserem Stromverbrauch zu haben. Doch auf diesen können wir im Winter leider schlecht verzichten. Auch die Anschaffung eines neuen Trockners macht nicht wirklich Sinn. Daher werden wir hier wohl zunächst keine Änderung vornehmen. Auch der Austausch des sehr alten Herdes plus Ofen würde sich sicher lohnen, da dieser aber nicht unser Eigentum ist, werden wir auch hier nicht aktiv werden. Die Anschaffung eines neuen Wasserkochers mit einstellbarer Temperatur würde sich hingegen lohnen, da wir recht viel Tee trinken. Zudem beendet der Wasserkocher das Heizen leider nur sehr verzögert, d.h. die 100 Grad sind schon längst erreicht.

Fazit

Da ich mich schon seit längerem mit dem Thema auseinandersetze und noch nicht sehr lange in der Wohnung wohne, habe ich bereits einige Maßnahmen für einen geringeren Stromverbrauch umgesetzt. Neue Lampen werden konsequent nach niedriger Watt-Zahl gekauft, Durchflussbegrenzer wurden im Bad eingebaut und ein wichtiges Kaufkriterium für neue Geräte ist ihr Verbrauch. Die wenigen Geräte, bei denen sich ein Austausch lohnen würde (Herd/Ofen), befinden sich nicht in meinem Besitz oder ein Austausch ist momentan nicht sinnvoll (Trockner, in einer anderen Wohnung entfällt das Problem – hoffentlich – automatisch). Kurzfristig umsetzen sollte ich hingegen den Austausch des Wasserkochers. Möglichst gegen ein Produkt mit einstellbarer Temperatur und einem Siegel, wie dem Blauen Engel. Und für die 100-Watt-Lampe in dem Tageslichtwecker muss es eine Alternative geben – momentan verzichte ich auf die Nutzung des Lichtes.
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Anja Schäffler, Klimaschutzmanagerin des Kreises Ostholstein
a.schaeffler@kreis-oh.de, http://www.klimaschutz-oh.de